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Rezension: LTB 518 - Das Schlaue Buch in Gefahr



Oberstwaldwebel wider Willen (Gaja Arrighini & Paola Cortellesi – Andrea Lucci; 24 S.)

Auf ein neffenfreie Freizeit setzend fährt der ewige Faulpelz Donald die Fieselschweiflinge Tick, Trick und Track zum Flughafen. Ein gemeinsamer Ausflug in die Abruzzen steht an, angeführt vom stolzen Oberstwaldwebelmeister höchstpersönlich. Hinter dem Campingausflug steht eine ernste Angelegenheit, denn die Pfadfinder beabsichtigen die wissenschaftliche Beobachtung von seltenen Bären. Bedauerlicherweise kann der Oberstwaldmeister krankheitsbedingt nicht verreisen, da er sich den Knöchel verstaucht hat. So ernennt er kurzerhand Donald zum Oberstwaldmeister auf Zeit! Schließlich sei Donald ein erfahrener Abenteurer und ein wahrer Kenner und Bewahrer der Natur. Leider ist an den Erzählungen der Würmlinge in Wahrheit nicht viel dran. Donald dagegen sieht sich in seiner neuen Person als geborener Oberstwaldmeister bestätigt und befehligt Tick, Trick und Track mit harter Hand, ohne selbst einen kleinen Finger krumm zu machen. Wenig überraschend mündet Donalds arrogantes Auftreten in einem verheerenden Chaos.

Mit der Veröffentlichung dieser völlig missratenen Geschichte ausgerechnet im Geburtstagsband des Fähnlein Fieselschweifs hat man sich wahrlich keinen Gefallen getan. Schon in der Vergangenheit hat Donald (und sogar Dagobert) den Oberstwaldmeister vertreten und damit unter Beweis gestellt, wie ungeeignet er im Grunde für diese Rolle ist. In diesem Abenteuer wird Donalds Unfähigkeit allerdings auf die Spitze getrieben. Wären Donalds Fehler wenigstens in seiner eigenen Person begründet und würden auf fehlendem Wissen über Pflanzen, Tiere und Naturphänomene basieren, könnte man aus der Handlung noch etwas Lehrreiches herausholen. Schließlich kennt sich niemand besser mit der Natur aus als die Fieselschweifinge, die zudem auf das unendliche Wissen ihres Schlauen Buches zurückgreifen können.

Nein, "Oberstwaldwebel wider Willen" wird einzig durch den unsympathischen, harsch auftretenden und sich selbst durch und durch maßlos überschätzenden Donald bestimmt, dass es dem Leser die Magensäure aufsteigen lässt. Das völlig überzeichnete Bild von Donald ist ein reines Negativ-Beispiel und es ist völlig ungerechtfertigt, dass sich der Tollpatsch am Ende als Held feiern lassen darf. Dabei könnte man die Handlung prima umbauen können, in dem Donald in der ersten Hälfte erst einmal selbst von seinen Neffen lernen muss, wie man sich im Wald verhält und richtig campt, und in der zweiten Hälfte dieses neugewonnene Wissen an die jungen Stadtkinder weitergibt, die anfangs keinerlei Respekt vor dem Schutz der Umwelt haben, sich nach und nach aber von Donald als Oberstwaldmeister belehren lassen. Fertig aus, Micky Maus! In etwa so hätte meine Version von "Oberstwaldwebel wider Willen" ausgesehen.

Total unpassend, weil übertrieben und völlig deplatziert, sind nebenbei bemerkt die grantigen Dialoge, die gerade Donald in den Schnabel gelegt werden. Wenn dieser sich gleich zu Beginn die Frage stellt, ob man immer "so altklug" werde, wenn man "einen toten Biber auf der Birne" trage, hat das für mich entschieden nix mehr mit (gemäßigter) Jugendsprache zu tun, um junge Zielgruppen anzusprechen. Das ist einfach nur peinlich!

Mit der zweiten längeren Geschichte um das Fähnlein Fieselschweif schließt sich der mit der Titelgeschichte begonnene Kreis. Bevor sich auch diese Rezension ihrem Ende neigt, begeben sich wahre Fieselschweiflinge mit ihrer Taschenlampe auf die Suche nach dem...



Zuletzt aktualisiert: 10.04.2019, 10:46
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