Hallo, Gast!
Registrieren


Rezension: LTB 556 - Das Geheimnis des Geldspeichers

Cover

Längst ist er ein Wahrzeichen Entenhausens geworden und zieht neugierige Besucher von nah und fern an: Der Geldspeicher des reichsten Mannes der Welt. Vorrangig zum Zweck der sicheren Geldlagerung errichtet, steckt der brutalistische Bau voller Geheimnisse. Diese gilt es im neuen Lustigen Taschenbuch 556 "Das Geheimnis des Geldspeichers" an der Seite von Dagoberts Butler Baptist zu ergründen. Dieser muss nämlich in einer Schmierenkomödie der Panzerknacker die Hauptrolle spielen und plaudert bei einem angeblichen Butler-Kongress über seinen Alltag im verwinkelten Geldspeicher, wo er ganz nah am Talerbad seinen Verrichtungen nachgeht. Die bösen Buben hören aufmerksam zu und wollen ihr neu erworbenes Wissen schon bald in der Praxis anwenden...

Währenddessen versucht der ewige Kleinkriminelle Kater Karlo, seinen Hals aus der Schlinge der Justiz zu ziehen und den Richter davon zu überzeugen, dass er im Grunde kein schlechter Mensch sei. Der nachgiebige Richter kann sich der öffentlichen Meinung im Netz nicht entziehen und stellt Kater Karlo den braven Bürger Micky Maus als "Pate" zur Seite, damit nun auch Karlo den rechten Weg wiederfindet.

Nachdem Donald seinem Vetter Dussel einen verrückten Streich gespielt hat, indem er ihn mit seiner Topfpflanze sprechen lässt, sucht Erfindergenie Daniel Düsentrieb ein weiteres helles Köpfchen als Assistenten. Nach einigen fehlgeschlagenen Bewerbungen findet Daniel doch noch den richtigen Kandidaten, der den Herrn Ingenieur schließlich sogar in den Duck'schen Geldspeicher begleiten darf. Genau dort taucht wenig später ein völlig schockierter Mac Moneysac auf, hinter dem die Schattenmonster aus der Paralleldimension "Dorum" her sind.

Ob LTB 556 Licht ins Dunkle bringen kann, gibt's hier zu lesen!

Von Entenfan


Der Inhalt:
Titel Autor (A), Zeichner (Z) EV-Jahr Seiten Rezension
Das Geheimnis des Geldspeichers A: Alessandro Sisti; Z: Giuseppe Facciotto 2021 72 Erlesene Einblicke
Nur zur Erinnerung A: Gabriele Mazzoleni; Z: Massimo Asaro 2014 24 Hart wie Bienenwachs
Eine tausendundzweite Chance A: Fausto Vitaliano; Z: Federico Franzò 2018 24 Karlos (Vor-)Verurteilung
Kuriose Kunden A: Augusto Macchetto; Z: Michele Mazzon 2008 11 Lustiger Lehrmeister Primus
Unterwegs mit dem Fähnlein Fieselschweif: Orientierungssinn A: Francesca Agrati; Z: Andrea Lucci 2017 1 Verlaufen
Auf Weltraumwolke sieben A: Gaja Arrighini; Z: Nicola Tosolini 2003 22 Verliebter Gamma nervt
Der Rat der Efeutute A + Z: Enrico Faccini 2016 20 Dussel spricht mit Pflanze
Das neue Helferlein A: Carlo Panaro; Z: Francesco Guerrini 2020 20 Charmante Düsi-Story
Selbstversuchung A: Giorgio Fontana; Z: Giorgio Di Vita 2018 4 Altbacken
Der Super-Gammler A: Sisto Nigro; Z: Mattia Surroz 2021 26 Faulenzer Donald in Action
Die Schatten von Domum A: Pat & Carol McGreal; Z: Paco Rodriguez 2022 25 Slenderman-Spaß mit Moneysac
Mit Stock, Charme und Zylinder: Hoch hinaus A: Gorm Transgaard; Z: Andrea Ferraris 2022 1 Hochgestapelt


Cover

Was verspricht die Aufmachung des Bandes?

Der stolze Spazierstockträger steht stolz vor seinem Sparschwein: Selten haben wir Onkel Dagobert in letzter Zeit so gut gelaunt gesehen. Vor seinem Geldspeicher durfte der reichste Mann der Welt übrigens schon auf den Covern von LTB 423 und 505 posen. Der Schilderwald wurde allerdings kahlgeschlagen. Zur gleichen Geschichte gibt es auch noch ein Variantcover von Giorgio Cavazzano, auf welchem Onkel Dagobert seinen Zylinder verschmitzt tief ins Gesicht gezogen hat. Interessant ist auch das Backcover, auf dem ein zerteilter Geldspeicher zu sehen ist, aus dem das Geld auf den Glatzenkogel strömt.







Welche Geheimnisse können die Panzerknacker dem Geldspeicher entlocken?

Eines schönen Tages flattert ein an Baptist adressierter Brief in den Geldspeicher. Onkel Dagobert, der den Brief öffnen darf, zieht eine Einladung zu einem angesehenen Butler-Kongress aus dem Umschlag und staunt nicht schlecht, dass man ihm sogar einige Taler als Ausgleich für den Arbeitsausfall spendiert. So ist es also beschlossene Sache und Baptist freut sich bereits auf ein entspanntes Wochenende in einem Luxushotel am Meer. Jedoch verhalten sich die anderen drei Butler, die er bei dem Kongress kennenlernen darf, äußerst seltsam und nehmen Baptist sogar sein Handy weg. Besonderes Interesse zeigen sie an den Anekdoten über Dagobert Ducks Geldspeicher, die Baptist bei seinen Vorträgen sogar mit eigens gefertigten Skizzen ausschmückt. Dem Leser ist schnell klar, dass die Panzerknacker hinter der Sache stecken und auch Baptist dämmert es langsam, dass nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann. Trotz der von Baptist gewonnen Informationen schaffen es die Panzerknacker nicht, bis zum Talerbad vorzudringen. Nun beschleicht auch Onkel Dagobert ein ungutes Gefühl...



Was eingangs wie eine stinknormale Panzerknacker-Geschichte aussieht, entwickelt sich mit der Zeit doch zu einer längeren und sehr gut ausgebauten Erzählung rund um den Geldspeicher und dessen gute Seele, Baptist Brinksdink. Man selbst wird nicht lang auf den Arm genommen, sondern erfährt, wie die Panzerknacker unter der Führung von Opa Knack ihren Plan ausgeheckt haben. Dabei gibt es ein paar witzige Szenen, in denen die Gauner beinahe auffliegen und von Baptist enttarnt werden könnten, sich aber mächtig ins Zeug legen, damit genau das nicht passiert. Besonders spannend finde ich, dass die Schurken im Verlauf der dreiteiligen Story mehr als einmal durch die Kanalisation in den Geldspeicher eindringen können und es daher doch mehr schöne Momente im Haus des Geldes gibt, als ich annahm. Dabei gibt es einerseits die üblichen Gags mit allerlei Fallen und die Überwindung der Sicherheitssysteme. Andererseits zeugen die interessanten Einblicke in die Räumlichkeiten des Speichers von genialer Kreativität und liebevollen Hommagen an Barks und Rosa. So verwunderte es mich beispielsweise, dass sich eine Waschmaschine für Dagoberts Edelsteine im Untergeschoss befindet sowie eine eigene Trophäenkammer nur für die Andenken an die Familie des reichsten Mannes der Welt. Ach, und wo steht eigentlich Onkel Dagoberts Limousine, wenn sie nicht gerade vor der Tür abfahrtbereit steht?

Schwächen hat "Das Geheimnis des Geldspeichers" am Ende, als aufgeklärt werden soll, wie Onkel Dagobert das falsche Spiel durchschaut hat. Bei Baptist mag ich da noch mitgehen, aber die Erklärungen für Dagoberts "ungutes Gefühl" sind für meinen Geschmack ein bisschen weit hergeholt. Ansonsten hat Alessandro Sisti eine lesenswerte Geschichte um die Architektur des Geldspeichers gestrickt, die mit Rosas "Gauner gegen Geldspeicher" durchaus mithalten kann. Bei den Zeichnungen hat sich Giuseppe Facciotto viel Mühe gegeben, dem alten Kasten viel Leben einzuhauchen und die vielen Treppen und Kammern nicht zu ähnlich aussehen zu lassen. Vielmehr hat jede Räumlichkeit sein eigenes Flair, was besonders beim großen Finale ein deutlicher Pluspunkt ist.

Ein Lesetipp für Dagobert-Fans, der Bezüge von Barks und Rosa in modernisierter Form aufgreift.




Wie viele Versuche braucht Kater Karlo noch zum Ehrlichwerden?

Wieder einmal findet sich Kater Karlo auf der Anklagebank vor und sinniert gegenüber dem vorsitzenden Richter in einem Strafprozess von einer "schwierigen Kindheit" und "schlechtem Einfluss". Der Richter ist zunehmend genervt von Karlos Eskapaden und glaubt nicht unbedingt daran dass man Karlo noch resozialisieren und zu einem braven Bürger Entenhausens machen kann. Nachdem der Prozess vertagt wird und sich der Richter zurückzieht, nimmt Kater Karlo in einer Liveshow des windigen Moderators Lothar Likes Platz und erzählt von seinem bewegten Gaunerleben. Die Zuschauer finden schnell Gefallen am "armen" Kater Karlo, der ein Opfer der Justiz sei und laut Voting der Zuschauer beinahe ein Unschuldslamm sei, wie es das "Justiziometer" anzeigt. Nun hat auch der Richter seine Ansicht geändert und bringt es nicht fertig, Karlo aufgrund der guten öffentlichen Meinung über ihn so einfach ins Gefängnis zu schicken. Stattdessen soll sich ausgerechnet Micky Maus, der Karlo ja schon seit Jahr und Tag kennt, Karlo im Alltag begleiten und auf den rechten Pfad der Tugend bringen. Das fordert Mickys besondere Verantwortung, denn auf ihm lastet nun ebenfalls die Bürde der öffentlichen Meinung aus den sozialen Netzwerken.



Eine durchaus interessante Geschichte aus dem Entenhausener Justizbereich, die Fausto Vitaliano hier für uns strickt und am Beispiel von Kater Karlo die Frage nach Gerechtigkeit stellt. Der Witz an der Sache ist, dass sich der ewige Dauerganove Karlo nicht die geringste Mühe gibt, einen guten Eindruck zu machen. Er bleibt im Grunde er selbst und fällt mit seinem rüpelhaften Benehmen und seinen vielen kleinen Vergehen auf. Dennoch steigen seine Beliebtheitswerte im Internet. Als Mickys Standpauke heimlich gefilmt wird und ebenfalls im Netz landet, ist Micky nicht nur angefressen, sondern denkt über die Gerechtigkeitsfrage nach. Aber nur kurz: Denn Kater Karlo ist und bleibt ein alter Gauner, davon ist Micky felsenfest überzeugt. Dabei ist es streckenweise recht lustig, Micky und Karlo dabei zu beobachten, wie sie beispielsweise einkaufen gehen. Allerdings finde ich es etwas merkwürdig, dass Karlo tatsächlich niemanden manipulieren wollte und nicht aufgedeckt wird, woher die vielen Klicks kommen. Alles bleibt ausgesprochen anonym. Die Massen lassen sich sehr leicht beeinflussen und in ihrer Meinung steuern. Mir gefällt das sehr schöne Ende, das ich dergestalt interpretiere, dass Karlo seine Selbstdarstellung lieber im Kreis der Halunken aufrechterhält und die dortige Anerkennung weitaus mehr schätzt als im Internet. Die Zeichnungen, die Federico Franzó beisteuerte, sind ulkig anzuschauen und warten hie und da mit charmanten Details auf (so ist der Richter mit dem großen Ego von eher mäßiger Körperstatur), jedoch ist es primär Micky, der einen ziemlich großen Mund hat.




Welche düsteren Schatten verfolgen Mac Moneysac?

An einem stürmischen Abend, an dem der Regen nur so auf Entenhausen hinabprasselt, steht plötzlich Mac Moneysac völlig erschöpft und sichtlich aufgelöst vor der schweren Panzertür des Geldspeichers. Onkel Dagobert sowie Tick, Trick und Track staunen nicht schlecht, als der zweitreichste Mann der Welt ein mysteriöses Artefakt unter seinem Anzug hervorholt, das er kurz zuvor bei einer Auktion ersteigert hat. Laut seines Berichtes verfolgen Moneysac nun düstere Schattenkreaturen mit langen, schwarzen Extremitäten. Obwohl Onkel Dagobert zunächst an Moneysacs Erzählung zweifelt, will er seinem Rivalen zu Hilfe eilen, als die Schattenmonster unvorhergesehen im Geldspeicher auftauchen! Diese verschwinden mitsamt dem Artefakt und Dagoberts Großneffen durch ein Dimensionstor und sind auf und davon. Mithilfe von Daniel Düsentrieb treten folglich auch Onkel Dagobert, Daniel Düsentrieb und Mac Moneysac die Reise in die Parallelwelt von "Domum" an, um Tick, Trick und Track zu befreien und beide Welten zu retten.



"Die Schatten von Domum" von den McGreals und Rodriguez am Zeichenbrett liest sich wie eine unfertige Mystery-Geschichte, die von Anfang an unrund läuft. Das erste Drittel ist eine reine Nacherzählung der Geschehnisse von Moneysac, die gerade einmal fünf Minuten her zu sein scheinen. Man hätte diese ruhig direkt aus der Sicht von Moneysac zeigen können, denn die vielen Erklärungen geben – daran leidet die gesamte Story – einfach keine richtigen Erklärungen. Es gibt ein seltsames Artefakt und seltsame Wesen, eine seltsame Welt und seltsame Transmutationen. Aber ein klarer roter Faden lässt sich nicht erkennen, und so kann man weder hinter die Düesentrieb'schen Pseudo-Wissenschaftsfakten steigen noch eine echte Beziehung zu den Bewohnern von Domum aufbauen. Diese sind einfach von einem Tag auf den anderen zu schwarzen Monstern geworden, weil ihnen eine Sonne fehlt. Und das nur, weil ein Tüftler in dem Paradies ein noch paradiesischeres Paradies erschaffen will? Nee, da stimmt irgendwie hinten und vorne nix. Rodriguez‘ Zeichnungen sind in Ordnung, wobei ich sagen muss, dass mich die Schatten eher amüsieren als das Fürchten lehren und die Welt von Domum zu nichtssagend aussieht. Richtig überzeugend ist leider auch Moneysacs Sinneswandel nicht, allerdings ist es ganz cool, dass er in der Geschichte vertreten ist und Dagobert zähneknirschend mit ihm kooperiert. Eine friedliche Heimreise nach Entenhausen bekommt man als Leser nicht zu Gesicht: Hoffentlich gehen Düsis Dimensionstoren dieses Mal nicht die Batterien aus!




In welchen Sphären schwebt der verliebte Gamma?

Eines schönen Tages bekommt Micky einen Anruf von seinem alten Freund Gamma, der um einen ganz besonderen Gefallen bittet. Micky soll einen Tisch für vier Personen in einem schicken Restaurant reservieren und dabei Gammas Vorliebe für Kumquats bedenken. Die beiden planen ein Doppel-Date mit ihren Freundinnen. Schließlich lernen Micky und Minni die grobe, unmanierliche Ypsilona kennen, auf die Minni schon nach kurzer Zeit schlecht zu sprechen ist. Derweil berichtet Gamma, wie er Ypsilona durch einen Zufall auf dem Postamt kennengelernt hat und sie ihn unbedingt zur Erde begleiten wollte. Die Gründe für letzteres muss Micky noch ergründen, womit er Gamma im Endeffekt leider das Herz brechen muss.



"Auf Weltraumwolke sieben" von Gaja Arrighini und Nicola Tosolini ist auf jeden Fall eine sehr, sehr merkwürdige Geschichte und zählt für mich schon zu den beknacktesten Romantik-Storys aus dem Entenhausen-Kosmos. Nun ist es also an Gamma, dem völlig der Kopf verdreht wird und der offensichtlich seinen scharfen Sachverstand verloren hat. Der Mensch aus der Zukunft wirkt wie ein willenloser Trottel, der sich am Ende sogar in einen Rasenmäher verguckt. Selbstredend war Gamma schon immer ziemlich eigenwillig (was hier sogar mit seiner Leidenschaft für Kumquats auf seine frühesten Ursprünge bei Gottfredson zurückgeführt wird), aber so planlos hat man ihn selten gesehen. Auch Micky gibt nicht unbedingt eine gute Figur ab und so ist es an Minni, dem Täuschungsmanöver mit massiver Frauenpower ein Ende zu bereiten. Dafür bin ich ihr ziemlich dankbar!




Welche Geschichten halten eine Überraschung bereit?

In seiner Erfinderwerkstatt weiß Dipl.-Ingenieur Daniel Düsentrieb langsam nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Sein querulantischer Auftraggeber Dagobert Duck sitzt ihm unnachgiebig im Nacken und fordert ein verbessertes Sicherheitssystem für den Geldspeicher. Dafür benötigt Daniel im Grunde viel mehr Zeit, er muss sich aber zeitgleich auch um die Belange seiner alltäglicheren Kunden kümmern, die Reparaturen und allerlei kuriose Wünsche für ihre Geräte bestellt haben. Kurzerhand beschließt Daniel, dass er einen weiteren Hilfsassistenten benötigt, da er sein Helferlein für die dringlichsten Fälle benötigt. Nachdem sich mehrere Kandidaten bei Herrn Düsentrieb vorgestellt und sich schnell als ungeeignet erwiesen haben, steht der junge Jasper vor seiner Tür. Jasper stellt sich als cleverer Bursche heraus, der Daniels Erfindungen sogar noch leicht verbessern kann und voller Ideen ist. Als Jasper auch das neue Düsentrieb'sche Alarmsystem im Geldspeicher aufwerten will, droht eine ungeahnte Gefahr, welche nur der hellste Kopf in letzter Sekunde bannen kann.



Der vielbeschäftigte Carlo Panaro strickt mit "Das neue Helferlein" eine frische und interessante Geschichte, die man gern verfolgt. Der deutsche Titel geht natürlich völlig in die falsche Richtung, denn Daniels neuer Helfer ist aus Fleisch und Blut. Lustigerweise entwickelt sich Helferleins anfänglicher Neid schnell zu Bewunderung und Anerkennung. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass man hier noch mehr aus der Beziehung zwischen Jasper und Helferlein herausholen hätte können. Zum Beispiel, wenn die beiden zusammen ein Problem hätten lösen müssen. Mit dem übereilten Ende leuchtet mir nicht ein, mit welcher "Erfindung" hier der Kurzschluss verhindert worden sein soll. Angemerkt werden muss, mit wie viel Hingabe und Leidenschaft Francesco Guerrini seine Zeichnungen mit lauter putzigen Details (noch weiter!) aufgewertet hat. Man sieht nicht nur die Falten von Donalds zerknitterten Hosen, sondern am laufenden Band auch laufende Maschinchen und Schilder mit klugen Sprüchen an den Wänden der Werkstatt. Da geht man gerne auf Entdeckungstour!



Eine wunderbare Geschichte aus dem Metier Donald-stellt-Dussel-Streiche legt uns Enrico Faccini in gekonnt überdrehter Manier mit "Der Rat der Efeutute" vor. Darin ist Dussel Duck unter die Milchshake-Mixer gegangen und gibt Donald unaufgefordert ein Probeexemplar zum Kosten. Das Getränk nach Dussels Spezialrezept ist allerdings ungenießbar, woraufhin Dussel das Glas einfach im Blumentopf seiner großblättrigen Efeutute im Wohnzimmer entsorgt. Dies könne der Pflanze ja nicht schaden – oder etwa doch? Donald nimmt die Situation sofort zum Anlass, Dussel einen Streich zu spielen und sich über ihn lustig zu machen. Jedoch wird Donald wenig später Opfer von Gustav Gans, der nun ebenfalls die Efeutute zurate zieht. Zum Glück lässt Onkel Dagobert die Kindsköpfe auffliegen und bereitet dem Rankenspiel ein Ende. – Urkomisch!




Bei welchen Geschichten bleibt der Unterhaltungswert auf der Strecke?

Donald ist als Wächter in einem neu eröffneten Wachsfiguren-Museum tätig und hat alle Hände voll damit zu tun, einen guten Eindruck beim selbstverliebten Museumsdirektor zu machen und gleichzeitig die neugierigen Fernsehjournalisten mit ihrer quirligen TV-Moderatorin in Zaum zu halten. Dennoch ist Donald insgeheim stolz darauf, dass auch eine Figur des legendären ersten Phantomias im Saal "Böse Taten, große Namen" neben allerlei anderen Helden ausgestellt wird. Als die Wachsfigur des maskierten Schurken "Arsen Lelump" gestohlen wird und jemand unter diesem Namen eine Einbruchsserie in Entenhausen inszeniert, ist Donald in seinem Alter Ego als Phantomias gefordert, die Ermittlungen aufzunehmen und den Täter ausfindig zu machen. Dabei entdeckt er, dass schon der erste Phantomias seine Probleme mit "Lelump" hatte. – Eine etwas holperige Phantomias-Geschichte, die es irgendwie verpasst, die Charaktere erst einmal richtig einzuführen. So erfährt man die Namen des TV-Teams erst ganz am Ende und es wird nicht klar, weshalb das Wachsfigurenkabinett Onkel Dagobert gehört. Leider gelingt es "Nur zur Erinnerung" nicht, genug Atmosphäre zu schaffen und Spannung zu entwickeln; auch wenn die Auflösung mitnichten vorhersehbar ist. Ein bisschen zu strahlend weiß gewaschen ist daher auch die Läuterung des Bösen. Unterm Strich also eine mittelmäßige Phantomias-Geschichte mit steifen Zeichnungen von Massimo Asaro, bei der alle Figuren wie aus einem Wachsfigurenkabinett aussehen.



In "Selbstversuchung" gerät Oma Duck darüber ins Grübeln, ob ihre Koch- und vor allen Dingen Backkünste tatsächlich so überragend sind, wie Franz Gans und die anderen Ducks stets behaupten. Sind die Köstlichkeiten vielleicht gar nicht so lecker, doch die Familie traut sich nicht, Dorette Duck die Wahrheit zu sagen? – Oma Duck macht den Selbsttest! – Eieiei, ich bin ja überhaupt kein Fan von den Mini-Geschichten, die einem zuerst vorgaukeln, eine längere Gagstory zu sein. Man denkt, Franz wird wieder mal Restauranttesten... aber nein, hier soll Oma Duck persönlich im Mittelpunkt stehen. Ihre Selbstzweifel wirken auf mich verdammt weit hergeholt und gänzlich unbegründet, es gibt nicht einmal einen Anlass. Wie dem auch sei, Oma ist und bleibt die Beste: Mahlzeit!






Was ist der Tiefpunkt des Bandes?

Unverhohlen treten die beiden Einseiter des Bandes als Tiefpunkte hervor. Erst beschwert sich Didi Duck über die Funktionstüchtigkeit seines angeblich kaputten Kompass (schon drölfzig mal bei Onkel Dussel Duck gesehen), später geht Onkel Dagobert auf die Wünsche seiner Kunden und Kundinnen ein und lässt höhenverstellbare Schreibtischstühle nachrüsten, die seinen Sekretärinnen gleich zu Kopf steigen. – Uff, wie lange soll diese Mise...Mini-Serie denn noch gehen? Argh!






Was gibt es sonst zum Band zu sagen?

Als ein neffenfreies Wochenende naht, ist Donald gänzlich davon überzeugt, friedlich und freudfertig in seiner geliebten Hängematte baumeln zu können oder den Tag vor der Glotze zu verbringen. Allerdings vermag es Donald nicht, sich der umfassend ausgestalteten Werbekampagne eines Sesselherstellers zu entziehen, der für einen hochmodernen Super-Sessel mit allerlei Funktionen wirbt. Da Donald das nötige Kleingeld für derlei große Investitionen fehlt, schlägt er sich mit einigen Jobs und Hilfstätigkeiten durch, bis er das Geld zusammen hat. Freudestrahlend stürmt Donald aus dem Kaufhaus, da er den letzten Sessel erwerben konnte. Zuhause angekommen plagt sich Donald mit dem Zusammenbauen. Als er zu später Stunde Einbruchsgeräusche vernimmt, heftet er sich an die Fersen der beiden Diebe, die ausgerechnet die Bauteile des Super-Sessels gemopst haben. Eine wilde Verfolgungsjagd durch Entenhausen nimmt ihren Lauf.



"Der Super-Gammler" ist eine witzige kleine Geschichte mit einem grundsympathischen Alltags-Donald in der Hauptrolle, mit dem man schon Mitleid haben kann. Dieses Mal jagt er nicht von einer Katastrophe in die nächste, sondern zeigt sich zielsicher und selbstbewusst. Das Szenario um die beiden blöden Langfinger ist etwas hanebüchen, aber die actionreiche Verfolgungsjagd quer durch die Gumpenmetropole kann sich definitiv sehen lassen. Am Ende muss sich Donald eingestehen, dass die bewährten Mittel immer noch die besten sind. Gut so!



Bei Augusto Macchetto und Michele Mazzon gewährt uns der Gelehrte Professor Primus von Quack Einblicke in die kunterbunte Einkaufswelt im Supermarkt. Dort gibt es einige "Kuriose Kunden" zu beobachten, wenn man nur gut genug hinschaut und den wortgewandten Kommentaren des Universalgelehrten lauscht. Sehr nette Gagstory mit verschiedenen Ducks beim Einkaufen!




Welche Details kann man schnell übersehen?

Der Schrank mit Büro-Utensilien in Onkel Dagoberts Kontor erinnert an den gleichen schmalen Schrank in Don Rosas "Schund oder Schatz?". Auch in "Gauner gegen Geldspeicher" von Rosa wird beschrieben, dass Dagoberts Edelsteine in verschiedenen Tresorkammern lagen. Ein alter Brunnenschacht dient den Panzerknackern beim "Sein Leben, seine Milliarden"-Schöpfer öfter als heimlicher Einstieg in den Geldspeicher. Die Erwähnung einer "Bindfadenaufwickelanlage" spielt auf Carl Barks' "Der zweitreichste Mann der Welt" an. Im Raum für Dagoberts Familienerinnerungen hängen u.a. Porträts seiner Eltern und seiner Schwestern, aber auch Antiquitäten wie der Schuhputzkasten und der berühmte Klondike-Pickel. Die roten Laserschranken und die schwarz-weiß gefliesten Böden, die bei Berührung der falschen Farbe eine schmerzhafte Falle auslösen, tauchen in nahezu identischer Form in der DuckTales-Folge "Glücks-Wechsel-Fälle" auf.

Das Szenario im Wachsfiguren-Museum der Phantomias-Geschichte spielt auf den Comic "Aufruhr im Wachsfiguren-Kabinett" von Carl Barks an. Es taucht sogar der lassowerfende Donald im Hintergrund auf. Darüber hinaus sind auch Thor, Captain America, Hulk, Harry Potter, Lucky Luke, Elvis und ein Beatle zu sehen. Der Name der Nachrichtenagentur ist eine Parodie von "Fox News".

Im Gerichtssaal befindet sich hinter dem Vorsitzenden Arno von Absatz ein Wappen in Form eines Micky-Maus-Kopfes mit einer Waage in der Mitte. Verbergen sich hinter den drei aktivsten Followern von Karlo namens "Bäuchle", "Krapfen", "Schnäuzerchen" vielleicht Trudi, Kralle und Schnauz?

Während Onkel Dagobert einen Laptop mit einem Ananas-Logo darauf verwendet, ist auf Daniels Rechner eine angeknackste Glühbirne zu sehen. Seine Werkstatt ist vollgestopft mit Schildern, die Aussprüche berühmter Denker in abgewandelter Erfinder-Form zeigen. Das Buch mit dem Hologramm-Vorleser liest aus "Romeo und Julia" von William Shakespeare vor, genauer im berühmten 2. Akt, 2. Szene, Vers 33.




Wie sieht das Fazit zu LTB 556 aus?

Cover Das eindrucksvolle Cover-Porträt des Lustigen Taschenbuches mit der Raumnummer 556 täuscht nicht über die Erwartungen an die siebzig Seiten füllende Titelgeschichte hinweg. Zwar gibt es in der Story viele kleinere Geheimnisse des Geldspeichers zu entdecken anstatt eines großen, wie es der Titel verspricht, aber gerade das macht in meinen Augen den Reiz der Geschichte aus. So gibt es zahlreiche Details zu entdecken und man gewinnt ein besseres Bild von Dagoberts Privatleben auf der einen und Baptists Arbeitsleben auf der anderen Seite. Dem Himmel sei dank werden die Panzerknacker dabei nicht so dämlich dargestellt, wie es oft der Fall ist. Sie dürfen tatsächlich mitdenken und agieren nicht blind wie die Hühner im dunklen Taubenschlag. Den Künstlern gelingt es, eine interessante und spannende Handlung zu erzählen, die ohne größere Logiklöcher auskommt. Das Ergebnis ist sehr unterhaltsam und kann sich sehen lassen!

Das gilt leider nicht für den Rest des LTBs, das leider ziemlich viel Quatsch enthält. Der zweite Platz geht ungelogen an das angebliche Unschuldslamm Kater Karlo, der von Micky zu einem braven Bürger erzogen werden soll. Hinter der Geschichte verbirgt sich eine gewisse Tiefe, die man nicht abstreiten kann. Allerdings gingen mir die Social-Media-Elemente etwas auf die Nerven. Freude bereiteten mir zudem die Helferlein-Geschichte mit Herrn Düsentriebs neuem Assistenten Jasper und der Faccini-Klamauk um die sprechende Efeutute. Dort wurde mal wieder unter Beweis gestellt, dass man eben doch manchmal noch eine Schippe drauflegen kann.

Der Fahrstuhl durch den Duck'schen Geldspeicher macht für mich wie folgt halt:
1. Das Geheimnis des Geldspeichers
2. Eine tausendundzweite Chance
3. Das neue Helferlein
4. Der Rat der Efeutute
5. Nur zur Erinnerung
6. Der Super-Gammler
7. Kuriose Kunden
8. Die Schatten von Domum
9. Auf Weltraumwolke sieben
10. Selbstversuchung
11. Mit Stock, Charme und Zylinder – Hoch hinaus
12. Unterwegs mit dem Fähnlein Fieselschweif – Orientierungssinn

Das neuste Abenteuer des maskierten Helden Phantomias war zwar nicht unbedingt prickelnd erzählt, vermochte jedoch mit dem Rückblick auf den historischen Phantomias und Donalds Alltagsjob als Museumswächter aufzuwarten. Donalds Einsatz für seinen supertollen Schnarchsessel macht es sich im Mittelfeld bequem. Nach dem lustigen Lehrausflug in Primus' Einkaufsladen konnten mich Mac Moneysac und Gamma nicht aus den Latschen hauen. Das Grauen mit Gamma konnte man sich kaum anschauen und den Slendermans, die Entenhausen heimgesucht haben, hätten mehr Handlungs-Masse auf ihren Rippen gebraucht. Die Kurzgeschichten waren allesamt peinlich.

In Summe kann LTB 556 nicht mit dem Vorgänger-Band mithalten, aber allein die lange Titelgeschichte sollte für Liebhaber von Onkel Dagobert und Baptist ein Kaufgrund sein.




Was erwartet uns in LTB 557?

Donald und seine Neffen haben ab dem 29. März "Spaß im Looping", wie es das 557. Lustige Taschenbuch verlauten lässt. Für eine Achterbahnfahrt der Gefühle sollen Maya Åstrup und Giorgio Cavazzano in der "Cover-Story" sorgen. Ebenfalls einen Besuch im Vergnügungspark tritt Micky Maus in "Der Futuromat" von Mazzoleni/Amendola an, wo ein durchtriebener Automat vorherzusagen vermag, welche Straftaten als nächstes begangen werden. Im Gegensatz zu Kommissar Hunter bleibt Micky skeptisch. Donald und sein Nachbar Zanker können ihren Zwist auch im Luna-Park von Onkel Dagobert nicht beilegen (Russo/Di Vita). Nach einem Wiedersehen mit Habakuk, auf dessen Grundstück die Herren der Panzerknacker AG ihre Beute vergraben haben (Valentini/Panaro) bildet eine Fortsetzungsgeschichte zu "Phantomias ist wieder da!" die längste Geschichte des Bandes (Pesce/Facciotto). Ob LTB 557 ein ständiges Auf und Ab wird, gibt's in vier Wochen zu lesen! Bis dahin!




Zuletzt aktualisiert: 14.03.2022, 12:08
Zum korrekten Funktionieren dieser Seite werden Cookies benötigt. Durch die weitere Nutzung erklärst du dich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Weitere Informationen