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Rezension: LTB 551 - Gefahr für Micky

Cover



Tatütataaa! Micky ist in Gefahr im neusten Lustigen Taschenbuch mit der Rufnummer 551! In der Titelgeschichte wird unser Lieblingsdetektiv nämlich von unvorstellbar realistischen Albträumen geplagt, die es ihm schier unmöglich zu machen, sich auch nur einen Augenblick auf die Realität zu konzentrieren. Jedoch stehen ihm die wackeren Fieselschweiflinge Tick, Trick und Track zur Seite, die eigentlich selber Mickys Hilfe bei der Lösung eines klebrigen Kriminalfalls benötigen...

Phantomias bekommt es derweil mit einem unnahbaren Gegenspieler zu tun, mit dem nicht gut Kirschen essen ist: Ein zotteliger Druide treibt mit seinem magischen Stab sein Unwesen in Entenhausen und hat es auf allerlei Besitztümer der Bürgerschaft abgesehen. Können auch hier die Fieselschweiflinge dem maskierten Superhelden unter die Arme greifen?

Zum Greifen nah erscheint Onkel Dagobert die Lösung des Problems mit den verschiedenen Währungen, die er tagein, tagaus immer im Blick behalten muss. Ohne Zutun seiner Berater erfindet er kurzerhand eine neue digitale Kryptowährung, den "Duckcoin" – nichtsahnend, dass er damit ein finanzpolitisches Erdbeben in Entenhausen auslöst...

Garantiert gefahrlos und erfahrungsgemäß erdbebensicher könnt ihr einen Blick in die folgende LTB-Rezension werfen: Viel Spaß!

Von Entenfan


Der Inhalt:
Titel Autor (A), Zeichner (Z) EV-Jahr Seiten Rezension
Gefahr für Micky A: Lars Jensen; Z: Andrea Freccero 2021 28 Cooles Krimi-Crossover
Widersinn und Wirklichkeit A: Gabriele Mazzoleni; Z: Giuseppe Facciotto 2019 24 Dusselismus № 1
Auf Ruhmesrundfahrt A + Z: Paolo Mottura 2018 33 Fahrige Fahrradfahrt
Der Gespensterdudelsack A: Marco Nucci; Z: Fabio Celoni 2020 12 Geister-Hokuspokus
Der Druide ist los! A: Giorgio Fontana; Z: Lara Molinari 2019 22 Keltisches Brimborium
Die Geschichte der Menschheit: Das Barock A: Augusto Macchetto; Z: Emilio Urbano 2021 27 "Ça ne casse pas trois pattes à un canard!"
Der Wahrscheinlichkeitsumwandler A: Pietro Zemelo; Z: Marco Mazzarello 2016 28 Stupide Stochastik-Stunde
Design oder Nichtsein A: Gaja Arrighini; Z: Nicola Tosolini 2019 33 Stilsicheres Gag-Gewitter
Kunterbunter Budenzauber A: Giorgio Fontana; Z: Marco Palazzi 2020 12 Dusselismus № 2
Aus dem Leben eines Tunichtguts: Eingeseift A + Z: Alessio Coppola 2020 1 Rasiert
Die Duckcoin-Blase A: Fausto Vitaliano; Z: Giampaolo Soldati 2021 30 Kryptische Kryptowährung




Was verspricht die Aufmachung des Bandes?

Huch! Micky Maus auf dem LTB Cover! Oder... Vielleicht doch nicht? Großes Rätselraten ist angesichts der neusten Titelillustration des LTBs angesagt: Ein bisschen Maus darf es schon sein, aber dann bitte nicht zu viel. Darum sieht man von Herrn Maus auch nur eine verzerrte Silhouette mit einem grotesk entstellten Gesichtsausdruck, der zumindest die zwei runden Ohren erkennen lässt. Im Vordergrund wundern sich die Fieselschweiflinge Tick, Trick und Track – vielleicht darüber, dass der Einfallswinkel des Lichts irgendwie keinen Sinn macht und der Mond selbst keinen Schimmer wirft? Zählt man das bronzene Variantcover von LTB 548 mit, ist das übrigens das fünfte (!) LTB-Cover in diesem Jahr mit den Neffen drauf. Man kann es auch übertreiben... Auch wenn ich die Konzeption ganz gut finde, ist mir das Cover insgesamt nicht düster und atmosphärisch genug, die Häuserwand zu schief und der Enterhaken am linken Bildrand ein zu ablenkender Blickfang. Track kratzt sich an seinem nicht vorhandenen Kinnbart.






Welcher Gefahr trotzt Micky Maus mithilfe der Fieselschweiflinge?

Schweißgebadet und völlig verstört erwacht Micky Maus mitten in der Nacht aus einem schrecklichen Albtraum, in dem es ihm dramatisch an den Kragen ging. Zum Glück war es nur ein Traum – doch die Vorfälle wiederholen sich und zermürben den armen Micky so sehr, dass er mit seinen Gedanken stets in seiner Traumwelt gefangen ist. Da ihm sein Freund Goofy auch nicht wirklich helfen kann, erzählt er Kommissar Hunter von seinen Sorgen. Aber der Polizist hat auch kein offenes Ohr für den großohrigen Mäuserich und will es lieber mit einer Ablenkung versuchen: die Fieselschweiflinge Tick, Trick und Track wollen einen neuen Orden zur Verbrechensbekämpfung abstauben und werden von Kommissar Hunter mit einem "ungefährlichen" Fall betraut. Der erfahrene Micky Maus soll den Jungs unter die Arme greifen und als Mentor zur Seite stehen. Jedoch gelingt es Micky in keinster Weise, sich auf den Fall zu konzentrieren und die Ermittlungen der pfiffigen Pfadfinder voranzutreiben. Tick, Trick und Track versuchen, nicht nur Mickys Traum-Trauma zu überwinden, sondern auch noch die Verbrecher dingfest zu machen..



Die Titelgeschichte des neuen LTBs überrascht zunächst mit einem ungewöhnlichen Crossover: Autor Lars Jensen lässt Micky Maus zusammen mit Tick, Trick und Track in ihrer Fieselschweifling-Kluft ermitteln und baut auch noch Goofy, Donald, Daisy und einen Schurken mit ein. In der Gesamtheit betrachtet funktioniert das Duo auch, weil die Jungs Micky helfen und der wiederum die von den Küken gefundenen Spuren zusammenpuzzelt. Für meinen Geschmack hätte man aber die Beziehung noch etwas intensivieren können, gerade was die gute Zusammenarbeit der Parteien angeht. Tick, Trick und Track wirken am Anfang ziemlich arrogant, als sie behaupten, den Fall in einer Woche um jeden Preis lösen zu wollen. Dass sie zu Detektiv Micky aufschauen und ihn regelrecht anhimmeln, kommt streckenweise etwas übertrieben daher. Ist ja nicht so, als wären die drei Brüder nicht selbst schlau genug, eins uns eins zusammenzuzählen... doch am Ende muss es eben etwas "Persönliches" sein. Auffällig ist, dass die erste Hälfte sehr spannend inszeniert ist und gerade durch die Traum-Sequenzen – die ungewohnt bedrohlich und brutal zugleich wirken – von der Action profitiert. Dagegen wirkt die zweite Hälfte ziemlich schlaff und textlastig. Leider wird sich für das Finale kaum Zeit genommen, wodurch es abgehetzt erscheint und Mickys Erörterungen zu "aufgesetzt" wirken.

Problematisch an der Geschichte finde ich persönlich, dass ich am Anfang gar nicht verstanden habe, dass es sich um einen echten Kriminalfall handelt. Ich hatte eher den Eindruck, es handele sich um eine spielerische Aufgabe von Kommissar Hunter und dem Oberstwaldmeister, die dann vielleicht aus dem Ruder läuft und Mickys Eingreifen erfordert. Stutzig machte mich die Bemerkung Hunters, es handele sich "um keinen gefährlichen Fall". Wenn er keinen Plan verfolgt, wieso ist er dann so naiv? Und wenn es so ungefährlich ist, wieso brauchen die Jungs dann Micky Hilfe?

Zeichner Andrea Freccero setzt das Skript recht gut um, gerade die dramatischen Sequenzen und den Panels, die Geschwindigkeit darstellen sollen, sind gut gelöst. In den Innenräumen fehlt es den Hintergründen meiner Meinung nach an plastischer Dreidimensionalität und die Köpfe von Tick, Trick und Track und auch Micky sind mir einen Ticken zu groß, die Augen zu abstehend.

Auf jeden Fall ein interessanter Einstieg in das LTB, der den Fokus auf die Figuren setzt, ihnen aber zu wenig Handlungsspielräume gibt und der Krimi zu klischeehaft abgefrühstückt wird.




Wie stilsicher geben sich Onkel Dagobert und Daniel Düsentrieb?

Erfindergenie Daniel Düsentrieb sitzt in seinem Labor in der Zwickmühle. Er braucht dringend ein paar blanke Taler und muss sich mit kleineren Aufträgen über Wasser halten, die ihn zwar nicht herausfordern, aber die er dennoch mit viel Engagement zur Zufriedenheit seiner Kunden umsetzen mag. Allerdings sind die gutbürgerlichen Damen, die streng auf Netiquette und gesellschaftlichen Status bedacht sind, empört über Düsentriebs Geschmacklosigkeit. Es kommt eben nicht nur auf die Erfindung selbst an, sondern auch auf deren Ästhetik und Stilsicherheit in allen Fragen des Produktdesigns. Der zufällig herangeilte Onkel Dagobert pflichtet Daniel Düsentrieb bei und präsentiert stolz sein uraltes Mobiltelefon. Schließlich kommt es doch nur auf die Funktionalität an, nicht auf das Aussehen! Aber schnell wird Dagobert klar, dass die Leute eben mehr wollen von seinen Produkten und immer größeren Wert auf das Design legen. Während Klaas Klevers kubistische Waren die kaufwillige Käuferschaft Bauklötzer staunen lässt, gewinnt der reichste Mann der Welt keinen Blumentopf mehr mit seinen schlichten Waren. Kurzerhand sorgt Onkel Dagobert dafür, dass sein Haus- und Hof-Ingenieur ein Praktikum bei einem studierten Designer absolviert. Als Daniel zurückkehrt, ist er wie ausgewechselt und strebt mit seinen Erfindungen den ganz großen Wurf in Sachen Produktphilosophie an!



Das nenne ich mal eine herrlich verrückte Story, die es wagt, uns als Leser:innen den Spiegel vorzuhalten! Das Äußere nimmt zwar an Bedeutung zu, doch man sollte sich nicht so einfach täuschen lassen und kritisch fragen, ob ein Produkt auch seinen Zweck erfüllt oder nur "total angesagt" ist. Gaja Arrighini nimmt hier die schwierige Herausforderung an, diese Frage in den Entenhausener Kosmos zu übertragen und tut sich am Anfang etwas schwer damit, die Handlung um Daniel Düsentrieb und Dagobert in Gang zu treiben. Erst später, als man checkt, dass Daniel und Dagobert regelrecht als "Ausgestoßene" gelten und der Humor die Oberhand übernimmt, nimmt die Geschichte Fahrt auf. An flotten Sprüchen und witzigen Momenten mangelt es wahrlich nicht – was vor allen Dingen an Onkel Dagobert liegt, der eine Szene nach der anderen macht, um ja kein Geld zu verlieren. Die kumpelhafte Geschäftsbeziehung zwischen ihm und Daniel Düsentrieb, der für seine Erfindungen so gut wie nie bezahlt wird, bietet Raum für unzählige Gags. Auch Klaas Klever ist mit von der Partie. Nach dem Praktikum ist Daniel Düsentrieb ein anderer Mensch, denn er will jetzt unbedingt spektakuläre Designs anbieten, die perfekt eine bestimmte Produktpalette passen. Das kommt bei den Kunden auch gut an. Die Geschichte schwächelt wieder, als Daniel seinen Irrtum erkennt und wieder zu sich selbst findet. Vorher steht nämlich noch sein Helferlein – wortwörtlich! – im Rampenlicht und man bekommt ein bisschen das Gefühl, dass einem nicht nur ein paar Panels, sondern Seiten fehlen. Zum Schluss ist Daniel Düsentrieb wieder der Alte: Zum Glück!




Warum radelt Donald "auf Ruhmesrundfahrt"?

Der Umwelt zuliebe jedenfalls nicht! Vielmehr leistet Donald im Angesicht seiner ellenlangen Schuldenliste einen sportlichen Frondienst für seinen Onkel Dagobert. Der reichste Mann der Welt will nämlich sein drölfzigstes Luxushotel für gestresste Milliardäre errichten – doch das Land, wo Onkel Dagobert den Bau plant, gehört ihm nicht. Sämtliche Versuche Dagoberts, den eigenwilligen Millionär Luc Lecontraire zum Verkauf des Grundstücks zu bewegen, schlagen fehl. Jedoch klammert sich der alte Zylinder an einen letzten Strohhalm: Der begeisterte Radfahrer Lecontraire beabsichtigt, an einer extremen Radtour teilzunehmen, die nur etwas für echt hartgesottene Kerle ist! Um die halsbrecherischen Hindernisse zu überwinden, verlangen die Regeln, dass man paarweise antritt. Da aber Onkel Dagobert in seinem Alter keinen Drahtesel mehr besteigen will, liegt es nun an Erbneffe Donald, den französischen Unternehmer zu begleiten und mit an der "Ruhmesrundfahrt" teilzunehmen.



So oder so ähnlich haben wir den Plot schon ein paar Mal zu lesen bekommen. Paolo Mottura brachte nicht nur die kräftigen, schwungvollen Zeichnungen zu Papier, sondern zeichnete auch als Autor und Ideengeber der Story verantwortlich. Das Hauptaugenmerk sollte eigentlich auf der Radtour liegen, doch gefühlt kommt diese mit all den Gefahren und Schindereien nicht so aufregend zur Geltung, wie ich es erwartete. Das "Drumherum" erscheint standardmäßig und trotzdem zu langwierig: Da es nix Nennenswertes zu erklären gibt, hätte es ein "Donald nimmt an der Rundfahrt teil" auch getan. Denn Donalds Ehrgeiz und Aufopferungsbereitschaft sind eindeutig das Beste an dieser Geschichte und hätten – wie bereits angedeutet – mehr Raum benötigt. Dass ausgerechnet die Actionszenen häufig nur in wenigen Panels abgehandelt werden und man die historischen Fahrräder kaum wahrnimmt, schwächt den Spannungsaufbau. Trotzdem ist es toll, wie der sympathische Donald über sich hinauswächst. Optisch erkenne ich keine Parallelen zur real existierenden Fahrradtour "L'Eroica", einem sportlichen Wettkampf, der alljährlich in der Toskana stattfindet und vor allem mit den langgestreckten, weißen Schotterpisten besticht. Mottura setzt mit seinem bunten Treiben eher auf das Gegenteil.
Mit einem zugedrückten Auge eine halbwegs befriedigende Story.




Wann platzt die Duckcoin-Blase?

Als reichster Mann der Welt und mit drei Kubikhektar Bargeld in der Tasche darf sich Onkel Dagobert zurecht als Finanzgenie bezeichnen, der mit den verschiedensten Währungen der Welt zu jonglieren weiß. Doch das ständige Wechseln und das Umrechnen der Währungen bereiten ihm zunehmend Kopfzerbrechen... Warum gibt es nicht eine einheitliche Währung für alle!? Die Eingebung kommt Onkel Dagobert sogar ohne das Zutun seiner anzugtragenden Berater: Eine voll digitale Krypto-Währung muss her, die herkömmliches Bargeld völlig ersetzt! Flugs ist die Werbetrommel gerührt und die Geldpolitik der Großstadt an der Gumpe auf den Kopf gestellt...



Diese Geschichte von Autor Fausto Vitaliano sieht auf den ersten Blick harmloser aus, als sie ist. Trotz der vielen Slapstick-Einlagen und den vor Ironie triefenden Dialogen verbirgt sich hinter der Fassade des Entenhausen-Comics eine gehörige Portion Moral. Dazu ist es vonnöten, allerlei Erklärungen abzugeben, die aber größtenteils "weggelächelt" werden und daher zu oberflächlich erscheinen. So wird zum Beispiel nicht klar, wie viel Zeit vergeht, was mit Dagoberts Bargeld passiert und wie das Punktesystem in den Geschäften im Detail funktioniert. Zumindest stand ich einige Male auf dem Schlauch, konnte mich angesichts des nächsten guten Gags schon nach wenigen Augenblicken nicht mehr an meine Frage erinnern. Onkel Dagobert rangiert als Protagonist an allen Fronten gleichzeitig; vielleicht hätte es dem Handlungsaufbau gut getan, wenn auch Donald oder die Neffen eine (größere) Rolle gespielt hätten oder Baptist nicht so furchtbar verheizt worden wäre. Der Spagat wischen ernsthafterer Wissensvermittlung rund um die Chancen bzw. Risiken von Kryptowährungen und der sprunghaften Situationskomik funktioniert meiner Ansicht nach nicht überzeugend genug. Selbstverständlich muss am Ende alles wieder zurückgedreht werden – das ging dann doch wieder etwas zu schnell für mich. Nichtsdestotrotz spinnt Vitaliano hier eine Dagobert'sche Wirtschaftsgeschichte der besonderen Art, die von modernem Zeitgeist geprägt ist und besonders die Absurditäten des "nicht greifbaren" Geldes auf die Spitze treibt. Dazu gibt es ansprechende Zeichnungen von Giampaolo Soldati, der das Treiben farbenfroh in Szene setzt.




Welche Geschichte hält eine Überraschung bereit?

In LTB 551 sind es sogar gleich zwei Geschichten, über die man verdutzt den Kopf schütteln muss! Leider nicht unbedingt im positiven Sinne, denn in beiden Fällen ist der arme Donald Duck der Gelackmeierte, weil andere ihm unter Zuhilfenahme Düsentrieb'scher Technik physikalisch eigentlich unmögliche Streiche spielen...



Zuerst ist es – wie sollte es anders sein? – Dussel Duck, der Donald in "Widersinn und Wirklichkeit" ungewollt das Leben schwer macht. Nachdem er das Interesse an den bildenden Künsten schnell wieder verloren hat, schnappt sich Dussel auf der Deponie eine entsorgte Schreibmaschine, die noch gut in Schuss zu sein scheint, und betätigt sich fortan als Schriftsteller. Als Protagonist erwählt er sich seinen Vetter Donald, der mit seinen Alltagsproblemen und dem ständigen Pech bestimmt genug Stoff für einen Roman bietet. Während Dussel also nur so vor sich hin klimpert, erlebt Donald tatsächlich einen total verkorksten Tag, wie er im Buche steht. Als Leser rätselt man nicht lange, um festzustellen, dass das kein Zufall sein kann... - Ist es auch nicht. Hinter alldem steckt kein geringerer als Dipl.-Ingenieur Daniel Düsentrieb und eine seiner verrückten Erfindungen, die keinen wirklichen Nutzen haben. Nachdem das geklärt ist, geht die Geschichte unnötigerweise noch weiter und wird hanebüchen weitergestrickt, um weiteres Unheil abzuwenden. Warum Dussel nicht einfach das Buch umschreibt, erschließt sich mir nicht. Die soliden Zeichnungen von Giuseppe Facciotto erinnern mich ein bisschen an Cavazzano; er sollte sich aber ruhig ein bisschen mehr Zeit lassen beim Zeichnen.



Ein paar Seiten später setzt das Schicksal Pechvogel Donald erneut zu: In "Der Wahrscheinlichkeitsumwandler" hat Gustav den Schnabel voll davon, wegen seines ewigwährenden Glücks nicht für voll genommen zu werden. Bei sportlichen Wettkämpfen schreiben ihm die Leute seine Erfolge nur wegen des widerwärtigen Glücks zu! Frustriert macht Gustav Halt bei Erfinder Daniel Düsentrieb, der glücklicherweise genau das richtige zur Hand hat: Eine Erfindung, die Wahrscheinlichkeiten umkehrt und somit extrem seltene Ereignisse häufiger vorkommen lässt und umgekehrt. Damit ließe sich Gustavs Glücks quasi "aussetzen". Allerdings hat Donald mit einem halben Ohr mitgehört und will sich die Maschine ebenfalls zunutze machen, um auch mal von Gustavs Glück zu profitieren. Der Plan geht gehörig nach hinten los und mündet in Katastrophen am laufenden Band. – Autsch, hier kann man mal wieder Mitleid mit Donald haben! Doch meines hält sich in Grenzen, weil unser Lieblingserpel die Erfindung heimlich stibitzt. Für mich ergibt die Geschichte irgendwie keinen Sinn und es fehlt mir ein logischer, roter Faden – oder aber ich verstehe die fantastische Physikspielerei nicht. Überall in der Story sind gelbe Kästen mit verdammt geringen Prozentangaben angebracht, deren Sinn sich mir nicht erschließt. Es scheint von vorne bis hinten der gleiche Gag zu sein: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit treten verrückte Ereignisse ein, die mit Sicherheit derartig unwahrscheinlich sind, dass sie an Absurdität kaum zu übertreffen sind. Merkt man auch: Autor Pietro Zemelo tobt sich begeistert aus, von einer grotesken Situation in die nächste zu wechseln. Manche davon sind sehr lustig inszeniert und funktionieren gut – bei anderen dagegen sträuben sich einem die Nackenfedern. Alle drei Figuren (Gustav, Donald und Düsentrieb) kommen meiner Meinung nach etwas blöde daher, mir gefällt aber der inhaltliche Anfangspunkt mit Gustavs Niedergeschlagenheit.




Bei welcher Geschichte bleibt der Unterhaltungswert auf der Strecke?

Nur widerwillig schlüpft Donald eines schönen Morgens aus seinem Bett, da ihn der Lärm im Wohnzimmer aus seinen Träumen gerissen hat. Dort hat sich mindestens ein Dutzend Fieselschweiflinge aus aller Herren Länder versammelt, die in Entenhausen sportliche Wettkämpfe veranstalten wollen. Eigentlich hätte Donald damit neffenfreie Zone und genug Zeit, in seiner Hängematte baumelnd seinen Schönheitsschlaf nachzuholen – doch ausgerechnet jetzt treibt ein bärtiger Zauberer in Entenhausen sein Unwesen! Ständig nur unverständliches Zeug brabbelnd wird schnell klar, dass der alte Mann ein Druide sein muss und sich dank seines hölzernen Stabes magischer Fähigkeiten bedient. Unter Einsatz all seiner technischen Tricks vermag es Phantomias nicht, dem keltischen Zauber-Zausel Parole zu bieten. Wo stammt der Druide nur her und worauf hat er es abgesehen?



Mhm, das ist schon eine sehr krude und auffällig holperig erzählte Story, die uns Giorgio Fontana vor den Schnabel setzt. Es erscheint naheliegend, dass die Pfadfinder der weltweit umspannenden Organisation noch eine Rolle spielen werden; die ist dann aber derartig belanglos, dass man sich fragt, weshalb man die Fieselschweiflinge hineingebastelt hat. Leider bleibt der grantige Druide insgesamt zu farblos, um als ernstzunehmende Bedrohung wahrgenommen zu werden. Das wird durch Düsentriebs Zutun auch noch zementiert, der mit einem kleinen Stück Holz aus dem Zauberstock halbwegs hilfreiche Heldenhilfsmittel zusammenzimmert. Phantomias mit Strahlenpistolen in allen Formen und Farben ermüden sowieso schon schnell – aber dass er gegen einen Hexer nicht mehr auf dem Kasten hat, enttäuscht schon. Ein Kampf zwischen Technik und Zaubertricks war in der Geschichte "Phantomias und die Zauberer" (LTB 231) schon einmal deutlich besser umgesetzt. Was vom "Druiden" bleibt, sind die irre Aussprache, an der sich die deutschen Übersetzer so richtig austoben durften, der Methusalix-Bart und die zarten Zeichnungen von Lara Molinari.




Was ist der Tiefpunkt des Bandes?

Der Einseiter von Alessio Coppola mit Kater Karlo und Trudi ist befriedigend und nicht so schlecht wie andere. Dazu ist er auch sehr ansehnlich gestaltet.

Enttäuscht war ich dagegen von der dritten Dussel-Duck-Story in diesem Band: Dussel gibt sich in "Kunterbunter Budenzauber" als Showmaster die Ehre und sendet live aus – na klar! – Vetter Donalds Wohnzimmer. Dafür wird mir nichts, dir nichts die gute Stube umgestaltet, der Kühlschrank geplündert und Donald mit allerhand Spinnereien zur Weißglut getrieben. Oh, und dann ist da ja noch das große Finale – und man fragt sich, ob Donalds heimelige vier Wände dieses Spektakel überstehen werden... - Puh, das ist schon ziemlich anstrengend, Donald hier über zwölf Seiten dabei zu begleiten, wie Dussel Duck Schabernack am laufenden Band treibt. Ich kann nicht verwehren, dass ich mehr als einmal laut auflachen musste und ich Marco Palazzis Zeichnungen absolut grandios finde! Aber, da es irgendwie keine richtige Handlung gibt und alles so aneinandergeklebt wirkt, verspüre ich nicht den Drang, die Geschichte noch einmal zu lesen.






Was gibt es noch zu den restlichen Geschichten zu sagen?

Eine schaurig-schöne Halloween-Geschichte darf in der jährlichen Oktober-Ausgabe des Lustigen Taschenbuches natürlich nicht fehlen! Leider fällt sie mit "Der Gespensterdudelsack" recht mager aus, füllt sie doch gerade einmal zwölf Seiten. Marco Nucci präsentiert uns Goofy als Gastgeber einer heimeligen Halloween-Party mit all seinen Freunden – stilsicher in gekonnter Verkleidung. Sogar Kommissar Hunter, Issel und Steinbeiß sind mit von der Partie und plündern das Buffet. Um Stimmung in die Bude zu bringen, berichtet Goofy von einem seiner Urahnen, der sich als glückloser Erfinder versuchte und ihm einen zerfledderten Dudelsack überließ. Hinzu kommt die ausdrückliche Warnung, hineinzublasen! Denn das würde die Geister der Unterwelt zum Leben erwachen lassen... - Nach dem guten Auftakt mit Micky, Minnie, Klarabella & Co. freut man sich eigentlich auf eine aufregende Gruselgeschichte. Doch diese verliert sich zu schnell in eine wahrlich langatmige Episode um Goofys Vorfahre; der nicht wie früher etwas an Goofy vererben darf, sondern schlicht und ergreifend keinen Platz mehr hat für seine Erfindungen. Der Brief mit der Warnung nimmt sofort das kleine bisschen Spannung aus dem Plot – und als Leser weiß man dann schnell, was unter dem Laken schlummert. Obwohl inhaltlich nicht gerade ausgereift, passt die Besetzung von Fabio Celoni als Zeichner wie die Faust aufs Auge. Es gelingt ihm, schon nach wenigen Panels eine angenehm schaurige Atmosphäre zu schaffen und legt viel Liebe zum Detail an den Tag. Das rettet aber die Kurzgeschichte auch nicht vor einem schnarchigen "Gähn".



Es folgt eine weitere Ausgabe der kleinen Reihe "Die Geschichte der Menschheit" (zuletzt in LTB 549), dieses Mal von Autor Augusto Macchetto und Emilio Urbano als Zeichner. Dussel und Primus von Quack wollen ihr Publikum mit einem Vortrag über das Zeitalter des Barock unterhalten. Nach den gewohnten Startschwierigkeiten bei der Einordnung der Epoche und deren Wahrnehmung berichten die beiden vom Leben eines Dagobert'schen Sonnenkönigs, der von seinem Hofstaat chauffiert wird und ein träges, von fortwährender Langeweile geplagtes Dasein in seinem Schloss fristet. Als er Wind davon bekommt, dass der Herzog Klever ein Kuriositätenkabinett sein Eigen nennt, will auch Dagobert eine eigene Wunderkammer einrichten. Dabei achtet er selbstverständlich streng darauf, die Staatskassen nicht mehr als nötig zu strapazieren....



Gemächlich vor sich hin plätschernde Geschichtsstunde, die im Vorbeigehen einerseits verstaubte Fakten einzustreuen versucht, andererseits darauf aus ist, hier und da einen Lacher abzustauben. Beides gelingt eher mäßig, weil man sich eben doch nicht traut, mal aus dem Vollen zu schöpfen und ein Feuerwerk der Absurditäten zu zünden. Dagobert als knauserigen Adligen vorzuführen, der gesellschaftliches Renommee aufzubauen versucht, ist leider nicht neu. Gefallen haben mir die kurzen Momente mit anderen Figuren wie Gitta oder Franz, die für ein gefälliges Schmunzeln gut waren. Der plötzliche Sinneswandel von der einzig wahren Freundschaft Dagoberts ist jedoch wenig überzeugend, mon ami!




Welche Details kann man schnell übersehen?

Gegenüber Donald behauptet Dagobert, er sei mit seinem klapprigen Rad einst in Klondike unterwegs gewesen: Etwa bei Eis und Schnee!?

Bei Goofys Halloweenparty erläutert Kommissar Hunter Issel, dass man bei der "Spaghettisierung" in einem schwarzen Loch verschwindet. Ich bin mir unsicher, ob das 100%ig stimmt.

Die Perle, die der Druide im Museum stiehlt, trägt den Namen "La Pomposa". Das könnte eine Anspielung auf die wahrscheinlich berühmteste Perle der Welt sein: Die weiße Perle "La Peregrina" aus dem Schmuckkästchen von Maria Tudor ist allerdings birnenförmig und nicht kugelrund...

Die stolze Hundebesitzerin ordnet den Geldspeicher von Onkel Dagobert in den Architekturstil des "Brutalismus" ein. Den gibt's übrigens wirklich und entstammt den Französischen ("roher Beton"), hat also nichts mit redensartlicher "Brutalität" zu tun. Dagoberts Handy "Nutria 1011" bezieht sich auf das erste GSM-Mobiltelefon von 1992: Das "Nokia 1011". (Ein Nutria ist eine Art Biberratte...)

Onkel Dagobert nennt in der "Duckcoin"-Geschichte eine Währung namens "Hinterwildenwaldrübe": Das kann doch eigentlich nur die Währung in Habakuks Heimatstädtchen sein!




Wie sieht das Fazit zu LTB 551 aus?

Cover Man kommt nicht umhin festzustellen, dass das Lustige Taschenbuch Nummer 551 "Micky in Gefahr" zu den dürftigsten Ausgaben zählt, die 2021 bisher zu bieten hatte. Wo man noch über ein fehlendes Highlight hinwegsehen könnte, geben sich aberwitzige Gag-Geschichten die Klinke in die Hand. Obwohl die Titelgeschichte zumindest einen außergewöhnlich kreativen Ansatz wählt – Micky Maus und Tick, Trick und Track als gemeinsames Ermittler-Quartett – wird relativ wenig daraus gemacht, die Figuren als Team mit unterschiedlichen Stärken auszuarbeiten. Der hingeschnodderte Krimi-Plot ist vordergründig am Ende kaum der Rede wert. Immerhin das Cover ist in Ordnung, hätte aber ruhig etwas ausgefuchster sein können.

Die Gefahrengüter stapeln sich bei mir folgendermaßen:
1. Design oder Nicht-sein
2. Der Gespenster-Dudelsack
3. Gefahr für Micky
4. Auf Ruhmesrundfahrt
5. Die Duckcoin-Blase
6. Widersinn und Wirklichkeit
7. Der Druide ist los!
8. Der Wahrscheinlichkeitsumwandler
9. Die Geschichte der Menschheit: Das Barock
10. Eingeseift
11. Kunterbunter Budenzauber

Das größte Vergnügen bereitete mir im Nachhinein betrachtet die Posse um Daniel Düsentriebs und Onkel Dagoberts altmodischen Stil und ihre angestaubten Gewohnheiten, die plötzlich von der Entenhausener Spießbürgerlichkeit in Frage gestellt werden. Sicherlich muss man sich auf diese Geschichte sehr tief einlassen, aber ich hatte damit viel Spaß. Die Silbermedaille holt sich die kleine Goofy-Story, weil sie so unscheinbar ist und mit der Kostümierung der Figuren punktet.

Schon danach geht es rapide abwärts mit dem Unterhaltungswert: Die Ruhmesrundfahrt wirkt zu schlaff und aufgesetzt, die Duckcoin-Story unwahrscheinlich vollgestopft und die beiden "Bei Donald geht alles schief, weil jemand mit Düsentrieb'schen Erfindungen herumspielt"-Geschichten sind sich bei näherer Betrachtung doch viel ähnlicher, als man es vermuten möchte. Dazwischen mogelt sich der drollige Druide mit seiner verwurschtelten Aussprache – Gelesen haben muss man das alles nicht.




Was erwartet uns in LTB 552?

Ab dem 9. November kann man sich das neue Lustige Taschenbuch Nummer 552 am Kiosk stibitzen! Darin lassen es die stadtgesuchten Knacker hoffentlich richtig krachen: Die Entenhausener Besserungsanstalt feiert "70 Jahre Panzerknacker"! Die dazugehörige Titelstory haben Sune Troelstrup und Andrea Ferraris in Geschenkpapier eingewickelt. Mitsamt Sippschaft zinken die Gauner auch bei Pesce/Fizialetti die Karten und können von Glück reden, dass Kater Karlo, Schnauz und Trudi lieber eigene schlichte Pläne schmieden (Nucci/Tosolini). Vorher betätigen sich Micky und Goofy aber noch als gämsengleiche Gipfelstürmer (Vitaliano/Mottura). Ob das nächste LTB uns (hoffentlich) wieder Höhensprünge hüpfen lässt, erfahrt ihr in der nächsten LTB-Rezension: Bis dahin!


Zuletzt aktualisiert: 09.11.2021, 23:30
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