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Rezension: LTB 506 - Tatort Entenhausen



Tatort Entenhausen (Gorm Transgaard, Saskia Hauff, Peter Höpfner - Flemming Andersen; 40 S.)

Gelangweilt schwingt Donald im Geldspeicher seines Onkel Dagobert den Wischmopp. Einzige Ablenkung von dieser tristen Tätigkeit ist das heimliche Schauen von Tatort-Folgen auf dem Tablet-PC – natürlich unentdeckt von den Augen des strengen Oheims! Doch diesem entgeht freilich nicht, dass Donald während der Arbeitszeit fernschaut und obwohl Dagobert seinen Neffen mit einem "Spezialauftrag" betrauen wollte, setzt er ihn kurzerhand mangels Arbeitsmoral vor die Tür. Davon lässt sich der selbstbewusste Donald natürlich nicht entmutigen, sondern beschließt, eine steile Karriere bei der Entenhausener Polizei hinzulegen. In der örtlichen Polizeistation herrscht reger Betrieb, denn der kurz angebundene Kriminalhauptkommissar Schimauski gibt eine Art Fortbildung für ein halbes Dutzend anderer Kommissare. Eiligst wirft sich Donald in Schale, um als waschechter Polizist wahrgenommen zu werden. Dabei stürzt er Hals über Kopf in die Ermittlungen um die geraubte Skulptur "Der Liegende", an der sich sämtliche Kommissar-Kollegen beteiligen. Daraufhin setzt sich Donald in den Kopf, den Täter auf eigene Faust dingfest zu machen – was sich zu einem riskanten Unterfangen entwickelt...

Als "Neuheit des Jahres" umworben steht der "Tatort Entenhausen" endlich in den Startlöchern! Klar, die Comics rund um die Enten und Mäuse haben schon viele Bücher, Filme, Dramen und vieles mehr parodiert: Aber eben noch nicht die seit 1970 im deutschsprachigen Raum am längsten ausgestrahlte Krimiserie "Tatort"! Und wenn es eines ist, was den Deutschen neben Bratwurst, Bierzelt und Boris Becker heilig ist, dann ist es das sonntägliche gemeinsame Schauen der neuen Tatort-Folge!

Selbstredend geschieht im friedvollen Entenhausen kein Mord, wie es im Tatort üblicherweise der Fall ist. Allerdings geschieht auch nicht in jedem Tatort ein Gewaltverbrechen mit Todesfolge – und das sind nicht automatisch langweiligere oder gar schlechtere Episoden. In Entenhausen tut es auch der Diebstahl der von Gustl Rodäng geschaffenen Skulptur "Der Liegende". Das beschert den vielen Kommissaren nicht nur einen Kriminalfall, sondern ist auch für die gewohnten Kreide-Ummantelungen des "Opfers" hilfreich, auf die natürlich auch im "Tatort Entenhausen" nicht verzichtet werden darf!

Bedauerlicherweise ist das Krimi-Element in dieser Geschichte mehr als dürftig. Es ist wie in so vielen uninspirierten Tatorten: Richtige Ermittlungen – abgesehen von ein paar kurzen Fragen an die ein oder anderen Zeugen – finden eigentlich nicht statt. Spannung kommt da selbstredend keine auf; erst recht nicht bei gerade mal zwei Verdächtigen. Da hätte durchaus mehr kommen können! – Mehr wovon? – Mehr von allem!

Was in "Tatort Entenhausen" in Fülle vorhanden ist, sind Anspielungen auf die realen Tatort-Ermittler in ganz Deutschland (sowie nicht zu vergessen in Österreich und der Schweiz). Wer wissen möchte, welche Kommissare in der Comic-Adaption vorkommen und welche versteckten Details sich darin verbergen, kann das im Thread zu LTB 506 an dieser Stelle kurz nachlesen. =)

Die LTB-Reducktion hat sich große Mühe gegeben, diese besondere Ausgabe des Lustigen Taschenbuches zu vermarkten. Zumindest ein paar Medien haben auch darüber berichtet, es gab sogar ein Pre-Release-Event in Berlin und eine neue LTB Collectors Edition (Nr. 7). Fraglich ist, welche Zielgruppe man mit dem hohen Aufwand erreichen wollte und ob das schlussendlich auch geklappt hat. Man muss wohl irgendeine "Generation in der Mitte" im Blick gehabt haben: Alt genug, den Tatort zu gucken und die Anspielungen zu verstehen – gleichzeitig aber auch jung genug, um sich fürs LTB und Disney-Comics allgemein zu interessieren.

Ich für meinen Teil habe als Fazit gemischte Gefühle. Es hat einerseits Spaß gemacht, die Details zu entdecken und den "Tatort" nach Entenhausen zu teleportieren. Andererseits ist der Plot echt dünn und – das muss ich jetzt einfach noch sagen – Flemming Andersen ist der falsche Mann dafür, reale Personen so zu karikieren bzw. persiflieren, dass sie nach Entenhausen passen.

Ein gelungenes Beispiel dafür, wie man beispielsweise Gérard Depardieu oder Angelina Jolie in den Kosmos der Ducks/Mäuse überträgt, lässt sich dagegen schon in der nächsten Geschichte finden mit dem Titel...



Zuletzt aktualisiert: 01.05.2018, 23:53