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Rezension: LTB 451 - Eiszeit in Entenhausen

Eiszeit

Eiszeit in Entenhausen (Fausto Vitaliano - Marco Gervasio & Marco Mazzarello; 104 S.)

Wenn eine Geschichte im LTB erscheint, die sich allein schon von der Seitenzahl deutlich von den anderen unterscheidet, werden natürlich andere Erwartungshaltungen geweckt. In gewisser Weise hält "Eiszeit in Entenhausen" diese nicht ein, denn es handelt sich keineswegs um eine epische, spannende Abenteuer-Geschichte wie man sie vor allem aus den 100er-Bänden kennt. Wenn man sich von dieser Vorstellung verabschiedet, macht die Geschichte vor allem eines: Spaß.
Um diesen zu haben, muss man aber wohl zumindest einen leichten Hang zum Absurden haben. Jedenfalls kann – oder darf – man bei Vitaliano alles nicht ganz so ernst nehmen, denn wie so oft entwickelt sich der Humor des Autors aus einer ironischen, augenzwinkernden Perspektive. Aus diesem Blickwinkel muss man auch die hanebüchene Grundidee betrachten, dass zwei Schmetterlinge eine weltweite Klimakatastrophe auslösen können. Damit macht sich Vitaliano im wahrsten Sinne des Wortes über den sogenannten Schmetterlings-Effekt lustig, verdeutlicht andererseits aber auch die Komplexität von Kausalketten. Auch die Reise in die Vergangenheit, die Dagobert, Donald, Daniel Düsentrieb und Primus von Quack sodann unternehmen, um die Katastrophe abzuwenden, ist von vielen herrlich aberwitzigen Stellen geprägt. Beispielsweise wäre da eine Szene im ersten Teil, in dem Donald einen lässigen, dreiseitigen Auftritt als Phantomias hinlegt und dann für den Rest der Geschichte wieder verschwindet. Auch die oben gezeigte Szene auf Seite 93 ist eine der vielen Stellen, in der gerade die Widersprüchlichkeit der Story zum Vergnügen wird.
Von den vielen Gags, die Vitaliano platziert, geht allerdings nicht jeder auf – manchmal scheint er etwas zu sehr bemüht, die Dialoge lustig zu gestalten, sodass die Gags teilweise etwas zu gezwungen wirken. Aber das ist mir immer noch um ein Vielfaches lieber als die Geschichte einfach so vor sich hin plätschern zu lassen. Einige Leser könnten vielleicht auch die Rolle von Primus kritisch sehen, der hier zum Dauer-Schwafler mutiert – das ist auch für den Leser manchmal hart an der "Nerv-Grenze", andererseits kann Vitaliano den manchmal etwas blassen Primus damit mehr profilieren und in die Handlung sinnvoll einbinden.

Eine ungewöhnliche, spaßige Geschichte! Bleibt mir noch, etwas zu den Zeichnern zu sagen: Im direkten Vergleich favorisiere ich eher Marco Gervasio, da er die Ironie mimisch etwas besser vermitteln kann als sein Namensvetter Marco Mazzarello. Soll aber nicht heißen, dass dessen Zeichnungen nicht auch auf einem ordentlichen Niveau liegen.



Zuletzt aktualisiert: 10.02.2014, 15:03