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Entenhausen auf Twitter



Vor einiger Zeit dachte ich mal, für das F.I.E.S.E.L.S.C.H.W.E.I.F. eine Facebook-Seite erstellen zu müssen. Schon nach kurzer Zeit hatte ich aber irgendwie keine Lust mehr, Facebook ist einfach nicht so meins. Ganz anders sieht es bei Twitter aus, wo unsere Seite schon seit 2010 einen Account hat und ich nach wie vor sehr gerne reinschaue. Grund genug, mal einen kleinen Überblick darüber zu geben, was man als Fan von Disney-Comics auf Twitter so (ver)folgen kann.


Panelspiele
Patrick Bahners ist nicht nur Journalist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sondern auch ein bekennender und bekannter Donaldist. Seine beiden Tätigkeiten verband er damit, dass er zusammen mit Kollege Andreas Platthaus mehrere Zitate aus den Duck-Comics in die Überschriften des FAZ-Feuilletons schmuggelte. Es ist schon etwas länger her, dass das rausgekommen ist, und wie viel Erika Fuchs heute noch in der FAZ steckt, weiß ich nicht. Interessant finde ich aber, dass Bahners' Leidenschaft zu Duck-Comics weiterhin in seiner Arbeit durchschimmert, wenn auch in etwas anderer, weniger subtilen Form: Auf seinem Twitter-Account teasert er immer mal wieder einen Artikel von faz.net mit einem dazu passenden Barks-Bild an – siehe etwa hier oder hier.

Natürlich ist Bahners aber nicht der Erste und Einzige, der auf die Idee gekommen ist, sein Twitter-Profil mit Bildern aus Disney-Comics zu bestücken. Etabliert wurde die Panel-Kultur von einem Account namens @GoodDuckPanels. Dieser besteht seit Dezember 2011 und hat seitdem über 2.000 verschiedene Duck-Panels in Umlauf gebracht. Auf die Frage, wie es zu der Gründung von Good Duck Panels kam, antwortet der Betreiber: "Die Idee hatte ich beim Lesen der "Barks Comics & Stories". Mir war aufgefallen, dass viele Panels auch einzeln aus dem Zusammenhang gerissen noch gut funktionieren und habe diese nebenher für mich abfotografiert. Nach ein paar Fotos kam mir dann der Gedanke, dass ich die Bilder auf Twitter verwenden könnte." Zum Glück. Anfangs wurde der Account also ausschließlich mit Bildern von Carl Barks bestückt. Auch heute noch liegt der Fokus auf dessen umfangreichem Werk, schon seit Längerem mogeln sich aber regelmäßig auch Panels von anderen Zeichnern dazwischen. Mittlerweile hat Good Duck Panels über 9.000 Follower – es wird zwar wahrscheinlich noch ein paar Quartale dauern, bis er zahlenmäßig die Auflage der "Micky Maus" übersteigt, trotzdem ist das eine beachtliche Zahl.

Manche der Bilder sind einfach aus sich heraus lustig und auf kein bestimmtes Ereignis gemünzt. Viele Tweets spielen aber auch auf die jeweilige Tages-, Wochen- oder Jahreszeit an – etwa dieser hier, abgesetzt an einem Montagmorgen:

Das sind natürlich Situationen, mit denen sich fast jeder identifizieren kann. Besondere Beachtung verdienen aber solche Panels, die auf ein aktuelles Thema referieren. Beispielsweise dieses hier vom 17. Oktober, das man auf den DFB-Skandal um die WM 2006 beziehen könnte:

Dieses hier wurde am 26. Juni getwittert, als die "Ehe für alle" vom Obersten Gerichtshof der USA für legal erklärt wurde:
Oder das hier vom 13. September, die Wiedereinführung der Grenzkontrollen betreffend:

Vor allem aufgrund solcher Panels bin ich, man hat es vielleicht schon gemerkt, ein großer Fan des Accounts. Für mich ist das ganz große Kunst. Es fasziniert mich, wie man meist jahrzehntealte Panels so in einen neuen Kontext stellen kann, dass sie perfekt zum Geschehen des Jahres 2015 passen. Wenn man bedenkt, dass alleine Barks grob geschätzt 50.000 Panels zeichnete, kann man sich vorstellen, dass es gar nicht mal so leicht ist, immer ein passendes Bild zu finden. Wie macht der Künstler das? Seine Methodik beschreibt er folgendermaßen:
"Lange bin ich die Geschichten lediglich der Reihe nach durchgegangen und hatte auch immer nur für die nächsten Tage Bilder vorbereitet. Irgendwann bin ich dazu übergegangen, Bilder zu verwenden, auf die ich gerade Lust hatte. Da ich inzwischen einen Vorrat an Bildern habe und mich an viele zumindest grob erinnern kann, kann ich nun auch zu aktuellen Themen Bilder auswählen.
Normalerweise entscheide ich erst am jeweiligen Tag, welches Bild ich verwende. Für manche Feiertage oder Ereignisse suche ich aber auch schon im Vorfeld Panels heraus. Gerade wenn ich weiß, dass es hierzu passende Geschichten gibt. Ein Archiv mit Texten habe ich nur für bereits verwendete Bilder. Allerdings möchte ich Panels nur in Ausnahmen mehrfach verwenden, Ziel ist ein neues Bild pro Tag. Wenn ich zu einem Thema etwas suche, dann geben mir die Texte (zusätzlich zum Comic-Titel) aber schon mal einen guten Anhaltspunkt, in welchen Geschichten ich nachschauen kann. Mit etwas Glück habe ich eine passende Seite bereits eingescannt und kann dann auch kurzfristig ein Bild erstellen.
Seit ein paar Wochen habe ich außerdem noch den "Großen Wollina" zur Verfügung: Mir war zwar bekannt, dass der Donaldist Jürgen Wollina ein umfangreiches Stichwortregister pflegt, mir dieses aber nie zugelegt. Kürzlich habe ich dann festgestellt, dass ich eigentlich schon lange eine CD mit einer PDF-Version besitze. Dort kann ich nun auch gezielt suchen."


Was mir außerdem an der Herangehensweise des Betreibers gefällt, ist die Tatsache, dass er keinen Kommentar zu den einzelnen Themen abgibt, sondern ausschließlich die Panels für sich sprechen lässt. Er verzichtet darauf, die Tweets mit Text oder einem Hashtag zu versehen, obwohl sie dadurch sicherlich deutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten würden. Der Leser und Betrachter wird vor die Herausforderung gestellt, den Zusammenhang zu unserer realen Welt selbst herzustellen. Eine kluge Strategie, wie ich finde.

Diese Herausforderung wird logischerweise umso größer, wenn man sich ältere Bilder anschaut. Das ist eigentlich ein interessantes Ratespiel. Bei manchen Tweets wird der Zusammenhang zwar mit dem Blick auf das Datum klar (zum Beispiel bei diesem hier), die meisten Ereignisse hat man ja aber nicht so genau zeitlich verortet und bleibt deshalb zunächst mal ratlos zurück. Ein Beispiel aus dem August 2014:


Dies ist einer der am häufigsten retweeteten Bilder von Good Duck Panels, worauf bzw. eher auf wen es sich bezieht, weiß man jetzt gar nicht mehr. Hoeneß? Blatter? In unserer schnelllebigen Zeit gibt es einfach zu viele Skandale. Auflösung: Bernie Ecclestone. So zumindest die Interpretationen der Kommentatoren zu diesem Tweet.
Bei diesem Ratespiel zeigt sich aber auch: Wenn die Themen schon kalter Kaffee sind, verlieren die Bilder in der Rückschau ihren Reiz. Der Account lebt also zu einem großen Teil von seiner Spontaneität: Plötzlich taucht ein Tweet in meiner Timeline auf, der mich damit überrascht, dass er zu einem aktuell präsenten Themen wie die Faust aufs Auge passt.

Ein anderer Grund für den Erfolg von Good Duck Panels ist aber sicherlich auch der, dass er vielen Twitter-Usern die Welt von Entenhausen wieder in Erinnerung ruft. Es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil der Follower nicht mehr regelmäßig die Comics liest, sondern die Figuren vornehmlich aus der Kindheit kennt. Ich denke, dadurch ergibt sich für viele ein weiterer Überraschungseffekt, häufig nach dem Motto "Was, das kommt in den Comics vor?". Ein Beispiel:


Mittlerweile haben sich erfreulicherweise noch zwei weitere Accounts gebildet, die sich auf das Verbreiten von Duck-Bildern spezialisiert haben: Duck Porn und EntenPanelist wurden (zufälligerweise?) fast zeitgleich im Februar 2014 erstellt. Wenngleich sie gemessen an der Followerzahl weit weniger erfolgreich als ihr großer Bruder sind und beide auch schon längere Pausen eingelegt haben, stellen sie eine Bereicherung für die Entenhausener Twitter-Landschaft dar und zeigen, dass die guten Bilder noch lange nicht ausgehen. Dafür sorgen allerdings nicht nur diese Accounts, sondern auch viele weitere Twitterer, die hin und wieder mal ein Duck-Panel scannen. Diese werden dann allerdings meistens von Good Duck Panels per Retweet weiterverbreitet, sodass man sagen kann, dass der Account als zentrale Anlaufstelle für Duck-Bilder fungiert.


Autoren und Zeichner auf Twitter
Auf Twitter kann man vielen Autoren und Zeichnern folgen, die man aus dem LTB kennt – man muss halt nur Italienisch verstehen. Schon sehr lange und sehr aktiv bei Twitter ist der Autor Tito Faraci. Inzwischen ist aber eine ganze Reihe an Topolino-Künstlern zu finden – als da wären: Marco Gervasio, Roberto Gagnor, Jacopo Cirillo, Valentina Camerini, Giorgio Salati, Giorgio Pezzin, Silvia Gianatti und Claudio Sciarrone. Keine Garantie für Vollständigkeit.
Für Leute, die des Italienischen nicht mächtig sind, gibt es aber auch einige wenige englischsprachige Künstler auf Twitter. Als erstes wäre da natürlich Don Rosa zu nennen, dessen Account von Ehapa-Übersetzer Jano Rohleder betreut wird (der auch einen eigenen hat). Von Darkwing Duck bekannt sind James Silvani, Aaron Sparrow und Ian Merch. Auch Egmont-Autor John Lustig hat einen Account, wo es allerdings vornehmlich um seine Serie "Last Kiss" geht.


Die (Nicht-)Präsenz von Ehapa
Angesichts der großen Beliebtheit, der sich die Panels auf Twitter erfreuen, ist es umso überraschender, dass der Lizenznehmer für Disney-Comics im deutschsprachigen Raum so gut wie gar nicht auf Twitter präsent ist. Der Account von Ehapa hat bislang einen einzigen Tweet abgesetzt:

Eine Karteileiche also. Zugegeben: Etwas anders sieht es beim offiziellen Account des Lustigen Taschenbuches aus, der immerhin etwa 400 Follower aufweisen kann. Aber: Es handelt sich um einen "Facebook-Verlinkungsaccount", das heißt, eigene Inhalte gibt es auf Twitter in der Regel nicht. Und es findet keinerlei Kommunikation mit den Followern statt. Das ist einfach schwach. Es ist mir völlig unverständlich, warum Ehapa das definitiv vorhandene Potenzial von Twitter überhaupt nicht für sich nutzt. Gerade bei Reihen wie dem Donald Duck Sonderheft, das auch bei vielen älteren Lesern beliebt ist, könnte sich eine Präsenz auf Twitter durchaus lohnen. Und an einer grundsätzlichen Twitter-Aversion bei Ehapa kann es eigentlich nicht liegen, denn immerhin hat Chefredakteur Peter Höpfner einen eigenen Account, wo er aber nicht nur Disney-bezogen schreibt.
Mit der Egmont Comic Collection sieht es übrigens ähnlich aus, auch hier gibt es keinen Account, lediglich die Graphic-Novel-Abteilung hat einen. Damit bleibt man in dieser Hinsicht hinter vergleichbaren Verlagen wie Panini oder Carlsen zurück. Und gerade an den Kollegen aus Stuttgart und Hamburg könnte sich Ehapa bzw. die ECC ein Beispiel nehmen, denn man bekommt tatsächlich den Eindruck, dass den zuständigen Redakteuren ihre Follower nicht egal sind.
Interessant ist in dieser Hinsicht aber nicht nur der Vergleich mit anderen deutschen Verlagen, sondern auch mit den ausländischen Disney-Lizenznehmern. Besonders fleißig twittern die italienischen Kollegen vom "Topolino", aber auch das niederländische "Donald Duck" und das finnische "Aku Ankka" sind ganz gut dabei. Sie alle haben natürlich eine um ein Vielfaches höhere Followerzahl als der erwähnte LTB-Account. Zu guter Letzt sei noch der amerikanische Lizenznehmer IDW erwähnt, der ebenfalls via Twitter versucht, seine Disney-Titel zu bewerben. Einen guten Überblick über die amerikanischen Neuerscheinungen bekommt man mit dem Account Disney Comics.


Figuren auf Twitter
Bekanntlich gibt es auf Twitter viele Parodie- bzw. Fake-Accounts, zum Teil von real existierenden Personen, zum Teil von Klischee-Figuren. Da ist es nicht so verwunderlich, dass mittlerweile auch die Entenhausener twittern. Allerdings leider nicht auf Deutsch, sondern auf Holländisch. Denn Sanoma, der niederländische Lizenznehmer für Disney-Comics, hat im Februar 2010 für verschiedene Entenhausener Accounts erstellt. Und nicht nur etwa für Donald oder Dagobert, sondern es ist wirklich fast die ganze Figurenpalette vertreten. Ob Willie Wortel (Daniel Düsentrieb), Zwarte Magica (Gundel Gaukeley), Gover Goudglans (Mac Moneysac), Juffrouw Eugenia (Fräulein Rührig) oder sogar Midas Wolf (der große böse Wolf), sie alle twittern fleißig. In dieser Liste sind nicht nur alle Accounts aus "Duckstad" verzeichnet, man kann auch sehen, wie sie untereinander kommunizieren. Es wurde quasi ein virtuelles Entenhausen verschaffen. Zwar kann ich ohne Verständnis des Niederländischen nicht beurteilen, wie witzig oder einfallsreich die Twitterei tatsächlich ist, aber man sieht, dass sich hier jemand Mühe macht, sein Publikum zu unterhalten. Und das zahlt sich offenbar aus, immerhin hat Donalds Account derzeit etwa 175.000 Follower – gar nicht mal so schlecht für ein Land, das ein Fünftel der Einwohner von Deutschland hat. Daran sieht man mal wieder, dass Disney-Comics bei unseren Nachbarn doch noch ein bisschen höher im Kurs stehen.


Trotzdem kann man auch mit Accounts wie @GoodDuckPanels auch als deutschsprachiger Fan von Disney-Comics seinen Spaß auf Twitter haben, wie wir hoffentlich mit dem Artikel zeigen konnten. Rückmeldungen dazu könnt ihr uns entweder im Forum geben... oder natürlich auf Twitter, wo wir nach wie vor unter @fieselnews aktiv sind. @fieselschweif wäre zwar etwas schöner, aber der Name war leider schon belegt.



von 313er, Oktober 2015



Zuletzt aktualisiert: 28.12.2016, 14:19