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Die Macht des Geldes


Storycode: W WDC 157-01
Originaltitel: The Money Stairs
Datum der Erstveröffentlichung: Oktober 1953
Deutsche Veröffentlichungen: MM 08/54, TGDD 9, Klassik-Album 6, BL 24, BCS 8, CBC 11, MM 40/06, MM 33/07, Entenhausen-Edition 24, Entenhausen – Weltstadt an der Gumpe

"Mit Geld kann man alles kaufen." Diesen Satz haben wir doch alle schon mal gehört. Doch stimmt das tatsächlich? Gleich mit dem ersten Panel wirft uns Barks direkt ins Geschehen: mitten in eine hitzige Diskussion zwischen Donald und Onkel Dagobert, der – wer hätte es gedacht – selbstverständlich felsenfest davon überzeugt ist, dass er mit seinem Hab und Gut seinem Neffen in allen Belangen überlegen ist. Donald indes versucht mit allen Mitteln seinen Onkel vom Gegenteil zu überzeugen: Freunde zum Beispiel - Die kann man sich doch nicht einfach mit schnödem Mammon erkaufen, oder? Nun ja, wenn man mit einer Schubkarre voll Geld durch die Stadt fährt,

findet man wohl tatsächlich schneller einem Wohlgesinnte als mit freundlichen Worten. Das muss auch Donald schnell feststellen, dessen höfliche Begrüßungen von den miesepetrigen Passanten als "dummes Geschwätz" abgetan werden, während Onkel Dagobert ohne groß Worte zu schwingen sofort freundlich empfangen und liebgewonnen wird. Ein Sinnbild unserer Gesellschaft. Und damit steht es 1:0 für Onkel Dagobert.

Nach einigen misslungenen Überzeugungsversuchen schlägt Donald schließlich vor die berüchtigte Satanszacke zu besteigen. Jugend und Kraft kann man sich ja nun wohl wirklich nicht erkaufen. – "Papperlapapp! Mit Geld ist alles zu machen." Wozu gibt es schließlich sündhaft teure zu sportlichen Höchstleistungen anspornende Kräftigungsmittel und Verjüngungshormone. Ähnlich wie in "Der reichste Mann der Welt" zeigt sich hier und in den folgenden Geschehnissen, dass der alte Geizkragen in einer Wettkampfsituation wie dieser gerne mal auch etwas leichtsinniger mit seinem mühsam Ersparten umzugehen pflegt. Hat er es sich erst mal in den Kopf gesetzt, Donald von der Allmacht seines Geldes zu überzeugen, dann möchte er auch unter keinen Umständen als Verlierer hervorgehen – koste es, was es wolle. Genau dieselbe Dickköpfigkeit, wie wir sie von Donald kennen.


Schnell muss Dagobert allerdings feststellen, dass er es bei der Erklimmung eines Berges auch "gedopt" nicht mit seinem jungen Neffen aufnehmen kann. Daher kombiniert er die Macht des Geldes mit seiner Gerissenheit: Mit Hilfe eines kompletten Zoos, den sich Dagobert einfach ausleiht, versucht er Donalds Aufstieg zu verzögern. Denn mit Geld muss alles möglich sein – und der vorübergehende Besitzübergang von Tieren im Rahmen von kompetitiven Veranstaltungen ("Halbeigentum") ist ja ohnehin nichts Ungewöhnliches in Entenhausen, wie die Donaldisten bereits herausgefunden haben. Die damit einhergehenden Szenen erinnern eher an die klassischen Trickfilme oder an Barks Frühwerke – und damit beginnt die ganz anders strukturierte zweite Hälfte des Zehnseiters: Donald landet im Maul eines Krokodils, wird von Bären, Giraffen und Gorillas gepiesackt. Auch die im späteren Verlauf der Geschichte für Barks' Zehnseiter immer ungewöhnlicher werdenden Formen der Panels unterstreichen gewissermaßen die zunehmende Absurdität. Schließlich gipfelt die Geldprotzerei in einer Treppe aus Münzen,

durch die Dagobert den Gipfel letztendlich vor Donald erreichen kann und ihn genüsslich im Liegestuhl wartend empfängt. Damit wurde ein Punkt erreicht, an dem Barks bewusst wurde, dass er die Grenze zwischen Metaphorik und Realität überschritten hat: Eine solche Szene wirkt auch in einem Entenhausen-Comic nicht sonderlich glaubwürdig, sondern eher einem Märchen entsprungen. Daher hat sich Barks dazu entschlossen, das ursprüngliche Ende der Geschichte, in dem Dagobert seinen Neffen mit dessen Niederlage aufzieht, nachträglich noch ein wenig abzuändern: Die letzten drei Panels zeigen nun einen zu Hause im Bett erwachenden Donald, der den Neffen die Ereignisse aus seinem Traum schildert (und damit auch gleichzeitig für die Schlusspointe sorgt). Gekonnt hat Barks damit die Geschichte wieder in Donalds bekannten Alltag zurückgebracht – und im Gegensatz zu anderen Wettkampf-Zehnseitern gibt es nun weder Sieger noch Verlierer. Erst als Dagobert nach dem Errichten der Geldtreppe noch einen Taler übrig hatte und Donald auf ein Bier einladen wollte, wurde ebenjenem bewusst, dass es sich dabei eindeutig nur um einen Traum handeln kann. (In MM 40/06 und 33/07 wurde das "kleine Helle" von der Redaktion im Übrigen auf eine kinderfreundlichere "Limo" abgeändert.)

Vom letztendlich nie erschienenen alternativen Ende blieb lediglich ein Panel (von drei) erhalten, weshalb die Pointe, die Barks ursprünglich im Sinn hatte, leider im Verborgenen bleibt.

Eine Geschichte, die auf jeden Fall in Erinnerung bleibt, einige Lacher bereithält und für mich zu Carl Barks besten Zehnseitern gehört. Wie man es von Barks gewohnt ist, beinhaltet auch "Die Macht des Geldes" mit ihren dezent vorhandenen gesellschaftskritischen Elementen eine schöne Moral ohne dabei den Zeigefinger zu erheben oder belehrend zu wirken.



Von barksfan97




Zuletzt aktualisiert: 02.12.2018, 17:36
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