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Rezension: LTB 572 - Der geheimnisvolle Tempel


Cover Mit Hut und Peitsche schwingt sich der berühmteste Abenteurer der Filmgeschichte wieder durch die Kinosäle dieser Welt: Schauspiellegende Harrison Ford will es noch einmal wissen und schlüpft für "Indiana Jones und das Rad des Schicksals" zum (wahrscheinlich) letzten Mal in die Rolle von Indiana Jones! Klar, dass da auch die deutsche Redaktion des Lustigen Taschenbuches auf den fahrenden Zug aufspringen muss und mit LTB 572 ein Artefakt präsentiert, das so seine Überraschungen mit sich bringt. In "Der geheimnisvolle Tempel" wagt sich der abenteuerlustige Donald Duck im undurchdringlichen Dickicht in die Ruine einer verschollenen Tempelanlage vor und muss sich dort vor einigen Fallen und Bösewichtern vorsehen. Das einladende Cover, welches von der Komposition stark an ein klassisches Indiana-Jones-Kinoplakat erinnert, macht da auf jeden Fall schon einmal richtig Laune! Doch Vorsicht: Das Titelbild erweckt einen falschen Eindruck von der gleichnamigen Titelgeschichte, die mitnichten bei den ägyptischen Pyramiden spielt, in der Onkel Dagobert keinen Safari-Hut trägt und in der die Panzerknacker nicht in Verkleidung auf den Plan treten. Nichtsdestotrotz eine sehr sehenswerte Mogelpackung!

Auf ein großes Abenteuer zieht es später die jungen Mitglieder des Fähnlein Fieselschweifs, denn Tick, Trick und Track reisen mit ihren neuen Freunden sowie dem Oberstwaldmeister und Dieter Düsentrieb in die Tropen, um Daten über Krokodile zu sammeln. Dabei müssen sie auf fast 50 Seiten mächtig aufpassen und sich entscheiden, ob sie sich ihren starren Statuten widersetzen oder auf ihr Gefühl hören (Vacca / Ferracina).

Derweil geht auch in Entenhausen so einiges vor sich: Gitta Gans und Kuno Knäul eröffnen ein neuartiges Restaurant, in dem Speisen aus dem 3D-Drucker kredenzt werden (Bosco / Soldati), Phantomias legt sich mit einem neuen Widerling an, der eine Welle des Wuchers in der Stadt lostritt (Giunta / Marini) und bei Micky und seinem Kumpel Goofy hängt gewaltig der Haussegen schief, seitdem beide unter einem Dach zusammenleben müssen (Edrighi / Usai). Zum Schluss wartet ein neues Abenteuer auf Indiana Goof, der zusammen mit einem zauseligen Professor den Schatz eines alten Alchemisten finden soll, hinter dem auch andere her sind (Panini / Gula).

Welche Geheimnisse das Lustige Taschenbuch 572 birgt, erfahrt ihr in folgender Rezension!

Von Entenfan & McDuck



Der Inhalt:
Titel Autor (A), Zeichner (Z) EV-Jahr Seiten Rezension
Der geheimnisvolle Tempel A: Sune Troelstrup; Z: Massimo Fecchi 2023 25 Peinlich-prüde Indy-Parodie
3-D-Gourmet A: Marco Bosco; Z: Giampaolo Soldati 2022 25 Gittas & Kunos schmackhafte Geschäftsidee
Auf der Hut A: Monica Manzoni; Z: Giulia Lomurno 2021 10 Kein Tutti-Frutti für Klaas Klever
Mission unter tropischer Sonne A: Francesco Vacca; Z: Mario Ferracina 2021 48 Klassenausflug mit Krokodilstränen
Ein luftiges Picknick A: Pietro Zemelo; Z: Giovanni Rigano 2019 8 Geflügeltes Genie in den Wolken
Ein ausgewachsenes Problem A: Federico Rossi Edrighi; Z: Luca Usai 2019 24 Zank und Zoff bei Micky und Goofy
Die Schwebematte A: Augusto Macchetto; Z: Carlo Limido 2019 12 Aufgeblasener Albtraum mit Donald
Der Aushilfsabenteurer A: Giulio D'Antona; Z: Luciano Gatto 2015 4 Verstolperte Vollkatastrophe
Wucher-Welle A: Pier Giuseppe Giunta; Z: Roberto Marini 2020 18 Rächer gegen Raffgier
Superhelfer im Einsatz A: Carlo Panaro; Z: Marco Palazzi 2022 24 Franz Gans kann's!
Der Schatz des Alchemisten A: Gabriele Panini; Z: Ettore Gula 2018 30 Abenteuerlicher Ausflug indy Botanik
Der Duft der Zeit A: Fabio Michelini; Z: Andrea Ferraris 2021 22 Zeitloses Durcheinander





Wie abenteuerlich gibt sich "Donald Duck und der geheimnisvolle Tempel"?

Irgendwo in einem nicht näher spezifizierten Dschungel arbeitet ein Filmteam an der Produktion des neusten Abenteuerfilms um den strahlenden Titelhelden "Dschungel-Joe", dem einfach alles gelingt und den nichts so schnell aus der Ruhe bringen kann. Doch als die Crew auf einen verfallenen Tempel stößt, der seit Jahrhunderten seine Geheimnisse verbirgt, nehmen die Ereignisse ihren Lauf. Über Umwege erlangt Onkel Dagobert Kenntnis von dem geheimnisvollen Tempel – immerhin ist er der Produzent der "Dschungel-Joe"-Blockbuster. Im Auftrag seines reichen Erbonkels reist Donald Duck – der gerade so seine Beziehungsprobleme mit Daisy hat, weil diese dem Schauspieler Bob Bogbieger verfallen ist – in den undurchdringlichen Urwald, um die Tempelruine ausfindig zu machen und herauszufinden, was aus dem Filmteam geworden ist, von dem jede Spur fehlt. Bei seinem Abenteuer hilft Donald dem muskulösen "Dschungel-Joe"-Darsteller, der sich in der Realität als flennender Waschlappen entpuppt. In dem geheimnisvollen Tempel gilt es zuerst, die non-letalen Fallen zu überwinden – und plötzlich sind da noch ein paar alte Bekannte, die den verlorenen Schatz des Tempels jagen.



Pünktlich zum Kinostart des fünften Abenteuers von Indiana Jones geht das Lustige Taschenbuch mit einer hauseigenen Klamauk-Parodie des legendären Archäologen an den Start – was, wie man hört, der Egmont-Redaktion unter deutschem Vorsitz schon im Vorfeld einigen Knatsch mit dem tonangebenden Disney-Konzern einbrachte. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass das wie ein Poster gestaltete Cover nicht zu sehr an das reale Filmposter des gealterten Leinwandhelden erinnern durfte, der zurzeit mit Hut und Peitsche in den Kinosälen seinem Schicksal zu entrinnen versucht. Das Comic-Abenteuer mit Donald Duck in der Hauptrolle schafft es dagegen nicht einmal, als ein müder Abklatsch wahrgenommen zu werden, so vernichtend schlecht fällt unser Urteil für die Titelgeschichte von LTB 572 aus.

Positiv: Ein paar Bezüge zu den Indiana-Jones-Filmen, die es längst zu allgemeiner Bekanntheit in der Popkultur geschafft haben, lassen sich unschwer erkennen. Allen voran die kultige Szene aus "Jäger des verlorenen Schatzes" mit der goldenen Götzen-Figur, die bei Entfernen von ihrer Steinstele eine diabolische Falle auslöst und dem Helden nach der Flucht aus dem einstürzenden Tempel wieder abgenommen wird. Auch ein Schwall wie aus dem Nichts kommenden Wassers, der die Bösewichte aus ihren finsteren Löchern spült, kommt dem geneigten Leser bzw. der geneigten Leserin aus dem zweiten Indy-Film "Tempel des Todes" bekannt vor. Bei einigen anderen Punkten lassen sich Anspielungen hineininterpretieren, doch ich wage zu bezweifeln, dass hier großartig darüber nachgedacht wurde.



Insgesamt ist die Story leider ziemlich belanglos und unnötig albern. Die Figuren sind eindimensional und unsympathisch: Besonders Daisy wird als geistig beschränkt ausgestattete Klischee-Hausfrau dargestellt, die liebestoll jede Form von Intelligenz vermissen lässt. Dazu haben wir mit dem äußerlich starken, innerlich aber total deprimierten Schauspieler ein altbekanntes Mittel – dass das dann bis zum letzten Panel so durchgehalten und einfach hingenommen wird, wirkt wie blanker Hohn gegenüber waschechten Helden. Darunter kann man den guten Donald, der hier furchtbar selbstüberschätzend und wenig geistreich in Szene gesetzt wird, leider ebenfalls nicht subsumieren. Zwar hat er ein gutes Herz, was die Rettung der Filmleute angeht, doch gegen die Schurken weiß er sich keinesfalls zu behaupten. Die dreisten Diebe sind übrigens einfach durch das Fenster des Tempels im Obergeschoss geklettert, um den Fallen zu entgehen (Facepalm!), nur um dann auf Ansage jede davon auszulösen und sich selbst hinauszukatapultieren. Dabei geht eine Wand zu Bruch, hinter der sich auf wundersame Weise die Schatzkammer hervortut! Wow, also wenn das so einfach ist mit der Schatzsuche, wo ist mein Fedora abgeblieben?!

Sorry Leute, aber diese Titelgeschichte ist mal wieder abgrundtief dämlich und unlogisch geraten. Einzig Massimo Fecchi und sein Team können Indiana-Duck einen coolen Look verpassen, ansonsten ist hier nichts stimmig. Der Schauspieler Bob Bogbieger turnt in einem knallroten Safari(schlaf)anzug durch den Dschungel und die mechanischen Hände der präkolumbianischen Fallen sind aus spiegelglattem Edelstahl gemacht. Die eingesperrten Kameraleute kommen auch ohne Nahrung und Trinkwasser solange über die Runden, bis Donald aus Entenhausen (schmerzhaft) im Urwald landet und dabei – wie sollte es anders sein? – seinen einzigen Kontakt zur Außenwelt zerdeppert, der aber gar nicht vonnöten ist, schließlich scheint der verlorene Tempel längst ein allgemein bekanntes "Must-See" zu sein.

Eine rollende Klamauk-Katastrophe für Fans von Dr. Jones.




Welchen Schuppentieren und Schurken spüren die tapferen Fieselschweiflinge in den Tropen nach?

Die aufgeweckten Kinder Tick, Trick und Track sowie ihre Freunde Jamal, Bea und Maren brechen mit den anderen Fieselschweiflingen und dem Oberstwaldmeister in die Tropen auf. Mit an Bord ist auch der überdrehte Dieter Düsentrieb, der es sich in den Kopf gesetzt hat, allen zu beweisen, dass er ein Genie ist. Tick, Trick und Track sind davon gar nicht angetan, denn Dieter hat oft genug bewiesen, was für Chaos und Katastrophen er anrichten kann. Die Befürchtung liegt in der Tat nahe, denn diesmal hat es das Fähnlein mit einer speziellen Krokodilart zu tun, die genau fotografiert und beschrieben gehört. Der Wissenschaft will schließlich geholfen werden! Dies ist ein Fall für den begeisterten Hobbyfotografen Jamal, während der dreiste Dieter mit seinem Krokodilabweiser die Reptilien weniger schreckt als sie ihn. Die Idylle wird jäh unterbrochen, als ein Hubschrauber mitten im Naturschutzgebiet landet und der berüchtigte Geschäftsmann Hoss Hippo heraussteigt. Dieser hat es auf Diamantenvorkommen in der Gegend abgesehen und schreckt vor nichts zurück. Die Fieselschweiflinge eilen zurück zum Lager, um den Oberstwaldmeister zu informieren, doch die draufgängerische Bea hat anderes im Sinne und eilt los, um Hoss Hippo und seine Spießgesellen zu konfrontieren. Trick, der seine Freundin nicht allein lassen will, folgt ihr unerlaubt, obwohl dies ein Vergehen darstellt. Ob diese Eigeninitiative sich nicht am Ende rächt?



Dies ist eine weitere Geschichte einer inoffiziellen italienischen Comicserie, die sich dem Fähnlein Fieselschweif zuwendet und bislang hauptsächlich von Francesco Vacca geschrieben wurde. Vacca, der auch für das Skript dieser Story verantwortlich zeichnet, versucht hierbei eine Modernisierung: Anders als in der teils schlecht gealterten U.F.F.-Reihe ("Unternehmen Fähnlein Fieselschweif") oder in den alten Geschichten von Carl Barks wird die Riege an Jungmannen hier durch ein paar toughe, mutige Mädchen unterstützt, was die latente Frauenfeindlichkeit etlicher früherer Fieselstorys – Zeit wird es! – zu Grabe trägt. Die Einführungsgeschichte der neuen fieseligen Comicserie war "Mission Kanada", die in LTB Winter 4 erschien. Zum Glück ist es nicht unbedingt nötig, jene Geschichte gelesen zu haben, um sich diesmal in eine "Mission unter tropischer Sonne" zu wagen. Schaden kann es allerdings auch nichts, weil einem sonst die neuen Figuren Jamal, Bea und Maren sowie die Dynamik zwischen den Figuren und den Neffen wohl etwas fremd ist. Wenigstens ist Dieters Einzug in die Gruppe der fellmützentragenden Umweltschützer:innen in der Geschichte "Der Wald des weißen Pumas" (LTB 553) denjenigen nicht entgangen, die nur die Hauptreihe des Lustigen Taschenbuchs sammeln.

Gegenüber der Mission in Kanada fällt hier vor allem auf, dass sich die Figuren weiterentwickelt haben. Da Track nun Vizewaldmeister ist, gibt es keinen Anlass für solchen Zank und Zoff wie in der ersten Geschichte. Während der Hickhack zwischen den doch ungleichen Neffen keine solche Rolle mehr spielt und Jamal und Maren diesmal recht blass im Hintergrund herumdümpeln, ist es die selbstbewusste Bea, die die Dinge ins Rollen bringt. Und während der ebenfalls draufgängerisch veranlagte Trick ihr zur Seite steht, sorgt Beas Eigenmächtigkeit vor allem für einen Konflikt mit Tick, der meint, Verantwortung übernehmen zu müssen. Hier tritt in meinen Augen hervor, dass er es noch nicht verwunden hat, nicht Vizewaldmeister geworden zu sein. Nicht nur dieser Konflikt macht das Beisammensein der Kinder interessant, auch Dieters Versuch, sich und sein Genie zu beweisen und den anderen begreifbar zu machen, führt zu interessanten Dynamiken, vor allem in seinem Verhältnis zu Donalds Neffen, die auch diesmal Dieters Hang zu ausgeprägten Katastrophen, wie man sie etwa in "Im Falle des Brotes" (LTB 559) bewundern durfte, fürchten. Dennoch stellt sich Dieter, der seinen Platz im Fähnlein noch nicht gefunden hat, hier äußerst hilfsbereit an und sorgt letztlich für großen Nutzen. Diese positivere Sichtweise auf die Figur gefällt mir besser als das, was Marco Nucci mit ihr angefangen hat.



Während das Verhältnis der Jugendlichen zueinander, die alle ihre Bedürfnisse, Wünsche und Probleme haben, die Geschichte prägt, ist die Auseinandersetzung mit den Bösewichten ein leidlich gelungenes Beiwerk. Sie sorgt nicht für annähernd jene Spannung, die sie verspricht, zudem sind die Motive und Handlungsweisen von Hoss Hippo mir nicht ganz klar. Um Diamanten zu schürfen, muss er nicht persönlich mit Gangstern im Naturschutzpark einfliegen und damit alles, was kreucht und fleucht, aufschrecken. Der Showdown am Ende ist mir da viel zu verworren und überhastet.

Insgesamt gelungene Geschichte mit Stärken, aber auch etlichen Schwächen.




Was drucken die "3D-Gourmets" Gitta Gans und Kuno Knäul dank modernster Technik?

Nach einem physisch wie psychisch schmerzhaften Rauswurf aus dem Geldspeicher von Onkel Dagobert trifft Gitta Gans ihren alten Freund Kuno Knäul auf der Straße. Um sich abzulenken und auf andere Gedanken zu kommen, besuchen die beiden gemeinsam eine Technikmesse und staunen nicht schlecht über die neusten Erfindungen der Hightech-Branche. Ihre Aufmerksamkeit erlangt dabei ein junger Ingenieur, der ihnen den 3D-Druck vorstellt und demonstriert, dass man auf diese Weise sogar Lebensmittel herstellen kann. Den beiden geschäftstüchtigen Freunden Gitta und Kuno kommt eine Idee, wie sie den Prozess des 3D-Drucks noch weiter verbessern können und wollen probieren, ein Restaurant zu eröffnen, das ausschließlich Speisen aus dem3D-Drucker anbietet. Dafür nehmen sie sogar einen Kredit auf und holen sich Hilfe bei der Küchenmeisterin Dorette Duck. Ihr neu eröffnetes 3D-Gourmet bekommt von den Kritikern Bestnoten und zieht schon bald hungrige Kundinnen und Kunden an, die sich über die individuell gestalteten Speisen freuen. Als eine potenzielle Geschäftspartnerin namens Bea Brislauch mit Onkel Dagobert einen Vertrag unterzeichnen will, schlägt die Geschäftsfrau dafür ausgerechnet das "3D-Gourmet" als Ort des Treffens vor. So muss Onkel Dagobert wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und bei Gitta Gans speisen, um sich den Vertrag und die dahinterstehende Gewürzfabrik unter den Nagel zu reißen.



Mit "3D-Gourmet" präsentiert uns der erfahrene Autor Marco Bosco eine angenehm runde Geschichte mit dem Geschäftsduo aus Gitta Gans und Kuno Knäul, die hier ziemlich gut als sympathische Freunde charakterisiert werden. Sie sind es, die wie auch bei unzähligen dieser Storys zuvor auf eine brandneue Geschäftsidee stoßen und diese dann zu einer meisterlichen Markteinführung bringen. Mit den Speisen aus dem 3D-Drucker vermittelt die Geschichte auch ein relativ aktuelles und spannendes Thema, das exzellent vorgestellt wird. Dass die Produkte nach den individuellen Vorlieben der hungrigen Schnäbel hergestellt werden und dabei Rezepte von Oma Duck zugrunde liegen, ist zwar ein bisschen weit hergeholt und nicht besonders gut erklärt, doch das schadet der feinen Geschichte nicht besonders – zumindest gemessen an den zur Verfügung stehenden 25 Seiten. Für Heiterkeit sorgen Onkel Dagobert Reserviertheit gegenüber der nervösen Gitta, die endlich einmal ein waschechtes Erfolgsrezept gefunden hat. Zur Abwechslung gibt es dann auch noch ein arg zufallsbehaftetes Happy End. Außerdem gefallen mir Giampaolo Soldatis Zeichnungen hier mal wieder sehr gut, da er den lebendigen Figuren eine wunderbare Ausdrucksstärke verleiht.



Eine sehr schmackhafte Gitta-Kuno-Dagobert-Geschichte für den kleinen Hunger, die ohne großartige Konflikte und wildgewordene Action unterhaltsam zu überzeugen weiß.




Wie gut harmonieren Micky und Goofy unter einem gemeinsamen Dach?

Im Hause Maus ist erkennbar die Luft aus der Freundschaft zwischen Micky und Goofy raus. Die beiden angesäuerten Kumpels sitzen am Sofa, um sie herum ein Durcheinander, das seinesgleichen sucht (inklusive durchdrehender Roboter und einer alles überwuchernden Dschungelpflanze) und werfen sich alle möglichen Vorhaltungen an den Kopf. Mitten drin ist Minnie, die versucht, zwischen den Kampfhähnen zu vermitteln, die beiden Freunde miteinander zu versöhnen und sich schlicht und ergreifend die Frage stellt, wie das alles eigentlich passieren konnte.



Genau das frage ich mich hier auch. Autor Federico Rosso Edrighi versucht, mit einer unkonventionellen Erzählweise und ständigen Wechseln zwischen Gegenwart und Rückblende den Konflikt zwischen Micky und Goofy zu entwickeln, bis dieser wahrlich "ein ausgewachsenes Problem" darstellt. Der Geschichtenaufbau ist in meinen Augen aber nicht ganz so gut gelungen und hinterlässt trotz des versuchten schlüssigen Aufbaus ein gewisses Gefühl der Verwirrung, das sich doch ganz gut mit dem Anblick des Splashpanels mit der Horde herumtobender Roboter, der alles überwuchernden Pflanzen und dem Chaos im Inneren der beiden Freunde deckt. Während der Anfang der Tragödie – Goofy muss bei seinem Freund einziehen, weil auch sein Haus durch eine Pflanze überwuchert wurde – noch plausibel gelöst wird, wird es danach etwas unglaubwürdig. Unter einem Dach kristallisieren sich immer mehr Unterschiede zwischen den beiden Freunden heraus, anfangs noch kleine, die aber immer größer werden und die Geduld der beiden überstrapazieren. Dabei überbetont die Geschichte die Unterschiedlichkeiten und die gemeinsamen Sternstunden der sonst doch so engen Freunde sind auf nur wenige Panels begrenzt. Das hätte nicht müssen sein und ist ein Punkt, den ich der Geschichte anlaste. Immerhin bringt die ungewohnte Konstellation eine Spannung und Dramatik in den Comic hinein, die zumindest für mich und in dieser Form völlig neu ist. Kleiner Pluspunkt der Originalität.



Positiv erscheint ferner, dass die Geschichte zu zeigen versucht, dass wahre Freundschaft (mit vielleicht ein wenig Hilfe) auch das schlimmste Tief durchstehen kann und dadurch nur reift und wächst. Ich würde allerdings behaupten, dass dies der Geschichte nicht sonderlich gut gelungen ist und man sich fast fragt, ob Micky und Goofy nach diesem heftigen Streit überhaupt wieder gut miteinander auskommen können. Und nein, das Ende ist diesbezüglich auch nicht so wahnsinnig plausibel. Außerdem mochte ich, dass die Hilfe hier von Seiten Minnies kommt und die Mäusedame dadurch enorm sympathisch wird. In älteren Maus-Comics hat Minnie allzu oft eifersüchtig herumgezickt und war auf Micky und/oder Goofy sauer. Dass es auch anders geht und sie vernünftiger sein kann als die beiden Herren der Schöpfung, beweist sie hier.

Unterm Strich eine neuartige Geschichte, bei der zu viel Zoff und Zwist und zu wenig freundschaftliche Zuneigung gezeigt wird.




Wer sahnt mit Wucher-Zinsen in der Entenhausener Geschäftswelt ab?

Dass Donald finanzielle Probleme hat und sich gewöhnlich Plasmabildschirme, Pflanzkübel und Paprika auf Pump kauft, ist keine Neuigkeit. Neu ist hingegen, dass er plötzlich nicht mehr anschreiben und seine Raten mehr schlecht als recht abstottern kann, weil die Zinsen ein unaussprechliches Niveau erreicht haben. Denn eine Firma nach der anderen, der Donald etwas schuldet, wird von dem schmierigen Industriellen Richard Reibach aufgekauft, der horrende Gebühren verlangt. Donald kriecht bei seinem Onkel vor und bittet ihn um Begleichung seiner Schulden bei Reibach. Aber Onkel Dagobert hat drängendere Sorgen, denn er hegt berechtigte Zweifel, dass Reibachs kometenhafter Aufstieg mit rechten Dingen zugeht, und vermutet, dass der fiese Finanzhai mit Insiderhandel und Industriespionage operiert. Als maskierter Superheld Phantomias will sich Donald die Sache näher ansehen und dafür von Onkel Dagobert Geld zur Schuldentilgung bekommen. Doch der Gaunerbande ist gar nicht leicht auf die Spur zu kommen.



Ein neuer gemeiner Geschäftsmann betritt die Welt der Ducks, der Entenhausen mit einer "Wucher-Welle" ungekannten Ausmaßes überzieht. Schon die stereotype Gestaltung Reibachs als gerissene und gemeine Bulldogge spricht Bände. Doch auch wenn hier eine Bedrohung kreiert werden soll, kann der Rest der Geschichte dieser nicht gerecht werden. Reibach und die von ihm engagierten Panzerknacker sind praktisch gar nicht zu sehen und auch die kriminellen Methoden der Gaunerbande werden weitgehend ausgespart. Dabei würde das die meist glücklosen und unfähigen Knacker in ein besseres Licht rücken. So, wie er ist, wirkt der ganze Storyaufbau auf mich enorm unausgegoren. Bei einer so magermäßig kurzen Story mit gerade mal 18 Seiten ist auch kein Platz, Figuren vernünftig aufzubauen und zu entwickeln. Die Geschichte hüpft damit mehr oder weniger ziellos von einer Szene zur nächsten und es geht alles verdammt schnell.

Vor allem stellt sich die Frage, warum es überhaupt einen neuen Geschäftsmann-Gegner braucht. Mit Klaas Klever, Mac Moneysac, Marc Enclauh, Borstinger und einem Dutzend anderen, die kaum je auftauchen, gibt es meiner Meinung nach schon genug Kapitalisten mit Hang zu kriminellem oder zumindest amoralischem Verhalten. Gerade Klever und Moneysac haben schon oft die Panzerknacker für ihre illustren Geschäfte benötigt, daher wäre es überhaupt kein Problem gewesen, einen der beiden hier zu verwenden und vor allem hätte dadurch die Einführung eines neuen, letztlich enorm farblosen Charakters uns erspart werden können. Nur seine Skrupellosigkeit kann ein wenig punkten. Dass am Ende der Geschichte sogar noch eine Fortsetzung angekündigt wird, ist des Guten nun wahrlich zu viel.

Murks!




Welchem Schatz jagt Indiana Goof nach?

Der angesehene Abenteuerarchäologe Indiana Goof hat als Gastdozent an einer Universität angeheuert und hält eine beachtenswerte Vorlesung über den berühmten Alchemisten Beatus Beikraut. Indianas kauziger Kollege namens Professor Strix ist mehr als angetan von dem interessanten Vortrag und schätzt vor allem seine Praxiserfahrungen. Direkt nach der Veranstaltung werden sowohl Indiana Goof als auch der Professor von einem grimmigen Typen und dessen Handlangern gekidnappt und trotz Fluchtversuch in einen finsteren Keller verbracht. Dort spricht der skrupellose Sören Sondler zu ihnen, der ihnen aufträgt, mithilfe des wiederentdeckten Tagebuches von Beatus Beikraut die versteckten Schätze aus einem entlegenen Tal zu bergen. Da seine Widerrede zwecklos ist, macht Indiana Goof gute Miene zum bösen Spiel und fliegt in Begleitung von Professor Strix und den kriminellen Schergen nach Schottland, wo sie das verborgene Tal tatsächlich ausfindig machen und sich Zugang dazu verschaffen können. Nachdem sie das verfallene Labor des weisen Alchemisten entdeckt haben, muss Indiana Goof eine Entscheidung treffen und anschließend einen Ausflug in die Botanik unternehmen. Kann er dem verlorenen Tal wieder entkommen?



Selbstverständlich darf die Disney-Version des berühmtesten Film-Archäologen in diesem LTB nicht fehlen, daher ist es cool, dass Indiana Goof wenigstens mit einem neuen Abenteuer vertreten ist. Für dieses zeichnete Gabriele Panini verantwortlich, während Ettore Gula die Zeichnungen beisteuerte. Für meinen Geschmack betreten beide ausgetretene Pfade und bieten so gut wie nix Spektakuläres. Zum einen wird man als Leser ziemlich lange über das MacGuffin im Unklaren gelassen, weil sowohl die Guten als auch die Bösen gar nicht wissen, was sie eigentlich suchen. Obwohl Indiana Goof zu bedenken gibt, dass der Alchemist keine Besitztümer von Wert hatte (wäre ihm der Durchbruch bei der Verwandlung von Blei in Gold gelungen, hätten wir sicherlich davon gehört), wird flugs ein Frachtflugzeug gestartet. Dieses bringt uns sogleich ins grüne Schottland, wovon man optisch aber nichts mitbekommt, weil es plötzlich in einen überwucherten Talkessel geht, in dem ein gigantischer Wasserfall plätschert. Warum also noch niemand auf das Tal, seine Bewohner und das erstaunlich gut erhaltene Laboratorium gestoßen ist, wirft Fragen auf. Nur die ersten paar Seiten der 30-seitigen Story haben mich unterhalten und zumindest neugierig gemacht, ob es noch ein paar Bezüge zu den Indiana-Jones-Kinofilmen gibt.

Nope, Fehlanzeige. Indianas Kompagnon ist auch kein schusseliger Sidekick, der für Lacher sorgen darf. Dafür sind eher der Muskelmann fürs Grobe namens Brutus und seine zwei Kollegen da, was der Handlung jede ernsthafte Spannung nimmt. Der Handlungsort ist wie gesagt überhaupt nicht überzeugend (Tropisches Subklima in einem matschigen Loch mitten in Schottland?) und auch die schicksalhafte Wendung ist irgendwie doof. Schlussendlich kann unser Held das Killergemüse in mundgerechte Scheiben schnibbeln und die Bösen zur Polizei schleppen. Liest sich genau so langweilig und schwerfällig, wie ich es schildere. Auch Emilio Urbanos Zeichnungen kommen nicht über ein "Solide" hinweg, weil die Hintergründe viel zu schlicht und langweilig sind und irgendwie kein Schwung in die Figuren kommt.

Sehr schwache Indiana-Goof-Schatzsuche mit gutem Auftakt, aber ohne eloquenten Esprit.




Wie viel Zeit nimmt sich Onkel Dagobert für seine neue Parfüm-Kollektion?

Ein vom gestressten Münzpolierer Donald geäußerter Kommentar weckt wieder einmal Onkel Dagoberts Geschäftsgeist: Wie schön wäre es doch, wenn man den Lauf der Zeit verlangsamen könnte, um sich bei der passenden Gelegenheit ein bisschen mehr Zeit für die Dinge zu gönnen. Sofort kommt dem reichsten Mann der Welt eine Idee, wie man daraus Profit schlagen könnte. Daher rennt er sofort zu seinem hauseigenen Erfindergenie Daniel Düsentrieb und appelliert an diesen, er solle störende Logik hintenanstellen. Obwohl der gescheite Ingenieur darauf hinweist, dass es gar nicht so einfach sei, den Fluss der Zeit zu beeinflussen, setzt er Onkel Dagoberts Vorschlag in nur weniger als 15 Minuten um. Am Ende steht eine Maschine, die mit verschwendeter Lebenszeit befüllt werden muss, um die verflossenen Sekunden stark zu komprimieren und in handliche Flakons zu pressen. Für diese besondere Parfüm-Kreation rührt Dagobert kräftig die Werbetrommel und bietet seinen zahlenden Mitbürgern die Möglichkeit, ihre Zeit portionsweise zu verlängern, in dem die Sekunden um einen bestimmten Wert verlangsamt werden. Seinen Neffen Donald spannt er dafür ein, überall in der Stadt verschwendete Zeit einzusammeln. Leider bekommen auch die Panzerknacker Wind von dem Zeit-Parfüm und wollen die gestohlene Zeit nutzen, Onkel Dagoberts Geldspeicher zu knacken. Allerdings bewahrheitet sich Herrn Düsentriebs Warnung, dass es gefährlich werden könnte, mit der Zeit zu spielen.



Mit "Der Duft der Zeit" legt Autor Fabio Michelini eine insoweit altbekannte Handlung vor, als dass Onkel Dagobert mithilfe einer Düsentrieb'schen Maschine irgendetwas kapitalisiert und auf den Markt bringt, was dann von Bösewichten zweckentfremdet wird und schließlich zur Katastrophe führt. All das wurde in dieser Story auf 22 Seiten komprimiert und in eine völlig unlogische Comicgeschichte presst, welche die Intelligenz der Figuren und der Leser regelrecht beleidigt. Wenn sogar Herr Düsentrieb selbst erkennen lässt, dass ihm der Prozess der Zeitverdichtung "völlig unverständlich" sei und auch die Einstein'sche Relativitätstheorie nur am Rande gestriffen wird, muss man im Physikunterricht nicht besonders gut aufgepasst haben, um zu begreifen, dass hier rein physikalisch so gar nichts zusammenpasst. Im Endeffekt wird auch die Funktionsweise des Zeit-Parfüms nicht richtig erläutert, und vor allem der Wirkungskreis bleibt mir völlig schleierhaft. Was passiert, wenn eine Duftwolke zu groß wird oder sich vom Winde verweht verselbstständigt? Wie sieht es für eine andere Person aus, wenn die Zeit einer ersten Person verlangsamt wurde? Und wie kommt Donald an die verschwendete Zeit ran? Das alles bleibt auf der Strecke.

Persönlich hätte ich erwartet, dass Onkel Dagobert die Produktion des Parfüms alsbald einstellen muss, weil dank des Zeit-Parfüms niemand mehr Zeit verschwendet und Donald daher keine "Rohstoffe" mehr findet. Das hätte mir allenfalls eingeleuchtet. Allerdings ist die schlussendlich herbeigeredete Katastrophe anderer Art und irgendwie auch ziemlich bescheuert. Den Gipfel der Beknacktheit erreichen jedoch zuvor die Panzerknacker, die aus Gründen von "Onkel Dagobert erkennt alles, kann alles und weiß alles" verhaftet werden.

Wir erinnern uns: Dass die Panzerknacker die Zeit anhalten, um Onkel Dagoberts Geld zu stehlen, hat Don Rosa in "Die Zeitdiebe" wesentlich unterhaltsamer und mit weniger Logikpatzern erzählt. Marco Bosco ließ Onkel Dagobert in "Tausche Zeit gegen Zeit" (LTB 359) sogar schon eine Zeitbank eröffnen, auf der man überschüssige Zeit einzahlen und bei Bedarf als Freizeit abheben konnte. Immerhin hat sich Andrea Ferraris bei dieser Story mehr Zeit für die Zeichnungen genommen, sodass sein Dagobert nicht so schrecklich zauselig wie bei den Egmont-Produktionen aussieht. Im Ergebnis aber kommt "Der Duft der Zeit" bei mir echt nicht gut weg und bleibt das, was eigentlich vermieden werden sollte: Zeitverschwendung.




Welche Geschichte hält eine Überraschung bereit?

In der sommerlichen Hitze hält es Franz weniger mit dem Arbeiten, sondern viel mehr mit dem Schlafen. So staunt er nicht schlecht, als ihm Oma eines Tages einen neuen Knecht vor die Augen setzt. Energiebündel Herbert geht es gleich so richtig an und lässt Franz neben ihm alt aussehen. Solcherart zurechtgestutzt muss sich Franz eingestehen, dass er in letzter Zeit besonders faul war und es daher kein Wunder ist, wenn Oma ihn nun durch Herbert ersetzen will. Doch so leicht lässt sich Franz das nicht gefallen und will nun zeigen, was so in ihm steckt. Tollpatschige Missgeschicke sind ihm einerlei, wenn es darum geht, seinen Platz am Hof zu verteidigen. Und zu arbeiten gibt es jetzt unmittelbar vor einer großen Landwirtschaftsmesse schließlich genug.



"Oma sucht Ersatz für Franz" ist ein in diversen Varianten immer wieder gesehener Plot, der zum Glück noch nicht so oft vorgekommen ist, dass ich beim Lesen der Geschichte Schnarchnase Franz Konkurrenz machen müsste. Schlafen wäre auch keine so gute Idee, denn Autor Carlo Panaro hat mit "Superhelfer im Einsatz" eine wirklich schöne Version dieses Plots geschrieben, der mir in der Gestaltung der Figuren und der herzerwärmenden Auflösung deutlich besser gefällt als andere Geschichten, die nach ähnlichem Muster abliefen. Besonders Franz' Wechsel vom Selbstzweifel zur Entschlossenheit und die Missgeschicke, die er kreativ löst, gefallen mir sehr. Zeichner Marco Palazzi hat ziemlich gute Arbeit geleistet, interessante Panelaufteilungen auf den Seiten verwendet und den Bildhintergrund mit netten Tieren bevölkert. Hingucker!




Bei welchen Geschichten bleibt der Unterhaltungswert auf der Strecke?

In gleich zwei Kurzgeschichten geht ein Entenhausener (mehr oder weniger) freiwillig in die Lüfte und äußert sein Unbehagen über die bedenkliche Situation. Zuerst ist es niemand anderes als Diplom-Ingenieur Daniel Düsentrieb, der sich einen kleinen Jetpack-Rucksack baut und diesen voller Leckereien stopft, bevor er damit abhebt. Leider hat der Antigravitationsrucksack einen kleinen Wackelkontakt, was den armen Daniel zu ungeahnten Höhenflügen führt und eine Konfrontation mit einem hungrigen Adler heraufbeschwört. Zum Glück ist ein befreundeter Ballonfahrer über den Wolken unterwegs, der Herrn Düsentrieb wieder heil auf den Boden der Tatsachen zurückbringt. "Ein luftiges Picknick" von Pietro Zemelo und Giovanni Rigano ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Luftnummer ohne großartige Gags und mit schlampigen Zeichnungen.



Nur wenig später bekommt Faulpelz Donald Duck (übrigens wie schon im vorherigen LTB 571) unversehens Besuch von einem windigen Vertreter, der ihm eine neue Hängematte anpreist. "Die Schwebematte" hält auch ohne knorrige Bäume, da sie nur von einer Handvoll bunter Ballons getragen werden. Auf Donalds Nachfrage hin antwortet der Verkäufer, dass es doch schon sehr unwahrscheinlich sei, dass plötzlich alle Ballons platzen und überlässt Donald die fliegende Matte daher für einen Testflug. Bei dem Ritt in luftigen Höhen kommen Donald eine Antenne, eine Drohne, ein Kronkorken und schließlich ein Geschwader von Stechstelzen in die Quere. Nach der Bruchlandung bleibt unser Lieblingserpel lieber bei altbewährten Mitteln. – In dieser zwölfseitigen Geschichte von Autor Augusto Macchetto und Zeichner Carlo Limido wird Donald durch ein paar bizarre Situationen gejagt, die immerhin zum Schmunzeln anregen. Ganz nett ist die Szene mit dem ploppenden Flaschenkorken. Schade, dass nicht um jeden Ballon eine eigene Kapriole erfunden wurde, sondern am Ende einfach die Vögel mit ihren spitzen Schnäbeln den Rest besorgen. Andererseits auch ganz gut so, denn dadurch wird die sehr hübsch anzuschauende Kurzgeschichte nicht unnötig länger.






Was ist der Tiefpunkt des Bandes?

Weil Donald verhindert ist, muss Onkel Dagobert zähneknirschend den chaotischen Dussel mit auf eine Expedition nehmen. Dussel latscht blindlings durch die Botanik und kostet Onkel Dagobert so viele Nerven, dass er schließlich den Schatz links liegen lässt und die Heimreise antritt.



Die schönen Zeichnungen Luciano Gattos können nichts daran ändern, dass "Der Aushilfsabenteuer" mir lediglich ein Stirnrunzeln entlockt. Gelesen und gleich wieder vergessen.




Was gibt es sonst noch zum Band zu sagen?

Klaas Klever wartet sehnsüchtig auf eine neue Lieferung köstlich-knackiger Melonen, um seinen Frust über neuerliche geschäftliche Missschläge hinunterwürgen zu können. Als die Hüte nicht und nicht kommen, kommt Anwantzer eine Idee, nämlich eine Torte in Melonenform. Doch das köstliche Backwerk bleibt Klever aus anderen Gründen im Hals stecken.



"Auf der Hut" vom Duo Monica Manzoni und Giulia Lomurno hat bei uns ausnahmsweise gemischte Reaktionen hervorgerufen. Während sich einer von uns über den köstlichen Humor schlapplachte, mochte der andere es nicht, wie Klever zum Kasperl gemacht wurde. Unterm Strich bleibt aber eine durchaus hervorstechende Stummgeschichte (die meisten hat ja Maestro Faccini mit Dussel gestaltet) und das zweite Mal in zwei aufeinanderfolgenden LTBs, dass Klevers köstliche Kopfbedeckung zum Anlasspunkt gaglastiger Geschichten wird.




Welche Details kann man schnell übersehen?

Die Erfindung des 3D-Druckers trägt in der Geschichte ursprünglich den Namen "Robomjam", das Wort taucht aber nirgendwo mehr auf. Gittas Auto hat kein Kennzeichen. Onkel Dagoberts Stifte stecken in einer waschechten Schnabeltasse auf seinem Schreibtisch. In diesem LTB sehen wir die Schreibtische von Onkel Dagobert, Klaas Klever und Mac Moneysac.

In der Videokonferenz, an der Klaas Klever teilnimmt, befinden sich auch Onkel Dagobert, Mac Moneysac und andere reiche Pinkel.

Im Entenhausener Kurier zu Beginn des Fieselschweif-Abenteuers wird auch über Hinterwildenwaldwinkel und dessen bekanntesten Einwohner berichtet. Die Fieselschweiflinge fliegen übrigens stilsicher mit der "Duckhansa" und sind zur herkömmlichen Printversion des "Schlauen Buches" zurückgekehrt.

Einen kleinen Gastauftritt in "Ein ausgewachsenes Problem" hat Goofys verschrobener Onkel Wombat, der im LTB ein äußerst seltener Gast ist und bisher nur in zwei Bänden der Maus-Edition zu sehen war. Onkel Wombat wurde von Floyd Gottfredson erfunden und ist mit eines der schrägsten und schrulligsten Mitglieder in Goofys Familie, ein verrückter Erfinder, der Micky auch schon mal mit einer Zeitmaschine ins römische Kolosseum versetzt hat. Hier richtet Wombat in seiner Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft, mit völlig untauglichen Erfindungen auszuhelfen, mal wieder das totale Chaos an.

Daniel Düsentrieb lagert radioaktiven Müll in einem Castor-Behälter in seinem Vorgarten.

Indianas Mentor Professor Strix gehört dem Namen nach zur Gattung der Eigentlichen Eulen (Strigidae), die landläufig auch als Käuze bezeichnet werden.




Wie sieht das Fazit zu LTB 572 aus?

Cover Das LTB 572 steht ganz im Zeichen des bekanntesten Abenteuerarchäologen der Welt. Doch während Indy in seinem fünften Film gewohnt gewandt zu Werke gehen darf, zieht es uns bei der Egmont-Titelstory "Der geheimnisvolle Tempel" glatt die Abenteurerstiefel aus und weht uns den Hut vom Kopf. Der murksige Mischmasch aus mutlosem Schauspieler, schmachtender Daisy und letztlich dummdoofen Gaunern, garniert mit Indy-Referenzen, die einen längeren Bart als Merlin haben, sorgt für wenig Erheiterung. Nein, diese Geschichte taugt höchstens etwas für Schaukelstuhlsitzer und nicht für gestandene Helden – von dem tollen Cover darf man sich nicht täuschen lassen. Indiana Goof durfte im LTB ebenfalls nicht fehlen, aber die LTB-Reducktion erweist mit der Auswahl von "Der Schatz des Alchemisten" ein genauso unglückliches Händchen wie Autor Sune Troelstrup mit dem Schreiben der Titelgeschichte. Bestimmt hätte es bessere Indiana-Goof-Produktionen in Italien gegeben als die hier abgedruckte, bei der letztlich hinten und vorne einiges nicht zusammenpasst.

Gut gefallen haben uns die neue Episode von Francesco Vaccas Serie rund um das Fähnlein Fieselschweif, die vor allem von der Dynamik zwischen den Hauptfiguren lebt. Über Probleme im Plot muss man da allerdings gnädig hinwegsehen. Ferner dürfen sich die Auslotung von Mickys und Goofys Freundschaftskrise und die wunderschön gezeichnete Franz-Geschichte mit der nicht aufdringlichen sentimentalen Note über Leseempfehlungen freuen. Für Gesprächsstoff sorgte auch die Geschäftsgründung mit der technikbegeisterten Gitta und Kumpel Kuno, die gut begann, aber eindimensional endete. Letztlich bleibt das LTB deutlich hinter dem Vorherigen zurück, das im Schnitt etwas mehr gute Geschichten enthielt und uns etwas weniger zum Stöhnen verleitete. Keine der Storys hat sich aus unserer Sicht das Prädikat "Sehr gut" verdient. Da heißt es für die Verantwortlichen: Nachsitzen in den Sommerferien!

Wir stellen uns der nächsten Schatzsuche bewaffnet mit Geschichten in der folgenden Reihenfolge:
1. Ein ausgewachsenes Problem
2. Mission unter tropischer Sonne
3. 3-D-Gourmet
4. Superhelfer im Einsatz
5. Die Schwebematte
6. Wucher-Welle
7. Der Schatz des Alchemisten
8. Auf der Hut
9. Der Duft der Zeit
10. Der geheimnisvolle Tempel
11. Ein luftiges Picknick
12. Der Aushilfsabenteurer





Zuletzt aktualisiert: 31.05.2024, 22:07
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