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Traum oder Wirklichkeit


Storycode: W WDC 101-02
Originaltitel: DD's Worst Nightmare
Datum der Erstveröffentlichung: Februar 1949
Deutsche Veröffentlichungen: TGDD 93, BL 14, MM 48/95, BCS 5, CBC 6, Entenhausen-Edition 14

Donald wird von Alpträumen schlimmster Art geplagt. Nachdem sich ein verschriebenes Schlafmittel nicht als Lösung für das Problem erweist, wird Donald vom Arzt zu verhasster Arbeit verdonnert. Durch das Häkeln von Zierdecken soll er den Kopf frei bekommen, allerdings zeigt sich auch hier keine Wirkung. Tick, Trick und Track erkundigen sich wiederum beim Doktor – nur eine reale Angst, die alles Furchtbare in Donalds Träumen übersteigt, kann zur Heilung führen. Während die drei Neffen also erfolglos versuchen, Donald einen Schrecken einzujagen, häkelt dieser brav weiter und ahnt nicht, dass sich durch das Bekanntwerden von Donalds "neuem Hobby" in der Entenhausener Damenwelt etwas wirklich Grauenhaftes über ihn zusammenbraut...

Immer wieder lässt Carl Barks seinen Donald zur Erheiterung der Leser einige Qualen durchstehen. Schier endloses Pech, Erniedrigungen, rohe Gewalt, andauernde Erfolgslosigkeit – ein Donald Duck muss vieles erleiden. Oft als direkte Reaktion auf sein eigenes (Fehl-)Verhalten, oft aber auch aus heiterem Himmel, weshalb man sich als Leser schnell auf Donalds Seite wiederfindet, wenn dieser wieder einmal im chancenlosen Wettstreit gegen seinen viel zu glückverfolgten Vetter Gustav oder viel zu reichen Onkel Dagobert antritt, von seinen Neffen ausgetrickst, von Raketen beschossen oder im Kampf mit wunderlichen Wesen übel zugerichtet wird – nur um mal ein paar Beispiele zu nennen.

Man leidet mit Donald mit und hofft auf ein nur selten vergönntes Happy End. Aber von all den Torturen, durch die Donald von Barks schon geschickt wurde, ist diese hier wohl eine der Schlimmsten.

Schlaflosen Nächten ist Donald bei Barks durchaus öfter ausgesetzt, schlecht träumen tut Donald aber eigentlich nie. Nur in "Traum oder Wirklichkeit" (teilweise auch "Traum und Wirklichkeit") von 1949 leidet Donald unter Alpträumen und ist in diesen schier furchtbaren Strapazen ausgesetzt, eine schlimmer als die andere. Stets alleine findet er sich in unwirklichen Situationen wieder und erwacht immer dann aus dem schauerhaften Traum, wenn er in einen Abgrund stürzt oder im nächsten Moment von wilden Tieren wie Wölfen, Löwen oder Haien verspeist werden würde. "Kreisch! Hilfe", immer wieder ertönt das gleiche Signal, das Tick, Trick und Track unmissverständlich wissen lässt, dass Donalds Schlaf soeben wieder jäh unterbrochen wurde. Nachdem Donald zum zehnten Mal die Woche panisch und schweißgebadet erwacht, wird es Zeit, dass er sich bei seinen Alpträumen bzw. seinem Nachtschreck von einem Arzt beraten lässt.

Der tiefere Sinn von dessen Maßnahmen lässt sich dabei leicht hinterfragen und das Häkeln als Methode Alpha schlägt ja auch nicht so richtig an. Aber immerhin mit seinem zweiten Tipp, den er aber nur Donalds Neffen mitteilt, scheint der Psychoanalytiker schlussendlich ja richtig zu liegen. Aber was ist noch schlimmer, als von Aliens gefressen und von Wölfen verfolgt zu werden? Richtig, eigentlich nur die absolute Schande, sich auf ewig lächerlich zu machen, indem der Entenhausener Damenklub unter der Führung von Daisy Donalds Häkeltätigkeiten publik macht. Als Donalds Verlobte dann mit Verstärkung bei diesem anrückt, bleibt schließlich nur noch die schnelle Flucht. Und schließlich beginnt der eigentliche Alptraum – eine Horrorgeschichte, viel grausamer als die Erlebnisse in Donalds Träumen. Von Suchtrupps des Damenklubs gehetzt, begibt Donald sich nämlich in die gleichen Gefahren, die ihm zuvor seinen Schlaf geraubt haben. Er stürzt sich von einer Klippe, kämpft mit Haien und springt letztlich in einen Löwenkäfig.

Der Originaltitel der Geschichte "Worst Nightmare" bezieht sich letztlich auf die letzten drei Seiten der Geschichte, in denen Donald mit all seinen Ängsten und zuvor erlebten Alpträumen konfrontiert wird, die sich aber nun als einzige Alternative zu einem Vortrag über das Häkeln von Zierdecken im Damenklub darstellen.

Es ist erstaunlich, welche Energie, Mut und Kraft Donald aus dieser Bedrohung heraus entwickelt. Am Ende ist Donald schließlich geheilt und schläft tagelang im frauensicheren Löwenkäfig. Die Rolle, die die Frauenwelt Entenhausens in dieser Geschichte einnimmt, ist dabei nicht unüblich für Carl Barks. Zu "Hyänen" werden Daisy und andere weibliche Figuren bei ihm gerne mal, und dies ist bei weitem nicht die einzige Geschichte, in denen diese nicht besonders gut wegkommen. So schlimm wie hier wird Donald von diesen aber selten drangsaliert, ist es doch offenbar ihr fester Wille, Donalds Ansehen dauerhaft zu schädigen ("Ein häkelnder Mann? Irgendwie rührend!"). Der Humor der Geschichte ergibt sich dabei in erster Linie aus den abwegigen Heilungsmethoden des Arztes und schließlich der absurden Gegenüberstellung der Verfolgungsjagd mit all den schauerhaften Alpträumen Donalds. Das macht diesen Comic vielleicht nicht zu einem der besten, aber auf jeden Fall zu einem unheimlich unterhaltsamen, da ungewöhnlichen Zehnseiter von Carl Barks, der im Übrigen auch zeichnerisch einiges hermacht. Barks expressiver Stil macht Donalds Qualen mit einer Vielzahl an Ausdrücken sehr lebendig.

Mal panisch-ängstlich, mal übermüdet-erschöpft, dann wieder mutig-entschlossen und zu allem bereit – Donalds Verfassung ist jedes Mal grandios in Szene gesetzt und lässt den Leser vor allem in den Alptraumsequenzen, die ohne eine besondere visuelle Kennzeichnung wie beispielsweise umkringelten Bildkästchen oder Ähnlichem auskommen, mit ihm leiden. Aber – wer hätte das gedacht – für Donald geht die Geschichte gut aus. Lässt sich nur hoffen, dass er nun nicht regelmäßig von Kaffeekränzchen und Tischdeckchen träumt und wiederum panisch kreischend aus dem Schlaf erwacht...


Von FAB







Zuletzt aktualisiert: 09.12.2018, 18:56
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