Hallo, Gast!
Registrieren

Rezension: LTB 502 - Gefahr auf hoher See



Gefahr auf hoher See (Alessandro Sisti - Marco Mazzarello; 117 S.)

Als Superheld hat es Phantomias nicht leicht: Nacht ein, Nacht aus kämpft er im sonst so friedlichen Entenhausen gegen Gauner, Gangster und Ganoven. Normalerweise behält er dabei stets die Oberhand, was nicht zuletzt an seiner genialen Hightech-Ausrüstung liegt. Als die Kleinkriminellen immer mehr selbst mit allerlei technischen Raffinessen ausgestattet sind, muss Phantomias Kopf und Können unter Beweis stellen. Er geht dem Ursprung der Ultrawaffen auf den Grund. Das Rätsel führt ihn auf hohe See, wo die Gefahr spürbar lauert...

So oder so ähnlich beginnt das 117 Seiten füllende Abenteuer von Phantomias, der auf dem offenen Meer so einiges erlebt – so viel, dass es den Rahmen dieser kurzen Inhaltsangabe sprengen würde. Mit den Auswirkungen der Zeitanomalie hätte man eine eigene Geschichte füllen können, hier ist diese nur etwas Beiwerk im Kampf gegen den bösen Erfinder Hugo Habicht. Der ist schon seit über 60 Jahren das böse Gegenstück zu Daniel Düsentrieb, jedoch bei weitem nicht so von Genie und Geschick gesegnet wie der sympathische Ingenieur aus Entenhausen. Es ist toll, den modernen Hugo Habicht gegen Phantomias antreten zu lassen. Die riesigen Helferlein, die an der Seite von Habicht stehen, wirken richtig bedrohlich; aber auch ihnen fehlt es an der Raffinesse des kleineren Originals.
Die vielen eingebrachten Ideen von Autor Alessandro Sisti sind super und die Grundlage für zahlreiche lustige Stellen und Situationskomik. Das liegt vor allem an den historischen Personen wie den Wikingern, aber auch das Wiedersehen mit dem ersten Phantomias (Anspielung auf "Die Legende des ersten Phantomias - Teil 3: Phantomias an Bord" aus LTB 455) ist gelungen. Den besonderen Charme macht für mich der Wortwitz der Geschichte aus, da Phantomias immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat und sich nicht vor ironischen Kontern scheut.
Zeichnerisch setzt Mazzarello den Superhelden gekonnt in Szene, frisch und dynamisch mit schneller Linienführung. Er schafft es, den verschiedenen Handlungsorten auch verschiedene Atmosphären zu geben. Die Figuren glänzen durch Individualität.
Leider fehlt dem vierteiligen Werk etwas der rote Faden, wirklich erst zum Ende erschließt sich dem Leser die Gesamthandlung, wo der eine oder andere manchen Twist schon wieder vergessen hat. Es würde "Gefahr auf hoher See" nicht gerecht werden, den Plot als "langatmig" zu bezeichnen. Dennoch vermisste ich ab und zu etwas mehr Spannung und aktives Handeln von Phantomias, der hier von Sisti durch die Handlungsabschnitte geschubst wird, ohne dass er einen eigenen Rettungsplan entwickeln kann.

Nichtsdestotrotz überzeugt "Gefahr auf hoher See" und bietet gelungenes Unterhaltungspotenzial für die Fans des wortgewandten Phantomias.



Zuletzt aktualisiert: 17.01.2018, 11:11