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Rezension: LTB 495 - Ich packe meinen Koffer...



Die Insel Niemalsnie (Casty; 70 S.)

Erinnerungswürdigkeitspotenzial hat auf jeden Fall die erste Geschichte, immerhin umfasst sie 70 Seiten und stammt von Casty, dem derzeit wohl beliebtesten Autorenzeichner von Disney-Comics. Er beschreibt, wie Micky, Minnie, Goofy, Pluto, Karlo, Trudi sowie ein Schnösel namens Herr Baron auf einer einsamen Insel stranden. Dort stellen sie fest, dass sie nicht alleine sind...

Zuerst einmal: Ehrlich gesagt habe ich die Serie "Lost" nie gesehen und kann daher nicht sagen, welche Ähnlichkeiten dazu bestehen. Ich mag aber diese Grundkonstellation, wenn verschiedene Figuren auf begrenztem Raum miteinander auskommen müssen, weshalb ich insbesondere die ersten 20 Seiten dieser Geschichte für sehr gelungen halte. Und wenn es darum geht, eine mysteriöse Stimmung aufzubauen, steht Casty seinem Vorbild Romano Scarpa in nicht viel nach. Ihm gelingt es wieder einmal, eine spannende und trotzdem humorvolle ("Und wir haben keine Nüsse mehr") Geschichte auf lockere Art und Weise zu erzählen. Auf der Insel bilden die Figuren dann Kleingruppen, wobei es teilweise ein bisschen unübersichtlich bleibt, wer nun an welcher Stelle ist, aber das gehört wohl zum Konzept dazu.
Der zweite Teil hat mich dann allerdings nicht mehr so überzeugt wie der erste. Vielleicht will die Geschichte hier ein bisschen zu viel, jedenfalls wäre das Auftauchen der Zukunftswesen (die auch ein langweiliges Charakterdesign haben, aber auch das mag Absicht sein) nicht unbedingt notwendig gewesen. Oder es hätte sogar noch mehr Platz benötigt, um diesen neuen Kniff auf angemessene Weise auszuerzählen.
Der Herr Baron stellt zwar einen mäßig interessanten Stereotyp dar, immerhin sorgt er aber dafür, dass Karlo in dieser Geschichte eine etwa andere und für mich durchaus gelungene Rolle zukommt – vielleicht hätte man diesen Aspekt sogar noch stärker herausarbeiten können.

Auch wenn ich hier wohl eher eine unpopuläre Meinung vertrete, ist es tatsächlich so, dass mir viele von Castys kürzeren Geschichten oft besser gefallen als seine längeren Epen. Aber vielleicht bin ich da auch ein bisschen zu anspruchsvoll – ein gelungener Comic ist "Die Insel Niemalsnie" nämlich allemal.



Zuletzt aktualisiert: 21.07.2017, 16:35