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Wappen oder Zahl?

Storycode: W WDC 149-01

Die berühmten einfachen Lösungen...
Originaltitel: Flip Decision
Erstveröffentlichung: Februar 1953
Deutsche Veröffentlichung: MM 02/54, Klassik-Album 17, BL 22, TGDDSH 179, Die frühen Jahre 7, BCS 8, CBC 12, Entenhausen-Edition 22

Von einem obskuren Professor lässt sich Donald für eine Lebensphilosophie begeistert: den Knoblismus! Fortan überlässt Donald alle Entscheidungen dem Zufall, indem er einfach eine Münze wirft. Natürlich will er auch seine Neffen vom Knoblismus überzeugen, eine Spazierfahrt mit dem Auto endet jedoch in einem Desaster...

Was im englischen Original "flipism" heißt, wurde von Dr. Erika Fuchs mit dem schönen Begriff "Knoblismus" ins Deutsche übertragen. Doch egal in welcher Sprache, für den von Natur aus neugierigen Donald hat dieses ihm unbekannte Wort eine solche Anziehungskraft, dass er einem gewissen Professor Poth auf den Leim geht.

Barks charakterisiert den Professor mit ausdrucksstarker Gestik
Dieser benötigt nur eine Seite, um Donald von seiner zweifelhaften Ideologie einzunehmen. Barks hingegen lässt auf dieser Seite überhaupt keinen Zweifel daran, dass der sich als Professor bezeichnende Guru ein ausgemachter Schwachkopf ist. In bester Marktschreier-Manier wird versprochen, dass der Knoblismus alle Probleme löse und das Leben dadurch seine Schrecken verliere. Es ist offensichtlich, dass sich Barks über das beschränkte Weltbild von derartigen Gurus lustig macht... aber auch über die Naivität derer, die sich von ihnen überrumpeln lassen. Donalds Leichtgläubigkeit wird zudem dadurch verstärkt, dass die Thesen des Professors ansonsten nicht unbedingt gefragt sind (siehe obiges Panel).
Und trotzdem kann ich Donalds Begeisterung für den Knoblismus zumindest ein Stück weit nachvollziehen. Denn wer fände es nicht schön, in seinem Leben keine schwierigen Entscheidungen mehr treffen zu müssen? Das hätte doch schon irgendwie etwas für sich. Denn wie zitiert Donald aus Poths Buch: "Durch nichts wird die Freiheit des menschlichen Willens sinnfälliger dokumentiert, als durch die Methoden des Knoblismus."

Skeptische Neffen...
Nur ist es eben eine Freiheit, die durch Abhängigkeit von einem Münzwurf entsteht. Und es ist die Freiheit, nicht selbst denken zu müssen.
Ironischerweise zwingt Donald in den beiden unmittelbar darauffolgenden Panels seine Neffen dazu, ihm bei einem Ausflug zu begleiten, obwohl diese eigentlich viel lieber ins Kino gehen würden. Dazu wird jedoch keine Münze geworfen. Wie so oft übernehmen die Neffen die Rolle der Vernünftigen und stehen Donalds neuer Lebensphilosophie von Anfang an skeptisch gegenüber. Auf der Autofahrt zeigt Barks schließlich in großartiger Manier, wie es um den tatsächlichen praktischen Nutzen des Knoblismus steht. Nämlich eher schlecht. Den Höhepunkt markiert dabei das untenstehende halbseitige Panel mit der Autobahnauffahrt, in das man interpretieren könnte, dass das Leben manchmal zu komplex ist, um mit einer binären Ja/Nein-Entscheidung weiterzukommen. Folgerichtig verursacht Donald vor lauter Knobelei einen Unfall und landet vor einem Richter, der ihn "wegen Benutzung eines Geldstücks anstelle des gesunden Menschenverstands" zu einer saftigen Strafzahlung über 50 Taler verdonnert.


... stehen einem naiven Donald gegenüber.
Den eigenen Verstand benutzen – das könnte man als Aussage der Geschichte festhalten, wenn sie denn an dieser Stelle enden würde. Barks wäre aber nicht Barks, wenn er nicht noch eins draufsetzen würde: Nach der Irrfahrt ist Donald sauer auf Professor Poth und will ihn zur Rede stellen. Weil er ihn zunächst nicht findet, versucht er ihn mithilfe des Knoblismus aufzuspüren. Wie wir im letzten Panel erfahren, wäre ihm das auch beinahe gelungen, nur wegen schlechter Lichtverhältnisse hat er sich in der Tür geirrt. Wäre Donald aber konsequent dem Knoblismus gefolgt, hätte er sein Ziel tatsächlich erreicht. Ist am Knoblismus also doch was dran? Naja, Barks schafft es damit, noch eine weitere Wendung, ein weiteres "Ausgerechnet" zu platzieren und reflektiert damit gewissermaßen sein Spiel mit dem Schicksal. Vielleicht müsste man also die Moral folgendermaßen modifizieren: "Zufälle gibt's, aber man sollte sich nicht nach ihnen richten."

Der Schluss der Geschicht zeigt jedoch, dass bei Donald nicht wirklich ein Lerneffekt eingetreten ist und er immer noch fremdbestimmt wird. Denn statt auf Professor Poth treffen Donald und die Neffen – zufälligerweise – auf Daisy. Nach einer gehörigen Standpauke bestimmt sie schließlich, dass sie alle gemeinsam ins Kino gehen (denn ihre Nichten Dicky, Dacky und Ducky sind auch mit dabei, die hier übrigens zum ersten Mal auftauchen). Statt nun endlich selbst das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, vertraut sich Donald also einer anderen übergeordneten Instanz an: Seiner Verlobten.





von 313er


Zuletzt aktualisiert: 30.11.2016, 18:32
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