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Der reichste Mann der Welt


Ein geschickt stichelnder Donald ...
Storycode: W WDC 138-02
Originaltitel: Statuesque Spendthrifts
Erstveröffentlichung: März 1952
Deutsche Veröffentlichungen: MM 10/52, TGDD 11, Goofy 06/81, Klassik-Album 20, BL 20, BCS 7, MM 38/06, CBC 9, Entenhausen-Edition 20, MM 33/13, Entenhausen – Weltstadt an der Gumpe

Ist Dagobert Duck wirklich der reichste Mann der Welt? In Entenhausen residiert neuerdings jemand, der diesen Titel für sich beansprucht: Der Maharadscha von Zasterabad. Von Donald dazu angestachelt, liefert sich Dagobert einen irrsinnigen Wettkampf mit dem Maharadscha – und zwar darum, wer die größere und prunkvollere Statue von Entenhausens Gründer Emil Erpel bauen kann. Wessen finanzielle Ressourcen sind zuerst erschöpft?

... und ein mäßig sympathischer Maharadscha.

Für meinen Geschmack handelt Dagobert in den heutigen Comics oft zu wohlüberlegt, zu rational. Bei Carl Barks war er keineswegs immer so vernünftig, denn in Konkurrenz zu seiner Gerissenheit trat dann und wann noch eine andere Charaktereigenschaft hervor: Engstirnigkeit. Und hier haben wir ein wunderbares Beispiel dafür, dass manchmal eben doch der Gaul mit ihm durchgeht. Der alberne Wettstreit mit dem Maharadscha von Zasterabad zeigt außerdem, dass sich Donald und Dagobert nicht so unähnlich sind, wie es manchmal den Anschein hat. Werden sie einmal herausgefordert, wollen beide mit allen Mitteln gewinnen, was letztendlich zu blindem Aktionismus führt. Der Unterschied ist nur, dass Dagobert im Gegensatz zu Donald den Spruch "Koste es, was es wolle" wörtlich nehmen kann. Interessant ist dabei aber, dass sich Dagobert schon vorher der Unsinnigkeit seines Handelns bewusst ist: "Verrückte Welt, wo man nicht nach dem beurteilt wird, was man besitzt, sondern was man ausgibt!" Trotzdem kann er sich nicht der Gesellschaft entziehen und fügt sich in diese "verrückte Welt" ein. Dagobert scheint sich eben doch stark über seinen Status als reichster Mann der Welt zu definieren, wie bereits auf der ersten Seite deutlich wird. Und irgendwie ist es ja auch eine zutiefst menschliche Reaktion, sich herausgefordert zu fühlen, wenn man einen wichtigen Teil seiner Persönlichkeit abgesprochen bekommt. So ermöglicht es Barks dem Leser wieder einmal, sich in Dagoberts Lage versetzen zu können – auch ohne ein Multimilliardär zu sein. Ich habe jedenfalls doch eher zu ihm gehalten – und das, obwohl er es ja eigentlich ist, der hier mit falschen Karten spielt (er setzt nämlich Donald als Spitzel ein, um die Pläne des Maharadschas schon im Voraus zu erfahren).
Immerhin spielt er aber mit offenen Karten. Während man bei Dagobert von Anfang weiß, dass er nicht aus einer wohltätigen Haltung heraus agiert, legt der hochnäsige Maharadscha schon eher eine Doppelmoral an den Tag. Er ist ja schließlich auch derjenige, der damit anfängt, seinen Prunk vorzuzeigen. Trotzdem eint beide, dass es ihnen nicht darum geht, etwas Gutes zu tun, weil es gut ist, sondern weil es dem eigenen Standing bzw. dem Selbstwertgefühl dient. Zu diesem "kapitalistischen Schwanzvergleich" passt auch die Beschriftung der Statuen:


Wer baut die Größte?


Auch der Bürgermeister Entenhausens fügt sich passend in die Geschichte ein, er zeigt sich in erster Linie am dicken Geldbeutel des Gastes aus Zasterabad interessiert.
Der Name von Emil Erpel ist kleiner geschrieben als die der Stifter. Und sowieso erfährt man in der Geschichte überhaupt nichts über den Gründervater Entenhausens. Da ist es nur konsequent, dass die letzte Runde mit Selbstbildnissen ausgefochten wird.
Erst danach, auf der letzten Seite, begegnen sich die beiden Kontrahenten erstmals persönlich, offenbar wollte keiner der beiden zuvor in den Dialog mit dem anderen treten. Zudem besucht der Maharadscha Dagobert nur deshalb, um zu sehen, ob dieser wenigstens auch Pleite gegangen ist. Dass ihm der leere Panzerschrank zunächst Trost spendet, zeigt, wie destruktiv das Denken des Maharadschas (bzw. des Menschen) ist. Die wunderbare Schluss-Pointe bringt dann nochmals Dagoberts Unvernunft sehr schön auf den Punkt. "Der reichste Mann der Welt" ist nicht nur ein herrlich abstruser Spaß, sondern wieder einmal einer dieser Barks-Zehnseiter, in dem Entenhausen – leider – ein Spiegel unserer Gesellschaft ist und auch nach über 60 Jahren nicht an Aktualität verloren hat.

Die Idee des Wettstreits um den Status als reichster Mann der Welt muss Barks übrigens gefallen haben, immerhin erschien gut vier Jahre später "Der zweitreichste Mann der Welt", wo sich Dagobert mit einem gewissen Mac Moneysac misst. In diesem Kampf geht es nicht nur deutlich enger zur Sache, Dagobert bekommt es auch mit einem gefährlicheren Gegner zu tun.



von 313er


Zuletzt aktualisiert: 23.12.2016, 21:25
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