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Der Schnee-Einsiedel


Storycode: W WDC 137-02
Originaltitel: The Screaming Cowboy
Erstveröffentlichung: Februar 1952
Deutsche Veröffentlichungen: MM 07/52, TGDDSH 10, Goofy 01/81, TGDDSH 122, BL 20, Die frühen Jahre 2, BCS 7, CBC 9, Entenhausen-Edition 20

Endlich erfolgreich: Donald hat einen seiner selbst komponierten Schlager für viel Geld verkauft. Zur Feier des Tages beschließt er, zusammen mit den Neffen ins Gebirge zu fahren, genauer gesagt nach Oberlawinenbrunn. Daran, dass das kleine Örtchen seinem Namen alle Ehre macht, ist Donald nicht ganz unschuldig...


1952 war ein tolles Jahr. Mit "Der reichste Mann der Welt" und "Die Kunst, Geld auszugeben" wurden zwei weitere Barks-Geschichten veröffentlicht, die ich in meine Top 13 aufgenommen habe und "Die Intelligenzstrahlen", "Das Hypnotisier-Spiel" und "Rührei" kamen zumindest ernsthaft dafür in Frage. Vielleicht ist "Der Schnee-Einsiedel" gar nicht mal die lustigste davon, einige andere Geschichten, die im Ranking niedriger platziert oder überhaupt nicht vertreten sind, weisen möglicherweise eine höhere Gagdichte auf. Kaum eine andere hat aber einen so hohen Kultfaktor, und das liegt natürlich vor allem an Donalds Schlager, dem "Screaming Cowboy", wie er im Original heißt: "Oh, bury me thar / With my battered git-tar / A- screamin' my heart out fer yew" – Erika Fuchs machte im Deutschen daraus den "Rührseligen Cowboy", dessen Lyrics man im nebenstehenden Bild bewundern kann. Es gehört zu meinen absoluten Lieblingspanels von Barks. Vielleicht auch aufgrund von dessen Schlichtheit, denn interessanterweise verzichtet er hier darauf, die Qualität des Gesangs mittels comicspezifischer Mittel zu markieren (etwa mit schiefen Noten oder einer unförmigen Sprechblase). Stattdessen wird die Bewertung allein dem ausdrucksstarken wie abwechslungsreichen Mienenspiel der Neffen überlassen. Im Kontrast dazu steht ein hingebungsvoll schluchzender Donald. Herrlich. Andererseits wirkt sein Gesang aber angesichts dessen, dass er schon im nächsten Panel wieder ebenso gut drauf ist wie zuvor, irgendwie auch automatenhaft.

Wahrscheinlich bin ich nicht der einzige, der sich beim Lesen eine zumindest grobe Vorstellung gemacht hat, wie das Lied denn klingen könnte. Erst später habe ich erfahren, dass es tatsächlich in einer vertonten Form vorliegt, denn die Donaldisten haben den "Rührseligen Cowboy" zu ihrer Hymne erkoren. Wer ihn also nachspielen möchte, findet die Noten an dieser Stelle – wer aber ähnlich unmusikalisch ist wie ich, kann sich hier eine gesungene Version anhören. Ich stelle mir das Lied in meiner Fantasie zwar irgendwie anders vor, aber auch diese Interpretation klingt ziemlich... sagen wir mal: anstrengend.

Und das ist das richtige Stichwort: Das Klischee über Donald Duck besagt ja, dass er ein Faulenzer ist, der eigentlich immer nur in seiner Hängematte liegen möchte, leider aber von irgendwas oder -wem in seiner Ruhe gestört wird. Diesmal ist er es aber selbst, der seinem Umfeld – und dem Leser – in liebenswerter Weise auf die Nerven geht. – Aber warum eigentlich in liebenswerter Weise? Schließlich ist es ja nicht unbedingt die allersympathischste Eigenschaft, sein eigenes Lied ständig anhören zu wollen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Geschichten ist Donald nicht wirklich daran interessiert ist, sein angebliches Talent unter Beweis zu stellen (siehe etwa "Wege zum Ruhm" mit ähnlicher Thematik), sondern schmachtet einfach in Selbstverliebtheit. Seinem Selbstvertrauen ist natürlich aber zuträglich, dass er bereits am Anfang der Geschichte (erfolg)reich ist. Insofern könnte man "Der Schnee-Einsiedel" als eine Art umgekehrte Meister-seines-Fachs-Geschichte bezeichnen, denn Donald beherrscht seine Sache von Beginn an nicht, hat damit aber trotzdem Erfolg. Aber nun zurück zur Frage: Warum ist Donald in dieser Geschichte dennoch Sympathieträger? Tja, vielleicht hat es damit zu tun, dass es irgendwie auch imponierend ist, wie jegliche Kritik an ihm abperlt. Trotz des ziemlich verheerenden Feedbacks, das ihm sowohl von seinen Mitmenschen als auch von der Natur gegeben wird, steht er zu seiner Überzeugung. Wir sehen in dieser Geschichte einen erstaunlich ausgeglichenen Donald, der sich nicht von anderen dreinreden oder aus der Ruhe bringen lässt.


Ausgerechnet...

Aber Moment, was ist nun eigentlich mit dem kleinen Örtchen Oberlawinenbrunn, das am Ende völlig vom Schnee überlagert wird? Dafür interessiert sich irgendwie niemand. Und welche Rolle spielt der im Deutschen sogar titelgebende Schnee-Einsiedel? Eigentlich keine, der kommt sowieso relativ stereotyp rüber. Mit Blick auf das absurde Ende der Geschichte passt diese Bezeichnung aber auch ganz wunderbar zu Donald.




von 313er


Zuletzt aktualisiert: 25.01.2017, 16:15
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