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Blubberlutsch




Storycode: W WDC 282-01
Originaltitel: Bubbleweight Champ
Erstveröffentlichung: März 1964
Deutsche Veröffentlichungen: MM 25/65, TGDDSH 59, Klassik-Album 52, BL 49, BCS 17, CBC 25

Das Entenhausener Fähnlein Fieselschweif misst sich in einem Wettkampf mit den Gänseburger Pfadfindern. Dummerweise steht es aber auch nach zahllosen Disziplinen immer noch unentschieden. Um die endgültige Entscheidung herbeizuführen, sollen die jeweiligen Trainer in einem Boxkampf gegeneinander antreten. Wie Tick, Trick und Track feststellen, ist der eigentliche Ausbilder erkrankt... die wenig überraschende Wendung: Ihr Onkel Donald muss einspringen. Der befindet sich aber angesichts seines immensen Blubberlutsch-Konsums in einem körperlich mehr als zweifelhaften Zustand. Die Neffen versuchen Donald aufzupäppeln, doch das Verlangen nach dem Lieblingsgetränk ist zu stark. Wie soll es ihm bei der dieser Ausgangslage gelingen, den Kampf am Ende doch noch für sich zu entscheiden?


Eine oft hervorgehobene Eigenschaft von Donald ist seine Faulheit. Damit wird man allerdings vielen von Barks' Zehnseitern nicht gerecht, weil Donald gar nicht mal so selten eine aktive Rolle einnimmt und unermüdlich nach persönlichem Erfolg strebt. In dieser Geschichte jedoch kommt die lethargische Seite von Donald so stark zum Tragen wie in wohl kaum einer anderen. Gut, ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung ist immer noch vorhanden, dennoch muss er etwas tun, wovon er selbst nicht überzeugt ist. Und ironischerweise führt genau das letztendlich völlig unverdient zu jenem Erfolg, der ihm sonst so häufig versagt bleibt. Das Besondere an der Geschichte ist jedoch, dass Donalds Trägheit mit dem Konsum des titelgebenden Getränks verbunden bzw. begründet wird – im Original heißt es "Gurgleurp", im Deutschen hat Erika Fuchs hierfür das schöne Wort "Blubberlutsch" gefunden. Bereits in der Geschichte "Das Maitänzchen" erwähnt, wurde es später auch von anderen Autoren bzw. Übersetzern aufgegriffen. So richtig im Zentrum der Handlung steht Blubberlutsch aber meines Wissens (man möge mich korrigieren, wenn ich falsch liege) in nur einer weiteren Geschichte:

In "Verrückt nach Blubberlutsch", erstmals erschienen in MM 35/1986 und nachgedruckt unter anderem in der Hall of Fame 10, ist Daisy entsetzt über Donalds hemmungslosen Konsum des Getränks und zwingt ihn zum Sport. Eine gelungene Fortsetzung des Autorenduos Philippe Le Bars und Jack Sutter, vor allem aber des fantastischen Zeichners Daniel Branca. Aber zurück zum Original: Angesichts dessen, dass Blubberlutsch zu starken körperlichen Beeinträchtigungen führt und offenbar auch die Sinne benebelt, wurden schon Diskussionen darüber geführt, ob das Getränk nicht alkoholhaltig sein könnte. Dagegen spricht aber, dass auch Tick, Trick und Track am Ende von Barks' Geschichte selbst Blubberlutsch schlürfen – im Beisein von Donald. Wenn anfangs die Rede davon ist, dass sich Donald hat "volllaufen lassen", werden aber zumindest Assoziationen in diese Richtung geweckt. Unabhängig davon steht fest, dass hier in dieser Geschichte die Maßlosigkeit zum Thema hat. Jedoch nicht nur in Bezug auf Donald, sondern auch auf seinen Kontrahenten im Box-Ring.
Humor funktioniert bekanntlich häufig über Gegensätze. Hier ist es nicht der Kontrast zwischen Glück und Pech wie in den Wettkämpfen mit Gustav, sondern der zwischen Stärke und Schwäche.

Peter Panzer ist ein zwar kleiner, aber durchtrainierter Athlet, der nicht nur Bäume ausreißen kann, sondern sich auch gleich von ihren Wurzeln ernährt. Das erscheint dem Leser genauso überzogen wie Donalds unbändiges Verlangen nach Blubberlutsch. Der schlappe Donald, der auf einer Bahre in den Ring getragen werden muss, gegen den scheinbar übermächtigen Gegner – es ist das bekannte David-gegen-Goliath-Motiv, das nicht ungern auf den Boxsport angewandt wird (in Disney-Comics übrigens erstmals 1931 mit dem Zeitungsstrip "Micky als Boxer"). Donald gewinnt jedoch nicht durch eine herausragende eigene Leistung, sondern der Sieg resultiert allein aus der Tatsache, dass die Stärke des Gegners zu seiner Schwäche mutiert. So wird aus David gegen Goliath kurzerhand Not gegen Elend. Auch dadurch arbeitet Barks die beiderseitige Maßlosigkeit – die Trägheit bzw. Sucht Donalds auf der einen, der übertriebene Fitnessfimmel seines Gegners auf der anderen Seite – sehr schön heraus. Und nebenbei bemerkt bringt er diese finale Szene, wenn Donald zu seinem berüchtigten geschürzten Schwinger ansetzt (auch eine schöne Begriffsschöpfung von Fuchs) fantastisch zu Papier.
Maßlos enttäuscht sind die Neffen, wenn einer von ihnen am Ende konstatiert: "Es gibt Siege, über die kann man nicht froh werden" – Sehr wohl froh werden kann man jedoch über diese Geschichte!







von 313er


Zuletzt aktualisiert: 10.12.2017, 20:28
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