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Der Selbstschuss




Storycode: W WDC 134-02
Originaltitel: Terror of the Beagle Boys
Erstveröffentlichung: November 1951
Deutsche Veröffentlichungen: MM 06/52, TGDDSH 10, Goofy 12/1980, Klassik-Album 16, MM 27/94, BL 19, Micky Maus – Die frühen Jahre 2, 50 Jahre Panzerknacker, BCS 7, CBC 9, Onkel Dagobert – Milliardenraub in Entenhausen: Taler in Gefahr, Entenhausen-Edition 19

Mal wieder 30 Kreuzer pro Stunde: Donald muss sich im Auftrag von Onkel Dagobert auf möglichst dramatische Weise Sorgen machen. Bis er sich die berechtigte Frage stellt: Um welche Sache überhaupt? Nach einigem Nachdenken fällt Dagobert wieder ein, dass sein Vermögen durch eine berüchtigte Verbrecherbande, die sogenannten Panzerknacker, bedroht wird. Das führt schließlich auch dazu, dass beide zusammen die ganze Nacht über Wache schieben müssen und sich dabei gerade noch so gegenseitig wach halten können.

Doch dann kommt Donald auf die glorreiche Idee, einen Selbstschuss zu errichten...

Die verschiedenen Titel dieser Geschichte akzentuieren jeweils andere Aspekte: Im amerikanischen Original lautet er "Terror of the Beagle Boys" – ziemlich allgemein gehalten also, verständlich aber vor dem Hintergrund, dass die Beagle Boys, die Panzerknacker, hier zum allerersten Mal auftauchen. Allein schon in dieser Hinsicht handelt es sich also um einen bedeutenden Zehnseiter. Zuvor hatten sich noch alle neu erfundenen, regelmäßig auftauchenden Figuren des Duck-Universums um Donald geschart, nun kamen jedoch erstmals Akteure hinzu, die in direkter Verbindung mit Dagobert stehen. Passend zu dieser Veränderung im Figureninventar handelt es sich auch um den ersten Zehnseiter von Barks, in dem die Neffen nicht mit von der Partie sind.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Panzerknacker lediglich im letzten Panel zu sehen sind, in dem sie Dagoberts Geld wegschaufeln

(die Verfolgung von Donald hat offenbar für Dagobert in diesem Moment größere Priorität). Ihnen kommt im Verlauf der Handlung also eher die Funktion einer geheimnisvollen Bedrohung zu, so richtig in Szene setzte Barks die Schurken erst im Folgemonat mit "Eingefrorenes Geld" sowie natürlich noch ein paar Monate später mit "Der arme reiche Mann".

Für die deutsche Erstveröffentlichung in Micky Maus 6/1952 wurde ein anderer, aber ebenfalls eher allgemeiner Titel gewählt: "Donald Duck und sein reicher Onkel in Amerika" – Hier wiederum muss man bedenken, dass diese Geschichte nach "Geld fällt vom Himmel" erst die zweite mit Dagobert war, die in Deutschland erschienen ist. Es ging also vornehmlich darum, das Publikum überhaupt erst einmal mit Dagobert vertraut zu machen. Dafür eignet sich diese Geschichte deshalb so gut, weil sie eine meines Erachtens häufig unterschätzte Charaktereigenschaft des reichsten Manns der Welt sehr schön illustriert: Seine Angst. Dieser Wesenszug steht in Kontrast zu unserem Bild des abenteuerlustigen Dagoberts.

Hier geht es aber nicht um die Vermehrung, sondern um die Verteidigung seines Vermögens. Denn im Gegensatz zu Donald hat Dagobert tatsächlich etwas zu verlieren. Und genau diese Verlustangst wird in "Der Selbstschuss" – so heißt die Geschichte nämlich in den meisten späteren Veröffentlichungen – sehr schön herausgearbeitet. Aber irgendwie auch ironisch gebrochen, denn immerhin muss sich Donald auf künstliche Weise um Dagoberts Vermögen sorgen. Allein schon diese anfängliche Szene, in der uns die beiden gewissermaßen ein Theaterspiel vorführen, finde ich großartig und kommt gerade in der deutschen Fassung durch Fuchs' Wortwahl sehr schön rüber. Aber auch Barks selbst muss seine Idee nicht so übel gefunden haben, denn er hat sie später noch einmal wiederverwertet hat, nämlich für den Beginn der Geschichte "Das große Tauschgeschäft".
Außerdem erzählt "Der Selbstschuss" von dem ersten Versuch, Dagoberts Sorgen mithilfe eines technischen Kniffs loszuwerden. Das nebenstehende Bild, in dem Donald die entscheidende Idee mit dem Selbstschuss kommt, er aber andererseits vor Müdigkeit kaum seine Augen offen halten kann, zählt zu meinen Lieblingspanels von Barks

(und bereits bei Platz 4 habe ich ja meine Vorliebe für den schlappen Donald kundgetan). Eine selbstschießende Kanone – das mag zwar keine besonders kreative Erfindung sein (tja, Daniel Düsentrieb war zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht erfunden), aber wie in vielen späteren Geschichten liegt dem letztendlichen Scheitern kein technisches, sondern ein menschliches Versagen zugrunde. Gerade mit der abschließenden Szene wird sehr schön illustriert, wie man sich manchmal mit einer gut gemeinten Sache am Ende doch nur selbst Steine in den Weg legt – bzw. in diesem Fall eine Kanonenkugel in die Geldspeicherwand. Einer absurden Geschichte wie dieser steht schließlich auch ein angemessen absurdes Finale zu. Wie die Kanonenkugel auf die Matratzen prallt und sich anschließend wieder auf den Rückweg macht und so zu einem wahrhaftigen Selbstschuss wird, ist physikalisch zweifelhaft, aber umso lustiger.



von 313er


Zuletzt aktualisiert: 17.12.2017, 21:26
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