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Der erste Frühlingstag


Storycode: W WDC 223-01
Originaltitel: Spring Fever
Datum der Erstveröffentlichung: April 1959
Deutsche Veröffentlichungen: MM 19/61, TGDD 30, Klassik-Album 15, BL 37, BCS 13, MM 13/06, CBC 18, Die Ducks von Sinnen, MM 16/13, Entenhausen-Edition 37

Nach einem langen Winter ist endlich der erste Frühlingstag gekommen. Tick, Trick und Track freuen sich wie Bolle und wollen ihre selbstgemachten Drachen steigen lassen. Donald indes will zum Angeln gehen und zerstört in seinem Tatendrang einen Drachen nach dem anderen. Doch auch Donald selbst bekommt Probleme, denn er hat seinen Angelschein daheim liegen gelassen und bekommt es infolgedessen mit einem hartnäckigen Flurwächter zu tun. Um den Fisch, den er gefangen hat, zu verstecken, bindet er diesen an einen der Drachen seiner Neffen fest...


RIP! – das soll in diesem Fall nicht "Rest in peace" heißen, sondern stellt das Soundwort dar, wenn Donald durch die mühsam gebastelten Drachen seiner Neffen läuft. In manchen Veröffentlichungen hat Frau Fuchs jedoch das "RIP!" zum ebenfalls passenden "RATSCH!" eingedeutscht. Jedenfalls ist die Anfangsszene von "Der erste Frühlingstag" eine solche, die mir auch nach mehrmaligem Lesen immer wieder mindestens ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Es ist eine der großen Stärken von Barks, solche Slapstick-Szenen mit wenigen Panels so dynamisch darzustellen, dass sie vor dem geistigen Auge des Lesers wie ein Film ablaufen. Was die hektischen Richtungswechsel von Donald angeht, hat sich Barks möglicherweise von einem seiner früheren Werke inspirieren lassen: In "Donald bei der Feuerwehr" vollführt Donald mehrere Wendungen an seiner Türschwelle, weil er Teile seiner Feuerwehr-Ausrüstung vergessen hat. Die Szene in "Der erste Frühlingstag" ist aber meiner Meinung nach noch eine Spur brillanter, weil sich Barks hier einige pfiffige Methoden hat einfallen lassen, wie er Donald die Drachen der Neffen zerstören lassen kann.


Generell kann man sagen, dass hier eines der Trickfilm-artigeren Werke von Barks vorliegt. Das belegt auch die Szene, in der Donald plötzlich verschwindet, als er den Hut des Flurwächters entdeckt und dabei offenbar sogar übers Wasser laufen kann. Und auch die Neffen bewegen sich am Ende so schnell, dass Barks sie nur noch schemenhaft mit horizontalen Strichen und dem dazugehörigen Soundwort "ZIP!" gezeichnet hat (im Deutschen ebenfalls passend: "HUSCH!"). Solche übernatürlichen Darstellungsmittel werden von Barks stets sparsam und gekonnt an den genau passenden Stellen eingesetzt – das ist hier definitiv gegeben, denn es handelt sich um eine hektische und für alle Protagonisten ziemlich anstrengende Geschichte.

Ach ja, die Figuren: Donald und die Neffen kämpfen hier nicht gegeneinander, im Gegensatz zu dem thematisch ähnlichen Frühwerk "Freuden des Drachensteigenlassens" ist "Der erste Frühlingstag" also keine typische Donald-vs.-Neffen-Story. Vielmehr sind beide Parteien Opfer von unglücklichen Umständen, wenngleich sich Donald natürlich reichlich ungeschickt anstellt.

Nur der Vogel hat am Ende gute Laune
Trotz der Zerstörung ihrer Drachen verhalten sich die Neffen solidarisch mit Donald, was sie in dieser Geschichte besonders sympathisch macht. Am Ende der Verfolgungsjagd hat man sogar ein bisschen Mitleid mit dem Flurwächter, der ja eigentlich auch nur (wenn auch besonders sorgfältig) seinen Job erledigen wollte. Daher kann man irgendwie keiner Figur so richtig böse sein.

Und das Mitleid mit den Ducks verringert sich angesichts des deprimierenden Endes nicht wirklich: Leidgeplagt von dem stressigen Tag liegen sie im Bett und wünschen sich... den ersten Wintertag herbei! Ein ebenso logisches wie typisches Ende für Barks, das man (oder ich zumindest) trotzdem nicht so leicht vorhersehen konnte. Eine zehnseitige Desillusionierung.


von 313er


Zuletzt aktualisiert: 05.11.2016, 19:55
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