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50 Jahre Lustiges Taschenbuch






Im Oktober wird das Lustige Taschenbuch 50 Jahre alt... tja, und dann erscheint am 7. November auch noch die 500. Ausgabe. Dieses Doppel-Jubiläum wollen wir natürlich auch auf unserer Seite gebührend feiern. Auf diesen Seiten findet ihr alle bisherigen Artikel, Statistiken und Projekte zum Jubiläum.

LTB 96 - Donald bleibt auf Kurs

Von Tristan (21); im Forum angemeldet als FAB



Ich musste nicht lange überlegen, welches Lustige Taschenbuch mein persönlicher Kultband sein würde, den ich für diese Reihe genauer vorstellen möchte. Meine Entscheidung fiel sofort auf Ausgabe 96 "Donald auf großer Fahrt", beziehungsweise "Ungeahnte Talente", wie das Buch in der von mir gelesenen Neuauflage heißt. Dieses LTB stellt nicht meinen ersten Kontakt mit Donald Duck-Comics dar, auch ist es nicht mein erstes LTB überhaupt. Ebenso ist es bestimmt nicht das beste LTB in meiner Sammlung. Aber es gehörte zu einer Reihe von Lustigen Taschenbüchern, die ich mir zulegte, als ich mit rund elf Jahren gerade damit begann, mir eine kleine Sammlung an Donald-Comics aufzubauen und noch besonders viel Spaß mit allen darin enthaltenden Geschichten hatte, ohne diese im Voraus in irgendeiner Weise nach Zeichnern oder Alter klassifizieren zu können und ohne sie nach dem Lesen kritisch mir anderen Geschichten vergleichen zu wollen. Und gerade mit diesem Band verbinde ich ein schönes Urlaubs-Leseerlebnis, weshalb die darin enthaltenden Geschichten meine ganz persönlichen Kult-Storys sind, auch wenn einige der Comics objektiv betrachtet vielleicht nichts so besonderes sein mögen...

Das LTB 96 enthält stolze 13 Geschichten und gehört damit zu einer ganzen Reihe an Ausgaben der damaligen Zeit, die eher mir vielen kurzen, statt wie zuvor noch mir wenigen langen Geschichten gefüllt waren. Tatsächlich erstrecken sich die längsten Geschichten in diesem LTB über gerade einmal 30 Seiten, einige kurze sind nur ein- oder zweiseitige Gags von Al Taliaferro.

Die Geschichten selber drehen sich fast ausschließlich um Aufträge, die Donald für seinen Onkel Dagobert zu erledigen hat und führen die Ducks wieder einmal an die ungewöhnlichsten Orte und in die verrücktesten Situationen. Wie schildert uns Donald es zu Beginn im Inhaltsverzeichnis: "Onkel Dagobert sorgt dafür, dass es nie langweilig wird. Denn wie er es versteht, einen als Arbeitssklaven, als Köder für Verbrecherbanden oder sogar für einen Versicherungsbetrug auszunutzen, ist ja bekannt."


Donald wird also wieder einmal mehrfach von Dagobert an der Nase herumgeführt und kann letzten Endes keine großen Erfolge einheimsen. Seine kurze Karriere bei der Polizei endet damit, dass er freiwillig kündigt und daraufhin kein neues Jobangebot von seinem Onkel bekommt ("Ungeahnte Talente"), bei einer Flucht vor den Panzerknackern in der Wüste darf Donald völlig unbewusst den Lockvogel spielen ("Der Hinterhalt am Sesselfelsen") und wenn dieser dann mal versucht, sich zu rächen und Dagobert mit einer falschen Schatzkarte reinzulegen, geht auch das natürlich nach hinten los ("Karnevalsscherze"). Man kann also schon mal Mitleid mit dem guten Donald bekommen.

Insbesondere dann, wenn er zu Beginn der letzten längeren Geschichte dieser Ausgabe plötzlich mit ansehen muss, wie Daisy unangekündigt einen fremden Enterich heiratet und der Schock daraufhin so tief sitzt, dass Donald nur noch "weit weg von Daisy" möchte, zur Fremdenlegion geht und sich daraufhin mitten in einer Wüste wiederfindet. Hier erlebt er ein genauso spannendes, wie abstruses Abenteuer, in dem er mit ungewohnter Mut als Legionärsneuling ein Ford gegen Wüstenräuber und schwarze Magie verteidigen muss. Am Ende kehrt Donald als Held zurück nach Entenhausen und erfährt daraufhin von der mächtig stolzen Daisy, dass die angebliche Hochzeit nichts mehr als ein einfaches Fotoshooting für Brautkleider war. Und so sehen wir am Ende des Buches einen freudestrahlenden Donald, der sein Glück kaum fassen kann: "Das macht alle erlittenen Qualen wett!". Ein versöhnlicher Abschluss, bei dem man als Leser sehr froh darüber ist, dass es auch für Donald endlich mal ein echtes Happyend gibt.

Aus meiner heutigen Sicht bietet das LTB ein paar sehr schöne, viele nette, aber auch einige sehr schwache Geschichten. Warum also sind mir alle Comics dieses Bandes noch so sehr im Gedächtnis und warum liegen sie mir so am Herzen?

Letztlich wohl wegen der Nostalgie, wegen den positiven Erinnerungen an ein Lesevergnügen, das am Anfang einer bis heute andauernden Sammelleidenschaft und eines langen Fandaseins stand. Möglicherweise aber auch, weil mich alle Geschichten dieser Ausgabe an eine Zeit erinnern, in der ich noch völlig unkritisch, naiv freudig und ohne etwaige Vorurteile an das Lesen eines LTBs gegangen bin. Aus heutiger Sicht sehe ich das Buch nämlich natürlich etwas anders als damals. Mir fällt die Kürze der enthaltenden Geschichten auf, mir fallen die nicht so recht in dieses Buch passendes Taliaferro-Gags auf, mir fallen die schwächeren Zeichnungen eines Perego auf und ich wundere mich über die Charakterisierungen der Figuren in manchen Storys. Früher dagegen habe ich jede Ausgabe einfach von vorne bis hinten durchgelesen, hatte meinen Spaß und konnte jeder Geschichte etwas abgewinnen, ohne dass ich diese gleich mit den ganz großen Würfen eines Barks, Rosa oder anderen LTB-Highlights vergleichen musste. Und so sehr ich auch die ganz großen Klassiker unter den Disney-Comics zu schätzen weiß, so sehr versuche ich doch weiterhin, auch mit den "einfacheren" Geschichten, die manch einer gerne mal als "Durchschnittsware" abtut, noch möglichst viel Spaß zu haben – so wie ich vor über zehn Jahren beim Lesen dieser Ausgabe großen Spaß hatte.




Zuletzt aktualisiert: 07.10.2017, 18:02
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