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50 Jahre Lustiges Taschenbuch






Im Oktober wird das Lustige Taschenbuch 50 Jahre alt... tja, und dann erscheint am 7. November auch noch die 500. Ausgabe. Dieses Doppel-Jubiläum wollen wir natürlich auch auf unserer Seite gebührend feiern. Auf diesen Seiten findet ihr alle bisherigen Artikel, Statistiken und Projekte zum Jubiläum.

LTB 31 - Unverhofft kommt oft

Von Oliver Ristau; Twitter: @britney_spheres



Bei fünfhundert Lustigen Taschenbüchern fällt die Auswahl einer Lieblingsgeschichte oder gar des liebsten Bandes schwer. Da aber Letzteres gefordert ist, verzichte ich auf Anmerkungen zu LTB 74 und Romano Scarpas darin von ihm mit viel Liebe und Hilfe von Rodolfo Cimino angerichteten Linsen aus Babylonien, hat sich doch bereits Leonardi Gori erschöpfend zu diesem Thema in "Disneys Hall Of Fame 3" ausgelassen.
Ebenso erspare ich mir die Wahl eines weiteren und zumindest formalen Meisterwerkes, nämlich die des in LTB 267 veröffentlichten "Im Strudel der Zeit" von Francesco Artibani und Tito Faraci sowie Corrado Mastantuono. Dazu äußerte ich mich bereits im Jahr 2014 ausgiebig, was man bei Interesse hier nachlesen kann.
Wegfallen muss leider darüber hinaus das sechzehnte LTB, "Donald in 1000 und einer Nacht", womöglich mein zweitliebstes und eines der ersten der Reihe, in dem die sonst strikt getrennt gehaltenen Enten- und Mäuse-Universen vermischt werden. Zudem präsentiert man darin gleich zwei Geschichten, die der geniale Luciano Bottaro visualisierte – selten haben die Panzerknacker dynamischer ausgesehen.
Ohne Scarpa aber geht es nicht. Und so muss LTB 31, betitelt "Unverhofft kommt oft", als Favorit herhalten, zum einen auf Grund von dessen in Kollaboration mit Rodolfo Cimino und Luciano Capitanio verfasster Story "Donald und der Energiekomet". Dazu kommt Guido Martinas und Giulio Chierchinis wirklich merkwürdig anmutende Geschichte von "Der widerspenstigen Neffen Zähmung", welche man in den schrecklichen LTB-Neuauflagen mit ihren gruseligen weil zwischen misslungener Airbrush- und Computergrafikästhetik herum dilettierenden Titelbildern als "Ein Star wird geboren" neu betitelt hat. Streisand ging hier wohl vor Shakespeare, aber ohne die Chefredaktion von Erika Fuchs ist bei Ehapa eben alles möglich.

Zwischen Medienexpertise und Wutbürgertum - Donald am Puls der Zeit
Festgehalten in unvergesslichen Bildern durch von der Anziehungskraft trotzenden befestigten Häusern und aus Treibgut gefertigten Treppen zwischen den von Entenhausen hinweg schwebenden Meteoriten, zeichnet die Geschichte um den Energiekometen Donald gleichzeitig als kritischen Medienkonsumenten sowie als autoritären Erziehungsmaßnahmen zugeneigten Traditionalisten, der die Revolte der aufmüpfigen Jugend mit Gewalt zu bannen weiß – nicht zufällig ist das italienische Veröffentlichungsdatum der Geschichte 1968. Dagegen bezieht das Zähmungsdrama um die von Rockmusik zum Ausbüxen verleiteten Neffen aus selbigem Jahr sein ästhetisches Spannungsfeld durch eine seltsame figurative Diskrepanz zwischen dem Disney-Kosmos und recht real und im proportionalen Missverhältnis dargestellten Menschenwesen, die nebenbei sogar Polizistinnen (!) zu sexualisieren (!!!) weiß, was aber ohne den verderblichen Einfluss satanischer Weisen i.e. Rockmusik niemals möglich wäre. Auch hier erweist sich Donald wieder als gegenüber Neuerungen stets offener Traditionalist, der in Ermangelung des von ihm favorisierten Teppichklopfers zur Maßregelung der Neffen eine elektrisch verstärkte Gitarre als Ersatz akzeptiert; Bob Dylans einstige musikalische Elektrifizierung weht sanft durch diese Panels.
Eine Modernisierung, wie sie in ähnlicher Form bald dem Lustigen Taschenbuch widerfahren sollte: Man verabschiedete sich von der Vorgeschichte und den Einschüben zur Verbindung der einzelnen Geschichten, die damalige Leser alles als eine einzige und fortlaufende Erzählung begreifen ließ. Zudem meine man, das Drucken von jeder zweiten Doppelseite in Schwarz-Weiß abschaffen zu müssen, eine Vorgehensweise, die dem Verlag einst Kosten ersparte und welche doch den Sinn für kreative und eigenständige Farbgebung durch den Leser auf wunderbare Weise angeregt hatte, seufz.
Der Verzicht auf zwei signifikante Stilmittel, die das Lustige Taschenbuch immer zu etwas Besonderem in der damaligen Comiclandschaft machten, beförderte dessen Weg zu einem Sammelsurium beliebiger Geschichten. Aber dies zu beklagen, mag durchaus einer nostalgisch gefärbten Sichtweise geschuldet sein, die ja bekanntlich oftmals ein Schwarz-Weiß-Denken befördern kann.


Nicht Bridge Over Troubled Water, aber so ähnlich


Zuletzt aktualisiert: 07.10.2017, 17:51
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