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Warum Al Taliaferro zu den besten 20 Disney-Künstlern gehört


Üblicherweise kann man bei einem Künstler seine besten, bekanntesten Werke aufzählen, für die er geschätzt und bewundert wird. Nicht so bei Charles Alfred Taliaferro (1905-1969). Als Zeichner der kurzen, abgeschlossenen Zeitungsstrips mit Donald Duck kann man nur schwerlich ein einzelnes seiner Werke herausgreifen. Stattdessen fügt sich ein Puzzle – ein außergewöhnlich großes Puzzle mit über 10.000 kleinen Teilen – zu einem grandiosen Gesamtwerk zusammen.


Bild: Inducks

Im Jahre 1931 fing Al Taliaferro seine Arbeit bei Disney an. Zunächst war er vor allem als Inker für Floyd Gottfredson tätig, bis er 1936/1937 einige Sonntagsseiten mit Donald anfertigte. Schließlich reichte Taliaferro einige in seiner Freizeit angefertigte Strips bei Walt Disney ein, um selbigen davon zu überzeugen, Donalds Beliebtheit mit einer täglichen Reihe Rechnung zu tragen. Mit Erfolg! Fortan schuf Taliaferro (meist in Zusammenarbeit mit Autor Bob Karp) im Laufe von über 30 Jahren mehr als 9000 Donald-Tagestrips (und hinzu kommen noch über 1800 Sonntagsseiten!). Man kann sich vorstellen, dass es nicht unbedingt leicht ist, 30 Jahre lang Tag für Tag einen guten Gag zu Papier zu bringen. Dass nicht alle Strips lustig sind, liegt da in der Natur der Sache. Dabei muss aber auch betont werden, dass es sich bei diesen Gags nicht unbedingt um typische "Schenkelklopfer" handelt. Es ist vielmehr diese Art von Humor, die dem Leser ein seliges Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Und genau dafür hatte Taliaferro ein unglaublich gutes Gespür. Doch noch wichtiger: Auch wenn sich sein Zeichenstil über die Jahre hinweg durchaus stark veränderte, ging ein zentrales Element darin nie verloren: Sympathie. Denn ich denke, der Erfolg der Zeitungsstreifen basiert vor allem auf das Mitgefühl des Publikums mit dem verwegenen, lebhaften, vom Schicksal oft gebeutelten Donald.

Nicht zuletzt hat Taliaferro auch Figuren eingeführt, die heutzutage aus Entenhausen nicht mehr wegzudenken sind. Daisy, Franz Gans, Oma Duck... und natürlich Tick, Trick und Track. Vor allem mit der Erfindung der Neffen legte Taliaferro den Grundstein für Carl Barks, der schließlich in den 40er- und 50er-Jahren das Entenhausen aufbaute, das wir heute kennen. Doch Barks‘ eigenes Schaffen beeinflusste Taliaferro eigentlich nur geringfügig. Zwar tauchte immerhin Dagobert in einigen Donald-Strips auf, andere Charaktere, wie beispielsweise Gustav oder Düsentrieb, blieben bei Taliaferro jedoch immer außen vor. Es waren letztendlich zwei parallel existierende Welten, die aber jede für sich ihren eigenen Reiz hatte.

Leider kam Taliaferro (ähnlich wie Gottfredson) in Deutschland nie die Wertschätzung zuteil, die er eigentlich verdient hätte. Beispielsweise wurde ihm in der Zeichner-Reihe "Hall of Fame" kein Band gewidmet. Und auch in der aktuell laufenden Reihe "Die besten Geschichten" war er bislang noch nicht vertreten – ein Umstand, der sich hoffentlich noch ändert! Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der Taliaferros Werk vor allem über das LTB kennengelernt hat. Denn dort wurden Ende der 90er (zwischen Nr. 230 und 266) in der Mitte der Bände meist 16 Seiten mit Strips von Taliaferro gefüllt. Eine fabelhafte Entscheidung von Ehapa! In den letzten Jahren ist man jedoch wieder zu der stiefmütterlichen Behandlung zurückgekehrt, indem nur noch sehr wenig neues Material abgedruckt wurde.


Bild: Inducks

Al Taliaferro starb am 3. Februar 1969. In einem Kondolenz-Telegramm an seine Frau Lucy bringt es der damalige Gouverneur Kaliforniens auf den Punkt: "The joy he created with Donald Duck will stand as an eternal memorial to his unique ability to make the world laugh." – Ronald Reagan

(Wer mehr über Taliaferro erfahren will, sei auf das sehr informative Porträt verwiesen, dass unser User Wolfgang Wasserhuhn im Jahre 2009 über ihn geschrieben hat.)

von 313er (Juni 2013)

Zuletzt aktualisiert: 15.12.2013, 19:00
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